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01 Oktober 2024

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Alles beginnt mit einer Rallye...

Weil meine allererste Sizilienreise bereits vor 35 Jahren stattfand und ich die grรถรŸte Mittelmeerinsel seitdem leider immer nur in unregelmรครŸigen Abstรคnden besucht habe, komme ich in diesem Jahr auf den inzwischen 17. oder 18. Aufenthalt in Menfi.

Dieses Mal verbinden wir den Urlaubsstart mit der Teilnahme an der >>Food Rallye<< in Neuwied, zu der wir gemeinsam mit unseren Nachbarn Jasmin und Dominique antreten. Zur รœbernachtung wรคhlen wir einen Campingplatz in Bad Hรถnningen, was uns ganz nebenbei auch schnell in Urlaubsstimmung versetzt.

So kรถnnen wir am Montag nach der Oldtimer-Rallye schon relativ entspannt nach Genua reisen.


Express in den Sรผden

Wir waren schon oft unterwegs durch die Alpen

Tschรผss Deutschland

Grรผezi... wir sind in der Schweiz

Diesen ersten Teil...

... รผber 800 Kilometer pilotiert Olivia unseren REDSTAR.

In Vesima, nur wenige Kilometer รถstlich von Genua, findet sie durch Zufall dann nachts um halb drei einen Campingplatz, dessen Nachtportier uns zunรคchst auf einem Notplatz รผbernachten lรคsst. Morgens bekommen wir dann einen richtigen Stellplatz. Da unsere Fรคhre erst am Mittwochnachmittag ablegt, nutzen wir den Dienstag zum Ausruhen.

Der Campingplatz verfรผgt รผber einen Strand, zu dem man allerdings nur unter der unmittelbar benachbarten Bahnlinie hindurch gelangt. Der Strand erinnert mich persรถnlich an die verpรถnten, heimischen Schottergรคrten. Deren Besitzer wรผrden sich hier dementsprechend wohl fรผhlen. Der Zugang zum ansonsten kristallklaren, warmen Wasser wird durch die Steine arg erschwert - dennoch gelingt uns ein fรผr diesen Urlaub erstes, erfrischendes Bad im Mittelmeer.

Der Morgen danach

Immerhin - das Meer ist zu sehen
Am Mittwoch brechen wir rechtzeitig auf, um uns noch ein wenig in westlicher Richtung an der Kรผste umzuschauen. Von hier dรผrften es noch etwa 200 Kilometer bis ins benachbarte Fรผrstentum Monaco sein.

Die Orte รคhneln sich alle sehr, aber diese Kรผste bietet uns offenbar grundsรคtzlich keine neuen Eindrรผcke. Obwohl wir ja in der Nachsaison unterwegs sind, tummeln sich hier immer noch viele Touristen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was hier in der Hochsaison los ist.

Blick Richtung Westen im einen...

... und in einem ganz anderen Ort - irgendwie ohne groรŸe Unterschiede
Entsprechend unserer ungeschriebenen Regel "Wo viele Touris sind, sind wir nicht!", entscheiden wir spontan, umzukehren und die รถstliche Kรผste Genuas zu durchstreifen.

Genua selber ist - ehrlich gesagt - eine schmutzige, laute, hektische Hafenstadt und wie ein Termitenhaufen von unzรคhligen StraรŸentunneln untergraben. Tausende PKW, LKW, Busse und - vor allem - Roller, Motorrรคder und Fahrrรคder sorgen hier tagtรคglich fรผr ein heilloses Verkehrschaos.

In รถstlicher Richtung schwรคcht sich dieser Eindruck zum Glรผck etwas ab. Dort liegt unter anderem der Ort Sori, in dem wir bereits vor sechs Jahren schon mal unsere Wartezeit auf die Fรคhre verbrachten.

Das Meer vor Sori

Das auf den Felsen ist der Friedhof von Sori
(sonst mรผsste ein Totengrรคber ja Steinhauer sein)
Dieses Mal suchen wir uns hier ein gemรผtliches Lokal mit Blick auf den Strand. Auf der Speisekarte gefallen Olivia die gegrillten Sardinen und mir das Thunfisch-Tartar und Sepia an Kartoffeln. Leider ist mir in diesem Moment รผberhaupt nicht bewusst, dass beim Thunfisch-Tartar roher, also ungekochter, Fisch verwendet wird. Dieses Informations-Defizit รผbernehmen in der kommenden Nacht dann auf der Fรคhre mein Magen sowie mein Darm๐Ÿ™ˆ. รœble Bauchschmerzen, heftigster Durchfall und wasserfallartiges Erbrechen lassen diese Nacht fรผr mich zu einem durchaus unvergesslichen Erlebnis werden.

Obendrein wird diese Nacht von einem heftigen Gewitter รผber dem Thyrrenischen Meer dominiert. Schon beim Verlassen des Hafens von Genua gegen 18:30 Uhr kรผndet heftiges Wetterleuchten eine aktive Gewitterzelle an. Mitten in der Nacht erinnern mich dann Tausende von Blitzen an die Stroboskop-Beleuchtung einer Diskothek - wir haben also auf dem Meer eine Himmels-Disco. Natรผrlich regnet es auch wie verrรผckt, ich wรผrde es bei den Wassermassen treffender als kรผbeln bezeichnen.

Am nรคchsten Morgen hat sich die Lage wie selbstverstรคndlich auf ein freundliches MaรŸ zurรผckbesonnen. Das gilt sowohl fรผr das Wetter, als auch fรผr meine Verdauung - als ob nie etwas gewesen ist! Friedlich scheint die Sonne durchs Fenster unserer Kabine mit Meerblick und mein roher Fisch schwimmt jetzt als gesammeltes Werk im riesigen Abwassertank der GNV Rhapsody. Egal: aus dem Magen - aus dem Sinn! Mir liegt es Anbetracht dessen vollkommen fern, nachtragend sein!

