| Liebe Zanny, | ||||||||||||||||||||
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Seit geraumer Zeit lebst du schon in einer Partnerschaft mit deinem Freund Mirco, der sich nach einer Ausbildung zum Fluggerรคtmechaniker fรผr 12 Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet hat.
Seine Stammeinheit, das erste Eurofighter Jagdbombergeschwader der Bundeswehr, ist auf dem Fliegerhorst Laage, im Norden des Landkreises Gรผstrow in Mecklenburg-Vorpommern, beheimatet. | ||||||||||||||||||||
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Du verpflichtetest dich nun also zunรคchst fรผr 4 Jahre, besetzt zukรผnftig nach deiner Grundausbildung in Roth/Bayern eine Stelle im Stab des Flugabwehrraketen-geschwaders der Recknitztal-Kaserne in Bad Sรผlze, also in der Nรคhe des Standortes deines Schatzes.
Ihr plant, zeitnah in eine gemeinsame Wohnung in der Nรคhe eurer Arbeitsplรคtze zu ziehen. | ||||||||||||||||||||
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Wer meine Bundeswehr-Trilogie (Teil >>1<<, >>2<<, >>3<<) gelesen hat, kennt meine Einstellung zum Dienst an der Waffe. Ehrlich gesagt bin ich damals mehr schlecht als recht durch meine Wehrpflichtzeit gekommen.
Deine Vereidigung und der vorangehende „Tag der offenen Tรผr“ der Otto-Lilienthal-Kaserne in Roth, in der heute die Ausbildung junger Luftwaffenrekruten stattfindet, versetzt mich hingegen mal eben 25 Jahre zurรผck in meine olivgrรผne Zeit. Zeit, die offenbar natรผrlich nicht stehen geblieben ist.
Der gravierendste Unterschied zeigt sich in deiner Person selbst, denn seit dem 1. Januar 2001 sind in Deutschland alle Laufbahnen der Bundeswehr auch uneingeschrรคnkt fรผr Frauen geรถffnet. | ||||||||||||||||||||
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Aber auch in anderen Bereichen hat sich Einiges geรคndert. Soldat/in schiesst jetzt statt mit dem G3, wie ich damals, mit einem viel leichteren, weil grรถรtenteils aus Kunststoff bestehenden G36. Auch die Pistole Walther P1 wurde 2004 durch die Heckler & Koch P8 ersetzt.
Die normale Arbeitsuniform ist heute komplett mit einem Tarnmuster versehen, das Essen in der Kantine abwechslungs-reich, reichhaltig und lecker, der persรถnliche Spind des Soldaten / der Soldatin ist gerรคumiger und moderner, auch Unterkunft und Stube machen eher einen gemรผtlichen Eindruck. Es geht dir hier gut! | ||||||||||||||||||||
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Da stehe ich nun mit meiner Videocamera am Rand eines Fussballplatzes in Bรผchenbach, einem kleinen bayrischen Dorf in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bundeswehrstandort Roth.
Die Sonne scheint und es weht ein laues Mai-Lรผftchen. Ich habe mir extra frei genommen, um fast 600 Kilometer von zuhause der Bundeswehr-Vereidigung meines kleinen blonden Mรคdchens beizuwohnen.
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Meine Gรผte... wie die Zeit verging! Bilder von Zanny bis
heute - wo ist meine Kleine geblieben?
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Apropos „kleines blondes Mรคdchen“: beim Warten auf den Aufmarsch der Rekruten schweben mir Bilder meiner eigentlich schon immer taffen Kleinen vor (siehe links).
Bilder deiner Geburt, deiner ersten eigenen Schritte, deiner Geburtstage mit den ebenfalls unglaublich quirligen Freundinnen, deiner ersten Fahrt auf einem Fahrrad, deiner so geliebten Tanzkurse, deiner Einschulung, des Sonnenlichtes, das sich in deinen blonden Haaren beim Spielen im warmen Sand des sizilianischen Strandes unserer vielen Urlaube dort fing, Erinnerungen daran, wie ich dich zum ersten Mal zur Disco gebracht habe oder an deine erste Fahrstunde oder... oder... oder.
... drei Zรผge mit jeweils etwa 50 Soldaten nehmen mitten auf dem Rasen des Sportplatzes Aufstellung.
