25.9.22

Fünfter STATUSREPORT zum silbernen VW K 70 von Sizilien

Den letzten Statusreport hatte ich vor bereits sechs Monaten gepostet. Das ist zwar lange her, die Arbeiten am silbernen Sizilianer ruhten seitdem jedoch natürlich nicht. Der trockene und überaus sonnige Sommer bremste ihre Fortsetzung nur etwas - was allerdings nicht ausschließlich an mir lag.

Freund und Lackierer Ralf (der ganz nebenbei auch noch seine eigene VW T4 - Restauration bestreitet) werkelt wochenendweise am Sizilianer - die fiese Schramme unter der Beifahrertür, die Beifahrertür selbst und die vordere linke Kotflügelecke stehen im Fokus seines Schaffens.

Nachdem ich - wie schon im dritten STATUSREPORT ausgiebig beschrieben - die fiese Schramme grob mit selbst gebautem Werkzeug herausgezogen hatte, bringt Ralf im Verlauf dieses Sommers das Schwellerblech mit Zinnersatzspachtel wieder in Form. Da die Masse in durchgetrocknetem Zustand extrem hart und schwer zu schleifen ist, artet diese Arbeit in eine ziemliche Quälerei aus. Gerade weil der Schweller natürlich recht tief und daher nicht in optimaler Arbeitshöhe liegt, fällt Ralf diese langwierige Arbeit schwer - immerhin hatte er unlängst eine größere Knieoperation (leider eine Folge seines Arbeitslebens). Heute würde für Tätigkeiten, wie sie am Sizilianer anstehen, eine Hebebühne zuhilfe genommen. Ich besitze aber leider keine Hebebühne. Lediglich  durch Aufbocken des Wagens kann ich für eine etwas entspanntere Erreichbarkeit sorgen.


Der Schweller ist aufgrund seiner Lage schleif-
technisch wirklich schwere Kost für Ralf...

... speziell wenn die Zinnersatzpampe im wahrsten 
Sinne des Wortes ausgehärtet ist

Problem: es muß immer wieder mit viel Kraft
geschliffen werden

Mit Dickschichtfüller sieht es nun schon wieder viel
besser aus!

Wenn ich es nicht besser wüsste...

... würde ich behaupten, dass im Schweller nie eine
tiefe, fiese Schramme
 war

Immer dran denken: das Auto behält eine Patina!

                
 →
Hier (und beim Schweller) haben wir einfach
eine schmerzhafte und unschöne Geschichte
aus der Historie dieses Autos gelöscht
 

Die Endspitze hatte ich geschweißt

Die Bulligarage als Lackierkammer

Hier ist leider nicht allzuviel Platz

Nochmal der klassische Vorher-Nachher-Vergleich in
drei Bildern:


Nun fehlen nur noch Basis- und Klarlack

 Das kann man diesen Bildern leider nicht ent-
nehmen: 
für einen Lackierer gibt es an dieser Ecke unglaublich viele Ebenen und Kanten, die zueinander
passen müssen: ich bezeichne solch eine
Sisyphusarbeit daher schlicht als wahres Kunstwerk! 

Nach viel Herumgekrieche neben dem Auto auf dem Boden sind die entsprechenden Stellen also mittlerweile mit grauem Dickschichtfüller versehen. Der muss jetzt noch nass geschliffen und anschließend mit Basis- und Klarlack versehen werden.


Waiting for completion


Da ich bei Lackiervorbereitungen leider wenig Möglichkeit zur Mithilfe bieten kann (in glatte Flächen schmirgel ich höchstens Unebenheiten), beschäftige ich mich mit anderen Punkten auf meiner To-do-Liste.

Um an die Innenseite des Windleitblechs unter der Windschutzscheibe zu gelangen, muss das komplette Armaturenbrett demontiert werden. Das in seine Einzelteile zerlegte Armaturenbrett wird durch ein fitteres Teil aus meinem Lager ersetzt, komplett gesäubert und die Oberfläche mit "Armor all"-Tiefenpfleger behandelt.