Das Schiff, die GNV Rhapsody, ist Mitte der 1990er in Frankreich entwickelt und gebaut, taufrisch ist sie also nicht mehr. Wรคhrend der Fahrt fรคllt sie mit unangenehmen Vibrationen auf. In der Kabine knackt und knistert es stรคndig - offenbar stammen diese Gerรคusche von Verwindungen, denen der Schiffsrumpf ausgesetzt ist. Ihr Hรถchsttempo betrรคgt lediglich 35 bis 38 km/h. Ich vermute, dass die Geschรคftsfรผhrung der Reederei Grandi Navi Veloci diese Geschwindigkeitseinschrรคnkungen in Zeiten hoher Treibstoffkosten beschlossen hat. Auf unseren frรผheren Urlaubstouren waren wir mit anderen Schiffen zeitweise mit mehr als 50 km/h unterwegs. รœber die 800 Kilometer von Genua nach Palermo macht sich das natรผrlich auch in der Reisedauer bemerkbar. So brauchen wir nun also etwa vier Stunden lรคnger bis Palermo Porto.


Fรผr uns steht die "Rhapsody" bereit

Immer, immer wieder: von diesem Blick KANN ich nicht lassen!

Wieder typisches Auto-Tetris: die Fรคhre ist nicht voll!
Aber wozu dann diese unbegreifliche Platzklauberei?
 

Cabina vista Mare! Aber die dreckigen Fenster lassen kaum einen Blick durch!

Warum nicht? Es sieht nur so aus, als ob Wasser im Pool ist!

Der Zahn der Zeit hat auch der "Rhapsody" arg zugesetzt

Einfahrt in den Hafen von Palermo

Ausgemustert: unsere letzte Fahrt mit der "La Superba" (2002 in
Dienst gestellt) 
fand 2021 statt  - als wir den
>>VW K 70 auf einem Trailer von Sizilien<< holten. Im Januar 2023
wรผtete auf einem Fahrzeugdeck ein GroรŸbrand. 2024 entschied man,
das Schiff als Totalverlust demnรคchst in der Tรผrkei abwracken zu
lassen.

Nach dem รผblichen Verkehrschaos in Palermo erreichen wir abends gegen 20:00 Uhr unser Urlaubsziel in der Via Viviani in Menfi. Dort werden wir von den Geschwistern Gino, Irene und Mario herzlich empfangen und dรผrfen, wie beim letzten Urlaub, den Platz im Schatten unter dem Vordach vorm Haus als Standplatz beziehen. Auch fรผr Strom ist gesorgt, sanitรคre Einrichtungen dรผrfen wir mitbenutzen.

Endlich angekommen

Unser Standplatz

Kultdusche

Die AuรŸendusche haben Mario und Gino extra fรผr uns hergerichtet. Sie zรคhlt bei unseren Besuchen zu den absoluten Besonderheiten. Seit nunmehr 35 Jahren dรผrfen wir hier nรคmlich die Dusche im Garten nutzen. Das Wasser (fรผr den ganzen Haushalt) stammt aus einer Zysterne auf dem Dach der Garage. Zu bestimmten Tageszeiten wird dort automatisch ein gewisses Kontingent (rationiert) Stadtwasser nachgefรผllt. Anderenorts wird einmal pro Woche das Wasser mit einem Tank-LKW geliefert. Auf diese Weise geht man auf Sizilien sparsam mit wertvollem Wasser um.

Dusche fusslรคufig zu erreichen (rechts)





Das Wasser erwรคrmt sich im Behรคlter auf dem Dach
durch Sonnenbestrahlung. Abends kann man dann,
z.B. nach dem Tag am Strand, mit wohltemperiertem
Wasser duschen.

Dafรผr gibt es unter einem Mandarinenbaum hinter einem
Duschvorhang eine kleine geflieste Ecke an der Garage.

Fรผr mich ein auรŸergewรถhnlicher Duschort

Behรคlter fรผr's Wasser auf dem Dach

Duschbrause vor (noch) grรผnen Mandarinenfrรผchten

Bertolino

Das Meer gehรถrt Allen - sizilianisches Sprichwort

"Unser" Strand in sรผdรถstlicher Richtung am Bertolino ist leider nicht mehr per Auto erreichbar. Heftiger Wind und Wellen haben wohl in der Vergangenheit tiefe Erosionen hinterlassen. Niemand hat sich bisher um die Beseitigung der entstandenen Schรคden gekรผmmert.

Durchfahrt verweigert

Manchmal zeigt das Meer seine brutale Kraft
So bleibt uns nichts anderes รผbrig, als, wie alle anderen Strandbesucher auch, in nordwestlicher Richtung einen geeigneten Badeplatz zu suchen.

Das Geniale an diesem Steinstrand ist, dass man mit dem Auto relativ nah ans Meer gelangt und es somit in Sichtweite stehen kann. Anders als an anderen Strรคnden, gibt es hier (noch) keine "Zona Blu" = kostenpflichtiger Parkraum.

Das hat sich wohl herumgesprochen, denn am einstmals einsamen Bertolino stehen inzwischen Dutzende von Fahrzeugen, vorzugsweise Wohnmobile. Dieses ist jedoch das letzte Ferienwochenende in Italien - mรถglicherweise, hoffentlich, nimmt deshalb ab Montag der Andrang auf Bertolino und alle anderen Strรคnde wieder ab.

Ich bin extra mal auf die "Dรผne" geklettert, um diesen fantastischen Blick einzufangen
Bilder sagen mehr als Worte
Und wie vermutet, haben wir Bertolino in der Zeit danach tatsรคchlich fasst fรผr uns allein. Fรผr sizilianische Verhรคltnisse รคndert sich das Wetter allerdings ein wenig. Die extrem hohen Temperaturen weichen aus dem Programm - es weht bei knapp 28°C ein etwas kรผhlerer Wind.