Wรคhrend sich im Hintergrund das Luftwaffenmusikkorps mit Marschmusik dem Sportplatz nรคhert, muss ich an meine eigene Vereidigung denken – die habe ich damals nรคmlich wohlweisslich geschwรคnzt: ich Wehrpflichtiger wollte nicht schwรถren, dem „Deutschen Vaterland treu zu dienen und es zu verteidigen“.
Du hingegen hast dich diesem Vaterland verpflichtet – dafรผr will es dieses Versprechen von dir hรถren. Hier und heute!
Bรผrgermeister, Kommandeur und weitere Bundeswehrpersรถnlichkeiten ergieรen sich minutenlang verbal รผber den notwendigen Sinn der Truppe, die Zukunft der Bundeswehr im Allgemeinen und der gleich zu Vereidigenden und Gelobenden im Besonderen.
Die in ihrem blauen „Groรen Dienstanzug der Luftwaffe“ mit Stiefeln und grauen Lederhandschuhen anwesenden Fliegerinnen und Flieger stehen bereits eine dreiviertel Stunde regungslos in der Sonne.
Plรถtzlich lรถst sich eine Gestalt aus der Menge der Uniformierten nach hinten, schwankt, taumelt und sinkt einem herbeieilenden Sanitรคtssoldaten in die ausgestreckten Arme, wird schlapp auf eine bereitstehende Liege geschleift.
Dieses Zusammensacken war jedoch offensichtlich der Startschuss fรผr all jene Eisernen und doch Labilen, die sich vorher fest vorgenommen hatten, ihren Kreislauf nicht durch flaches Atmen zum Absturz zu bringen und diese feierliche Zeremonie eigentlich stehend รผberdauern wollten.
Von den etwa 150 Soldaten erleben bestimmt 20 Personen den im Chor gesprochenen Schwur und die feierlich gespielte Nationalhymne in einem Sanitรคtszelt, abseits der strammstehenden Menge.
Gerade registriere ich noch mit Stolz, dass du, mein Kind, fast eineinhalb Stunden stehen bliebest, da formieren sich die frisch Vereidigten auch schon wieder zum Ausmarsch.
Zielgerichteten Blickes marschiert Flieger Kernke schnurstracks an mir vorbei und verschwindet mit ihrem ganzen Zug zwischen den parkenden Autos. Zeit fรผr eine Bratwurst vom Stand auf dem Sportplatz! | ||||||||||||||||||||
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Irgendwie ist das hier alles wie ein groรes Schรผtzenfest, denke ich mampfend, als du plรถtzlich neben mir stehst. Kannst du meine Gedanken lesen?
Ich hรถre dich grinsend sagen: „Papa – versteh' das hier einfach alles als groรes Schรผtzenfest – dann kannst auch du damit gut leben“. Olivia gratuliert dir zum offiziellen Beitritt zu diesem groรen Schรผtzenverein – wir alle lachen, es ist okay. Auf dem Weg nach Hause weiร ich nicht, was ich wirklich denken soll. Eigentlich sollte ich doch froh sein, dass mein Tรถchterlein eine Zukunft fรผr ihr Leben gefunden hat. Du scheinst ja sogar รคuรerst motiviert in diesen neuen Lebensabschnitt zu marschieren. Sicher auch Dank Mirco, der dich dabei wirklich unglaublich toll unterstรผtzt und inspiriert. | ||||||||||||||||||||
| Andererseits merke ich, wie sehr mein Einfluร als Vater schwindet. Die Zeiten des kleinen, kuscheligen, Blondkรถpfchens sind vorbei. | ||||||||||||||||||||
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Eine junge Frau geht ihren Weg – ich komme auf die letzte Szene deiner Vereidigung zurรผck – du marschierst deinen Weg, inbrรผnstiger als ich es je bei der Bundeswehr gemacht habe. Und es ist sicherlich nicht nur dein Weg bei der Bundeswehr.
Darf ich dich jetzt รผberhaupt noch "mein Kind" nennen? Ich betrachte das Bild, auf dem du mit deinem rosa Kleidchen auf meinem Arm sitzt... und das mit dem Kรคtzchen... ich werde sentimental... behalte dich gern so in Erinnerung. | ||||||||||||||||||||
| Obwohl ich - weiร Gott – weder zu den Fans noch den Befรผrwortern der Soldaten gezรคhlt werden kann, bin ich mรคchtig stolz auf meine Tochter.
Ich wรผnsche dir viel Erfolg auf deinem Weg! Alles erdenklich Gute! Viel Glรผck!
Dein Papa hat dich immer lieb!
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Video von Zanny's Vereidigung |
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22 Mai 2011
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