Beim Blick auf die Innenseite des Windleitblechs bin ich dann überrascht. Weder von außen, noch von hier innen sind irgendwelche Rostspuren zu entdecken. Bei früheren Restaurationen (beispielsweise meinem gelben 74er LS) trennte ich die rostigen Bereiche unter der A-Säule mit der Flex heraus und popelte stundenlang den PU-Schaum aus den Hohlräumen (VW brachte den "Bauschaum" angeblich als Lärmdämmungsmaßnahme ein). Später erkannte ich, dass eine technische Begebenheit für das rasche Rosten des Windlaufblechs verantwortlich ist. Die Dichtung der Windschutzscheibe schliesst wohl werkseitig niemals richtig zur Karosserie hin ab. So sickert immer Wasser in den Windschutzscheibenrahmen. Im linken und rechten unteren Eck gelangt dieses Wasser über kleine Löcher in die Hohlräume, wird dort wie bei einem Schwamm vom PU-Schaum aufgesogen. Diese ständige Feuchtigkeit sorgt für hervorragende Rostbiotope. Daher sollte der Blick jedes K 70-Käufers unbedingt auf die Achillessehne dieses Modells, auf den Zustand der Windleitbleche, gerichtet sein.

Da der Sizilianer hier offensichtlich aufgrund seines Lebens in der Trockenheit und Sonne Siziliens nicht belastet scheint, entscheide ich mutig, die Hohlräume geschlossen (und den PU-Schaum drin) zu lassen und strikt dafür zu sorgen, dass die Scheibendichtung unbedingt dicht bleiben muss. Hoffentlich bereue ich diesen Schritt nicht irgendwann. 😥


Armaturenbretter habe ich reichlich auf Lager...
allerdings alle sehr staubig

Blick von innen (hinterm Kombiinstrument) zum
Windleitblech - auch viel weiter links ist alles picobello


Alsdann begebe ich mich an die Türverkleidungen. Ich reinige sie, behandele auch sie mit "Armor all", vervollständigte die Plastik-Pinöppel zum Einbau in die Türen.

In den Vordertüren scheinen die Fensterheber altersmüde zu sein. Ich habe davon noch reichlich in meinem Lager auf dem Dachboden. Also baue ich das alte Geraffel aus, reinige den Ersatz, fettet und öle ihn und vervollständige die Türen wieder. Sie funktionieren nun wieder wie neu!


Die Fensterheber rosten munter vor sich hin

Den nächsten Punkt hatte ich bereits von anderer Seite (von unten) begonnen - die Bremsen. Dieses Mal baue ich Bremskraftverstärker und Hauptbremszylinder aus. Da sie schon ziemlich verrostet sind, kommen mal wieder Stahlbürste und Schmirgelpapier zum Einsatz.

Nachdem alles blank ist, pinsele ich flächendeckend OWATROL drauf - damit sehen auch diese Teile wieder vernünftig aus. Beim Einbau reisst mir leider die Leitung zur hinteren Bremse am Anschluss (an den Hauptbremszylinder) ab. Da darf ich dann also eine neue Überwurfschraube dran bördeln.


Bremskraftverstärker, Bremsflüssigkeitsbehälter und
Bremsflüssigkeitsbehälter nach der Ros"t"kur

Der Anschluss unten rechts riss ab

Lieber trocken aufbewahren - Bremskraftverstärker werden rar

Dass wir den Motor zum Laufen überzeugen konnten, hatte ich ja bereits HIER verkündet. Mittlerweile ist der Tank wieder über einen neuen Gummischlauch mit dem Tankeinfüllrohr verbunden (und dicht!). Der locker ein Viertel Jahrhundert alte Tankinhalt ist so gut es ging abgelassen. In der letzten Woche des Tankrabatts haben 52,26 Liter (zum Literpreis von 1,60 EUR) im Tank Platz gefunden.


Bereits Ende Mai wollte Peter unbedingt den Motor hören

Auch die Fuchsfelgen aus der K 70 - Club - Mission warten inzwischen auf ihren großen Auftritt am K 70.


Die vorderen statischen Dreipunkt-Gurte (die bei der Abholung des Autos zwar vorhanden, aber alles andere als sicher waren - die wichtigen Schrauben konnte ich ALLE von Hand lösen!), habe ich inzwischen durch originale "AUTOFLUG" Automatikgurte ersetzt.


Gut ein Jahr nach seiner Ankunft in meiner Garage sind beim Sizilianer die größten Baustellen erledigt. Plan ist, im nächsten Jahr das Pfingsttreffen in Österreich mit dem Sizilianer zu besuchen. 

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