Dieser Wind blรคst manchmal so stark, dass wir am Strand einer Gischtwolke ausgesetzt sind. Das erkennt man allerdings nur beim Blick in die Ferne. Hier ist es wie ein feiner Nebel, der รผber Wasser und Strand steht. Abends merkt man es dann auch am Auto. Der feine salzige Belag auf dem Fahrzeug bindet die aufkommende Feuchtigkeit der kalten Nachtluft. Auch Handtรผcher und Textilien, die tagsรผber drauรŸen hingen, werden jetzt klamm.

Ungemach am Himmel?

Hohe Luftfeuchtigkeit durch Gischt

Das Meer hat immer noch ca. 28°C. Bei starkem Wellengang kann es sich allerdings kaum an der Oberflรคche in Strandnรคhe erwรคrmen und kommt uns deshalb etwas kรคlter vor - sicherlich werden es dann noch immer 24 - 26°C sein. Doch fรผr uns Norddeutsche mit gewohnten sommerlichen Nord- und Ostseetemperaturen von 17 - 21°C stellt sich das eher als Luxusproblem dar.

Pennichella

... sizilianisch fรผr Nickerchen oder Siesta

Heute haben wir uns tatsรคchlich nur am Strand aufgestellt, um dem stetigen Rauschen des Meeres zu lauschen und uns der sanften Brise des Windes auszusetzen. Sonst nichts weiter. Einfach nur die Seele baumeln und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Herrlich!


Wohlfรผhlort

K 70 Teil 1

Am Montag, den 9. September, sind wir unterwegs nach Gela, gut 150 Kilometer sรผdรถstlich von Menfi. Dort soll ich eigentlich nur die Fahrgestellnummer eines Fahrzeugs fotografieren. Mein Clubkamerad (1. internationalen K 70 Club) Mario Thimm aus Winsen bei Celle, hatte mich vorab um diesen Gefallen gebeten. Er besitzt seit Jahrzehnten das umfassendste VW K 70 Fahrgestellnummern-Archiv der Welt. Und immer, wenn irgendwo ein unbekannter K 70 auftaucht, ist Mario natรผrlich brennend an dessen Fahrzeugidentifikationsnummer oder FIN, wie sie heute heiรŸt, interessiert.

Wir sind also auf der Strada Statale 115 unterwegs, vorbei an Sciacca, Agrigento und Licata - immer wieder mit reizendem Blick nach rechts auf das weite azurblaue Meer. Die Strecke Agrigento - Licata - Gela kennen wir bereits. Vor fรผnf Jahren war sie ein Teil unseres Ziels "Cava Grande del Cassibile" - quasi ein sizilianisches Pedant zum "Grand Canyon" in Arizona/USA.

Obwohl mich Clubfreund Mario lediglich mit einem Foto des Fahrzeugs und dahinter erkennbarem Firmenlogo ausgestattet hatte, finden wir gegen 15 Uhr etwas auรŸerhalb von Gela, in einem weitlรคufigen Industriegebiet an der SS 117, die Firma CENTRAL MOTORS. Auf dem Platz vor der Firma hรคtte ich bei dem wohlklingenden Firmen-Namen schon ein wenig mehr erwartet, als nur zwei oder drei gebrauchte unangemeldete Fahrzeuge unter den hohen Palmen vor dem Gebรคude. Vom gesuchten K 70 gibt es jedoch zunรคchst keine Spur.

Ich finde aber eine geรถffnete Glastรผr. Beim Eintreten in die Halle steht dort tatsรคchlich der gesuchte marathonmetallic-farbene K 70 neben einem weiรŸen Autobianchi Biancina (vermutlich aus den 60ern). In einem der angrenzenden Bรผros sitzt ein Mann vorm Computer. Um der Geschichte einen etwas persรถnlicheren Charakter zu verleihen, nenne ich ihn mal Calogero Celentano. Erst als ich Signore Calogero direkt anspreche, lรถst er seinen Blick vom Monitor. Hรถflich frage ich, ob ich mir den K 70 mal ansehen darf. "Certo, certo!" bekomme ich als knappe Antwort, doch seine Augen haften schon wieder auf dem Bildschirm. Die Frage nach der Mรถglichkeit, die Motorhaube mal รถffnen zu dรผrfen, beantwortet Calogero ohne Blickkontakt mit "Sie kรถnnen sich alles ansehen... wenn Sie weitere Fragen zu dem Auto haben... dann stehe ich Ihnen ab 17 Uhr zur Verfรผgung!"... und im selben Augenblick ist Signore Celentano wahrscheinlich bereits wieder aktiv in den unendlichen Weiten des Internets am Surfen!

"Hm," denke ich, "17 Uhr... das ist ja erst in zwei Stunden!" Etwas hilflos blicke ich mit zusammengekniffenen Augen aus Calogero's Bรผrofenster in die Halle zum K 70 und erkenne im gleichen Moment, dass dessen Motorhaube zum Glรผck lediglich unverschlossen aufliegt. Wรคhrend Calogero noch immer geistig abwesend nickt, verlasse ich leise sein Bรผro. Beim Herangehen an den Wagen erkenne ich, dass alle Tรผrverriegelungsknรถpfe oben sind... manchmal muss man eben nur etwas Glรผck haben, was brauche ich da noch den geschรคftigen Verkรคufer?

In den folgenden Minuten fotografiere ich logischerweise nicht ausschlieรŸlich die Fahrgestellnummer - denn nur dafรผr wรผrde ich natรผrlich nicht insgesamt 300 Kilometer fahren. Wenn man schon einen in dieser Ecke der Welt so extrem seltenen VW K 70 findet, dann muss er selbstverstรคndlich auch entsprechend abgelichtet werden. Also liege ich dann auch bald seitlings halb unter, vor und hinter dem Wagen. Bis auf den Kofferraum, dazu fehlt mir leider der Schlรผssel, wird jede Tรผr geรถffnet.

Selbstverstรคndlich finden auch Fahrgestellnummer und die Produktionsplakette ihren Platz auf meine Speicherkarte. Am Ende meines Fotoshootings strecke ich nochmal meinen Kopf zur Bรผrotรผr des maulfaulen Verkรคufergenies Calogero Celentano herein und werfe dem Verdatterten ein "grazie mille, era tutto quello che volevo!" zu. "Vielen Dank, das war alles, was ich wollte!"

Nur drei Minuten spรคter rolle ich mit dem REDSTAR vom Hof.

Es ist wohl kein Wunder, dass dieser Laden mutmaรŸlich nichts gerissen kriegt! Kundenbetreuung gleich null, Warenangebot gegen null und die Preise fรผr die wenigen Fahrzeuge im Angebot wahrscheinlich auch alle so, wie fรผr den
K 70 - einfach zu hoch! Alles in Allem war das hier zwar ein sehr selbstbewusster aber irgendwie auch arroganter Firmenauftritt! Mach mal weiter so, Calogro! Du wirst schon sehen, was Du davon hast!

Mein Tipp fรผr alle Interessierten an diesem sizilianischen K 70: mรถglichst bald zu CENTRAL MOTORS nach Gela, den Preis unbedingt auf ertrรคgliche Hรถhe verhandeln und dann schnell zuschlagen. Die Halbwertzeit dieser Firma wird sehr bald abgelaufen sein... denke ich! Und tschรผss und weg!

Auf dem Rรผckweg nach Menfi tingeln wir noch parallel zur SS 115 zwischen Gela und Licata am malerischen Spiaggia di Roccazzelle und Lido Manfria entlang. Neben dem auf dem Operation Husky Rock viel hรถher gelegenen und leider hermetisch abgeriegelten Privatgelรคnde des Torre di Manfria hat man speziell Richtung Sรผdosten einen weiten Blick รผber das Meer und die zu dieser Jahreszeit touristisch sehr ruhige, auรŸergewรถhnliche "Goldene Kรผste von Gela".

Bilderbuchkรผste

Torre di Manfria

K 70 Teil 2

Am Samstag, den 14. September, ist um 17.00 Uhr die Jahreshauptversammlung des 1. internationalen K 70 Clubs im GenoHotel in Baunatal angesetzt. Moderne Erfindungen ermรถglicht es, dass ich trotz meiner rรคumlichen Entfernung per Video-Konferenz daran teilnehmen kann. Dafรผr finde ich ganz am Ende der Hafenmole in Porto Palo einen geeigneten Platz. Erstens bietet dieser Ort einen fantastischen bildlichen Hintergrund fรผr meine รœbertragung, zweitens ist man hier einigermaรŸen ungestรถrt.

Da soll 'ne Jahreshauptversammlung stattfinden? Fรผr mich der beste Platz fรผr die Skype-Konferenz


Ich sitze in der Sonne auf der
Hafenmole und lausche der JHV
in Baunatal bei Kassel

Am Ende der JHV geht die Sonne unter
Fast zwei Stunden bringe ich dort zu, beobachte die Versammlung und lausche den Vortrรคgen, die gut 1.550 Kilometer (direkte Luftlinie) stattfinden. Ich bin mal wieder erstaunt, wie stabil die Verbindung รผber das italienische Netz per Smartphone-Hotspot funktioniert, wรคhrend in Deutschland ja beim Telefonieren bereits das kleinste Hรผgelchen in der Gegend fรผr ein sattes Funkloch sorgt. Als die Jahreshauptversammlung schlieรŸlich beendet ist, geht in Porto Palo die Sonne sehr fotogen unter.

Wettertechnisch stellt sich unser Urlaub etwas anders dar, als ich es aus den vergangenen 35 Jahren gewohnt bin. "Schwester" Irene erzรคhlt schon im Vorfeld, dass sie eine Klimaverรคnderung auf Sizilien wahrnimmt. So gebe es kaum noch รœbergangszeiten, also Frรผhjahr und Herbst fallen sehr kurz aus. Dafรผr wรผrde es jedoch sehr schnell im Jahr extrem warm und trocken. Der Winter starte ebenfalls sehr abrupt, falle jedoch relativ kurz aus. Diese neuen Wetterzustรคnde sorgen dafรผr, dass es รผber das Jahr gesehen viel zu trocken ist. Wenn es doch regnet, dann sind es groรŸe Wassermassen, die oberflรคchlich abflieรŸen und fรผr deutlich sichtbare Schรคden verantwortlich sind.

Manchmal zeigt das Mittelmeer auch eine etwas hรคrte Gangart

Dieses Phรคnomen erleben wir dann auch in diesem Urlaub. Wรคhrend es bisher auf Sizilien immer hieรŸ, dass es von Mai bis Oktober grundsรคtzlich nicht regnet, kรถnnen wir innerhalb der ersten beiden Septemberwochen bereits vier kurze aber zum Teil heftige Regenfรคlle erleben. Auf das Wetter ist offenbar auch hier kein Verlass mehr.

Wir lassen uns davon dennoch nicht beeinflussen. Es gibt auf Sizilien genug zu erleben.

Selinunte

Kultur pur - beeindruckt von der Geschichte

Obwohl mir in der Schule das Unterrichtsfach Geschichte bekanntlich stets zuwider war und ich auch heute noch der Meinung bin, dass dieses Schulfach keinerlei Nutzen bringt, weil der Mensch offenbar rein gar nichts daraus lernt, besuchen wir die archรคologische Fundstรคtte Selinunte (ich bevorzuge aus vielleicht verstรคndlichen Grรผnden die sizilianische Schreibweise mit einem "e" hintendran).


Alle DiebstahlsicherungsmaรŸnahmen wurden vorsichtshalber getroffen

Seit ich nach Sizilien reise, ist mir lediglich der "Tempio di Hera" in Marinella di Selinunte bei Castelvetrano, nur wenige Kilometer von Menfi entfernt und unmittelbar an der Sรผdkรผste am Meer gelegen, von einheimischen Freunden vorgestellt worden.

Viele Fotoshootings sizilianischer Hochzeiten finden vor diesem hรผbschen Tempel eine optimale Kulisse.

รœberhaupt - wie schon sehr hรคufig gelesen und gehรถrt: wer schรถn gelegene Tempel sehen mรถchte, der sollte unbedingt nach Sizilien reisen. Diese uralten Bauwerke gibt es reichlich und รผberall auf der ganzen Insel - und alle sind in deutlich besserem Zustand als jene in Griechenland.

Damit habe ich jetzt allerdings dummerweise schon wieder viel zu sehr fรผr Sizilien geschwรคrmt. Denn Ihr wisst ja: wir haben es nicht so mit Touristen... und wenn davon zu viele kommen, wird es fรผr uns unangenehm - zwischen Scharen von Touris fรผhlen wir uns einfach nicht wohl. The commercial ends >>here<<.


Tempel der Hera

Heute ist es also das erste Mal, dass wir den "Parco Archeologico di Selinunte" mal genauer unter die Lupe nehmen. Dabei muss ich schnell erkennen, dass es sich hierbei um ein wesentlich weitlรคufigeres Gelรคnde handelt, als mir bisher bewusst war.

Wikipedia erklรคrt, dass die Fundstรคtte vornehmlich aus den รœberresten der alten griechischen Stadt Selinus besteht, die in der Antike zu den wichtigsten stรคdtischen Siedlungszentren Siziliens zรคhlte. Davon zeugen unter anderem die zahlreichen Tempel, die zu den bedeutendsten griechischen Tempeln Siziliens zรคhlen. Historisch bedeutsam, wenngleich weniger imposant sind auch die Ruinen aus der karthagischen Siedlungsphase des Ortes. In den vergangenen Jahrzehnten wurden groรŸe Teile der antiken Stadt freigelegt; eines der sรคmtlich durch Erdbeben zerstรถrten Heiligtรผmer wurde dabei teilweise wiederaufgebaut.


Selinus wurde vor etwa 2.700 Jahren, also im 7. Jahrhundert v. Chr., von dorischen Griechen aus dem ostsizilischen Megara Hyblaea gegrรผndet. Die Stadt war berรผhmt fรผr ihre fruchtbaren Bรถden, auf denen ein besonders guter Weizen wuchs, und erlangte rasch groรŸen Reichtum, der sich insbesondere in den zahlreichen groรŸen Tempelbauten manifestierte. In den sumpfigen Niederungen des Flusses Selinus gab es groรŸe Bestรคnde wilden Selleries, die namensgebend fรผr die Stadt und den Fluss wurden. Sogar das Wappen der Stadt war dem Sellerie gewidmet und enthielt den Zipfel eines Sellerieblattes.

Das 5. Jahrhundert war die Zeit der grรถรŸten Blรผte des Ortes. Die ewigen Konflikte zwischen dem griechischen Selinus und der einheimischen Siedlung Segesta eskalierten aber in der Folgezeit und fรผhrten schlieรŸlich zu einem Eingreifen der GroรŸmรคchte Athen und Sparta, wobei letzteres Syrakus und Selinus gegen Athen unterstรผtzte.

Nachdem sich Selinus nach dem Scheitern der Sizilienexpedition Athens 413 v. Chr. die Verwรผstung Segestas „geleistet“ hatte, wurde die Stadt nach Berichten Diodors von Karthago im Jahr 409 v. Chr. nach einem Krieg mit 16.000 Toten und 5000 Gefangenen weitgehend zerstรถrt. Von den Karthagern (Puniern) wurde der Ort wieder aufgebaut. Er stand seither endgรผltig unter karthagischer Kontrolle und wurde fast ausschlieรŸlich von Puniern bewohnt, die in der Stadt auch ihre charakteristische Architektur einfรผhrten. Im Ersten Punischen Krieg wurde Selinus dann 250 v. Chr. von den karthagischen Truppen gerรคumt und anschlieรŸend von den Rรถmern zerstรถrt. Damit endete die Geschichte Selinus im Wesentlichen. Es gab aber offenbar eine gewisse Siedlungskontinuitรคt auf sehr niedrigem Niveau, und in der Spรคtantike bestand ein kleiner christlicher Ort auf der einstigen Akropolis.

Einige Vulkanologen, Archรคologen und Historiker vermuten, dass die Tempel der Stadt ebenso wie andere antike Stรคdte an der sizilianischen Sรผdwestkรผste auf Grund eines unterseeischen Erdbebens in der StraรŸe von Sizilien und einer dadurch ausgelรถsten gewaltigen Flutwelle zerstรถrt wurden.

Die Akropolis weist vier Tempel auf, dazu gut erhaltene Terrassierungen und Befestigungen aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Einer der Tempel ist der "Tempio di Apollo" (Tempel C) aus der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr., der teilweise restauriert wurde, ein weiterer ist der jรผngere Tempel B. Hier finden sich auch die รœberreste zahlreicher typisch punischer Wohnhรคuser, die meist auf Fundamenten griechischer Bebauung errichtet wurden. Die Karthager scheinen auch die griechischen Heiligtรผmer weiterbenutzt zu haben, nun allerdings fรผr ihren eigenen Kult.

Auf dem Osthรผgel im Osten der Akropolis, der damals der am dichtesten besiedelte Teil der Stadt war, befinden sich Reste von 12 Tempeln aus dem 6. und 5. Jahrhundert v. Chr.; dazu zรคhlt der vermutlich der Gรถttin Hera geweihte Tempel E, der auf zwei Vorlรคuferbauten steht und als dorischer Peripteros restauriert wurde, sowie der um 520 v. Chr. begonnene und unvollendete Tempel des Zeus (Tempel G), der mit einer Grundflรคche von 50 mal 110 Meter einer der grรถรŸten griechischen Tempel ist. Im Schutt dieser Tempel fand man einen 70 Tonnen schweren Giebel.

In einem Antiquarium werden Fundgegenstรคnde des "Parco Archeologico di Selinunte" ausgestellt

Westlich der Akropolis befinden sich das Heiligtum der Demeter Malophoros aus dem 7. bis 5. Jahrhundert v. Chr. und eine daneben liegende Nekropole.

In der Nรคhe des heutigen Ortes Selinunte soll sich รผbrigens der antike Steinbruch Rocche di Cusa oder Cave di Cusa befinden, aus dem das gesamte fรผr den Bau der Tempel verwendete Material stammt. Hier soll zu sehen sein, wie Sรคulentrommeln, die fรผr den unvollendeten Tempel G vorgesehen waren, aus den Felsen herausgearbeitet wurden.



Die Strecke mit dem Golf-Cart-Taxi
Der archรคologische Park Selinunte kann natรผrlich von Touristen besucht werden. Besondere Aufmerksamkeit erhielten die Ruinen bereits als Veranstaltungsort des Google Camps 2019 mit einem Auftritt der Band Coldplay. Ebenso fanden hier Mode-Shootings statt.

Olivia umter'm Tannenbaum: eine solche Mittelmeertanne, eine Araucarie, nutzen wir zuhause - natรผrlich in
kleinerem Format - als Weihnachtsbaum

Wir werden auf dem Gelรคnde gut viereinhalb Kilometer mit einem angebotenen Golf-Cart-Taxi herum gefahren. Immer an den interessanten Stellen kรถnnen wir aussteigen, den Ort dort besichtigen, spรคter wieder in die alle zehn Minuten regelmรครŸig verkehrenden Taxis zusteigen und weiterfahren.


Golf-Cart-Gespann

Von archรคologischen und historischen Brocken

Wรคhrend die archรคologischen Ruinen von Selinunte also nahezu 2.700 Jahre alt sind, bringen es die Trรผmmer unserer nรคchsten besuchten Orte mal gerade auf 56 Jahre. Solange ist es nรคmlich her, dass es im Tal des Belices ein wรผstes Erdbeben gab. Viele Orte, die an dieser Linie liegen, sind damals schlimm getroffen oder sogar komplett zerstรถrt worden. Ich berichtete schon >>hier<<darรผber.

Denn dieses Mal besichtigen wir erneut die Erdbebenruinen der Stรคdte Montevago und Santa Magherita di Belice. Die Bevรถlkerung, die dieses Erdbeben der Stรคrke 6,1 (entspricht etwa der Energie von 21.301 Tonnen TNT oder 1,3 Atombomben) am 14. Januar 1968 nachts um 3:01 Uhr erlebt und รผberlebt hat, leidet noch heute unter diesem Trauma. Das merkt man insbesondere auch daran, dass die Ruinen des Bebens noch immer nicht gerรคumt sind und in den Kรถpfen vieler Menschen als Mahnmal gelten.

Mir wurden diese Orte, die aussehen wie nach einem Bombenangriff - zumindest stelle ich mir das so vor - schon bei meinem ersten Sizilienbesuch, also vor 35 Jahren, gezeigt und ich erkenne durch meine wiederkehrenden Besuche die dort stattfindenden Verรคnderungen.

Beim heutigen Besuch fallen mir in dem groรŸflรคchigen Gebiet, dass man bisher durchaus mit dem eigenen Auto durchfahren konnte, viele Absperrungen auf. Angeblich mรถchte man bestimmte Bauwerke (insbesondere natรผrlich Kirchen) nicht dem Verfall รผberlassen. Ihre Mauern und Wรคnde werden aufwendig mit schweren, eisernen Stรผtzkonstruktionen vor dem drohenden Einsturz bewahrt. Andererseits werden bestimmte Plรคtze jedoch auch fรผr รถffentliche Feiern und Auffรผhrungen genutzt. Eigens dafรผr angeschaffte Sitzgelegenheiten wurden allerdings in der Vergangenheit schon im groรŸen Stil gestohlen. Auch um derartige Abtransporte zu verhindern, ist das Befahren der alten StraรŸen wohl nun nicht mehr erlaubt.

Nun suche ich speziell in Santa Magherita nach einer Kirchenruine, vor der ich damals bei meinem ersten Besuch meinen weiรŸen T3 geparkt und fotografiert hatte.

Foto aus dem Jahr 1989 - mein damaliger Bulli vor der Kirchenruine in Santa Magherita, 21 Jahre nach dem Erdbeben
Heute mรถchte ich das Foto mit dem REDSTAR nachstellen. Allerdings finde ich die Kirche partout nicht. Alles hat sich irgendwie verรคndert - ich kenne mich einfach nicht mehr aus. Deswegen zeige ich einem Bauarbeiter auf meinem Smartphone das obige Foto aus meinem Blog und frage ihn, wo ich dieses Bauwerk finden kann. Er deutet auf eine Baustelle nur wenige Meter weiter. Dort sind Kirchenbรถgen und ein Altar inzwischen unter einer groรŸen Glasfassade vor Verwitterung geschรผtzt. Beim genauen Betrachten muss ich jedoch erkennen, dass dieses nicht das von mir gesuchte Bauwerk ist.

Wir fahren ein wenig durch die "Ruderi" (Trรผmmer), finden dabei eine Anhรถhe, auf der man einen prima Panoramablick รผber typisch sizilianisches Terrain hat.




Unterwegs in den Ruderis

Beeindruckender Blick รผber Sizilien
Als wir wieder herabfahren, findet Olivia bei der Google-Suche einen entscheidenden Hinweis zur gesuchten Kirche. Es ist die "alte Chiesa Madre". Tatsรคchlich sind wir durch die StraรŸenfรผhrung an der Hinterseite dieser Kirche vorbeigeleitet worden.

Auch sie ist inzwischen komplett in Glas gefasst und hat nun den Namen "Museo della Memoria a Santa Magherita di Belice" erhalten. An ihrer Vorderseite ist jetzt ein groรŸer Platz angelegt, der jedoch nicht mehr mit dem Auto befahrbar ist. Unter dem alten Namen "Chiesa Madre" findet man รผbrigens, welch unglaublich geniale Idee, eine neue Kirche in Sichtweite der alten. Welche geistigen Blรคhungen den Architekten jedoch bei der Gestaltung und Planung dieses Bauwerks geplagt haben mรถgen, kann man >>angesichts des Resultats<< nur erahnen.

Da die geplante Foto-Nachstellung mit dem REDSTAR vor der Kirchenruine ja wohl als Satz mit "x" endete, versuchen wir dennoch positive Aspekte in diesen Tag einflieรŸen zu lassen.

Dazu verlassen wir die Stadt รผber die SS 188 Richtung Sรผden. Nur ein paar Kilometer weiter liegt der "Lago Arancio", ein knapp 4 Quadratkilometer groรŸer (oder doch eher kleiner) Stausee, den wir vor drei Jahren schon mal besucht hatten. Damals fรผhrte er jedoch auffรคllig mehr Wasser - das ganze Jahr 2024 war halt zu trocken.

Die Stadt da am Hang im Hintergrund heiรŸt Sambuca di Sicilia
Damals begeisterte mich eine >>Canadair CL 415<<, ein Amphibienflugzeug des kanadischen Herstellers Viking Air, das hauptsรคchlich als Lรถschflugzeug bei Waldbrรคnden von der "Vigli del Fuoco", der italienischen Feuerwehr, eingesetzt wird. Mehrere dieser gelb-roten Flieger starteten und landeten damals eifrig auf dem Lago Arancio, um ein Feuer zu lรถschen.

So sah es hier 2019 aus - man beachte den Wasserstand!

Die Canadair CL 415
Dieses Mal zieht ein Hubschrauber der staatlichen Forstwache "Corpo Forestale" mit einem Wasserbehรคlter seine Kreise,  was mich als Helikopterbegeisterten natรผrlich zu dieser Fotoserie inspiriert.

Wo kann man schon mal so nah einem Lรถsch-Hubschrauber bei der Arbeit zuschauen?

Anflug

Sinken

Eintunken

Volllaufen lassen

Anheben

Kurs nehmen


Und ab die Post!


Hier hin bringt der Heli seine
nasse Fracht immer zum
Feuerlรถschen:
Cava San Giovanni - ein
Steinbruch, in dem es 
offenbar brennt

Besuch in Sciacca

Der nur 15 Kilometer von Menfi entfernte Hafen von Sciacca ist immer wieder sehenswert. Hier parken wir auf der Banchina S. Paolo, dort, wo die Fischerboote anlegen, um ihren Fang zu entladen.

Sciacca hat ein wirklich schรถnes Hafenpanorama

Heimathafen einer groรŸen Fischfangflotte
Genau hier holen viele Restaurants und Fischgeschรคfte ihre Ware direkt vom Schiff. Mit etwas Glรผck bekommt man auch als Endverbraucher fangfrischen Fisch zu einem sehr gรผnstigen Kurs. Ansonsten bietet Sciacca alte Gassen und Hรคuser sowie einen schรถnen Blick aufs Meer.

Wir stoppen fรผr ein paar Bilder vor dem "Samonร  Teatro Popolare", benannt nach seinem Architekten Giuseppe Samonร , laut Irene allerdings ein Theater, "das nie fertig wird!"

Alles hat ein Ende...

Auch in diesem Urlaub kommt es natรผrlich so, wie es irgendwie und irgendwann immer kommen muss: er geht langsam zu Ende. Und immer wieder stellt man dann an dieser Stelle mit einer gewissen Enttรคuschung fest, dass die vergangenen Wochen und Tage eigentlich nicht wirklich gereicht haben. Dennoch haben sie wohltuend geholfen, eine gewisse Zeit aus der alltรคglichen Routine zu entfliehen, mal an etwas anderes zu denken, den Kopf frei zu machen.

So sitze ich vor REDSTARs geรถffneter Schiebetรผr am Meer, lese die letzten Zeilen meines Urlaubsbuches (es ist ein von mir geliebter Brauch, denn nur im Urlaub habe ich die nรถtige MuรŸe, mal in Ruhe ein Buch zu lesen). 


Meine Buchempfehlung 2024
Das Buch dieses Urlaubs hatte ich mir bereits im >>Urlaub 2023<< anlรคsslich meines Besuches in >>Wohllebens Waldakademie<< in Wershofen/Eifel gekauft.

Der Grรผnder dieser Waldakademie ist Peter Wohlleben, ein stets positiver, euphorischer und begeisterungsfรคhiger Fรถrster und Autor, der sich fรผr den Schutz der Wรคlder einsetzt. Ich verfolge seine Auftritte in den Medien. Sein sehr empfehlenswertes Buch >>"Das geheime Leben der Bรคume"<< begleitete mich also durch den diesjรคhrigen Sizilienurlaub.

Und im Hintergrund rauscht das Meer...


Ich kann einfach nicht in Worte fassen, was mir Bertolino und die Momente hier bedeuten... 

Widerstrebend mรผssen wir schlieรŸlich gen Norden aufbrechen.

Dieses Mal haben wir uns die Version per StraรŸe vorgenommen. Speziell der Besuch der Stadt Pompeji am Vesuv steht auf dem Programm. Als wir in der Reisevorbereitung kurz vor dem Start jedoch die Eintrittspreise im Internet buchen wollen und pro Person 43,- EUR aufgerufen werden (ein bewachter Parkplatz, der von mir Bedingung fรผr diesen Besuch ist, nicht inbegriffen), canceln wir diesen Punkt jedoch lieber wieder. Das ist es uns nicht wert!

Also starten wir den schlichten Rรผckweg hauptsรคchlich รผber italienische Autostradas. Zunรคchst Richtung Palermo, dann Messina. Dort nehmen wir die Fรคhre "Caronte & Tourist" nach Villa San Giovanni aufs Festland.


Warten auf die Fรคhre in Messina

Tag und Nacht im Einsatz

Die Fahrt dauert nur 20 Minuten

Im Jahr 2032 soll hier tatsรคchlich mal Sizilien mit dem Festland รผber eine Brรผcke verbunden sein 



Blick zurรผck nach Sizilien

Blick nach vorn zum italienischen Festland

Ciao Sicilia ๐Ÿ˜ข
Von dort entlang der calabrischen Westkรผste รผber die E 45 vorbei an Rogliano und Cosenza. Dort beginnt es zu regnen. Weiter geht es durch Basilicata und Campania nach Battipaglia, wo wir spรคt abends ein paar Kilometer sรผdlich der Amalfikรผste nach etwa 730 Kilometern eine รœbernachtungsmรถglichkeit beim "Camperstop Lagomare" finden.

Auf dem unscheinbaren Platz sind wir die Einzigen. Es gibt dort Toiletten, Duschen, Strom... mehr brauchen wir gar nicht!


Unser Lager fรผr eine Nacht
Am nรคchsten Tag starten wir gut ausgeschlafen gegen 11:00 Uhr die Weiterreise. Es dauert fast eine Stunde, bis wir aus dem Verkehrsgewusel von Salerno und dem nahen Neapel, vorbei am Vesuv, auf der A 30 wieder richtig Fahrt aufnehmen kรถnnen.

Vorbei am Vesuv
Nun geht es vorbei an Caserta, Frosinone, Rom. Auf dem Weg nach Florenz gibt es wohl ein paar Unfรคlle auf der Autobahn. Deswegen umfahren wir sie weitlรคufig durch die Toskana, fast bis nach Bologna. Dort, in Emilia-Romagna, wird es bereits dunkel. Noch eine weitere "harte" Strecke (im Dunklen fast nur geradeaus) haben wir quer durch Lombardia jetzt รผber Parma und Piacenza nach Mailand zu bewรคltigen. Von dort geht es รผber Como am Grenzรผbergang Chiasso in die Schweiz. In Bellinzona biegen wir dieses Mal nicht nach links zum St. Gotthard-Tunnel, sondern nach rechts Richtung San-Bernadino-Pass ab.

Diesen Pass habe ich vor vielen Jahren schonmal zu >>T2b-Zeiten<< gefahren - allerdings tagsรผber! Dieses Mal ist es jedoch finstere Nacht. Die Kehren vom San-Bernadino sind stellenweise Hammer! Aber ich muss feststellen, dass die Schweiz inzwischen fleiรŸig gewesen ist und den Pass erneuert hat - teilweise mit langen Tunneln. Diese Erneuerung ist ihr wirklich perfekt gelungen. Den Pass kann man sehr gut fahren! Nur schade, dass wir aufgrund der Dunkelheit von der Gegend nichts sehen konnten.

Am Ende dieser Etappe tanken wir nochmal sehr gรผnstig knapp hinter der Grenze in Dornbirn/ร–sterreich (die Spritpreise in der Schweiz sind nรคmlich extrem happig!). Dann liefern wir (es ist inzwischen morgens halb fรผnf) dem Sohn sizilianischer Freunde (er lebt und arbeitet seit zwei Jahren in Deutschland) noch Medikamente aus und wollen uns dann in einem Wald nach fast 1.300 Kilometern und 18 Stunden Fahrt endlich im REDSTAR "auf's Ohr" hauen.

๐Ÿ˜Ÿ
Bei der Suche nach einem geeigneten Platz passiert mir dann - hundemรผde - ein folgenschwerer Fehler. Beim Rรผckwรคrtsherausfahren aus einem Waldweg lenke ich zu frรผh ein und lande halb in einem Graben ๐Ÿ’ฉ. Es dauert fast zwei Stunden, bis ich den Wagen mit dem Wagenheber und aus dem Wald herbeigeschafften Holzknรผppeln wieder flott habe... zum Glรผck sind keine Schรคden am REDSTAR entstanden! - und bereits eine viertel Stunde spรคter bin ich in der Tiefschlafphase ๐Ÿ˜ด - immerhin ist es fast 7:00 Uhr.

Nach dem Aufwachen (von Ausgeschlafensein kann logischerweise nicht die Rede sein), lenkt Olivia den REDSTAR die etwa 450 Kilometer bis nach Weitersburg am Rhein. Dort, bei Peter Rodenberg, laden wir den restaurierten Benzintank von SICILIANO ein und unterhalten uns noch ein bisschen mit ihm.

AnschlieรŸend beende ich unsere Urlaubsreise mit den letzten 360 Kilometern (streckenweise unter Starkregen!) um Punkt 0:00 Uhr nach genau 5.982 Kilometern.๐Ÿš—๐Ÿ’จ

๐Ÿ“ท๐Ÿš˜๐Ÿš—
Anmerkung zum Schluss: bevor sich jemand beschwert - ja, ich weiรŸ! Auch in diesem Post ist auf extrem vielen Fotos unser REDSTAR abgebildet. Das hรคngt ursรคchlich damit zusammen, dass ich verdammt stolz darauf bin, einen aufwendig selbst restaurierten Bulli zu besitzen und zu fahren. Dieses Fahrzeug ist mittlerweile 32 Jahre alt und begleitet uns immer wieder treu und brav รผberall hin. Die inzwischen durch den REDSTAR zurรผckgelegten unglaublich vielen Kilometer sorgen fรผr eine gewisse Verbundenheit. Der Wagen nimmt damit quasi eine seelische Verbindung zu mir/uns auf.

Lediglich sachlich denkende Menschen werden eine emotionale Beziehung zu einem Gegenstand nicht nachvollziehen kรถnnen oder wollen. Ihnen sei gesagt, dass genau diese Empfindungen das Fundament der Oldtimerei sind. Ob es jedoch gut oder schlecht ist, dass alle Oldtimerbesitzer und Fahrer in gewisser Weise "denselben rostigen Nagel im Kopf haben", muss jeder selbst entscheiden.



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