Sonntag, Februar 20, 2022

Dritter STATUSREPORT zum silbernen VW K 70 von Sizilien

Der Samstag gehört momentan dem alten Sizilianer (>>Zweiter<<, >>Erster<< Statusreport) - obwohl ich mir diese Regelmäßigkeit selbst gar nicht mehr zugetraut hatte. Doch die ersten Monate dieses Jahres langweilen mit ständig grauem, nasskalten, stürmischen Wetter. Wie gut, dass ich den alten K 70 auf die Grube in meiner Werstatt geschoben habe - da interessieren mich die Wettereinflüsse nicht - und ich komme perfekt von unten an wichtige Baustellen dieses Autos heran.


K 70 auf der Grube

Grube versus Hebebühne?

Ja - ich weiß! Natürlich wäre eine Hebebühne für solche Arbeiten wesentlich praktischer. Vor etwa zehn Jahren hatte ich einem Bekannten sogar schon zugesagt, seine nagelneue Bühne zu übernehmen. Er wollte eigentlich mal auf seinem elterlichen Grundstück eine eigene Werkstatt einrichten und hatte dazu bereits eine wirklich gute Hebebühne geordert. Doch alles kam anders - und nun bot er mir die Bühne zu einem akzeptablen Preis an.

Etwas zu impulsiv stimmte ich blöderweise gleich zu. Kurz nachdem ich nämlich eine Transportmöglichkeit organisiert hatte, maß ich die Hebebühne sowie meine Garage aus und stellte dabei bedauernd fest, dass dieses Gerät trotz allen Tricksens und guten Willens keinen Platz in der heimischen Werkstatt gefunden hätte.

So nahm ich Abschied von dem Gedanken einer eigenen Hebebühne und erneuerte stattdessen die Freundschaft zu meiner im Jahre 1998 erbauten Reparaturgrube (ich lege bei ihr besonderen Wert darauf, dass ich darin trotz meiner Körpergröße vernünftig stehen kann!). Manchmal muss man sich halt mit Vorhandenem zufrieden geben. Aber eigentlich ist das ja eine ganz andere Geschichte.


Der fast 50 Jahre alte Sizilianer begeistert auch aus der Sicht aus der Grube durch erstaunlich wenig Rost

Wie ja im zweiten Statusreport bereits erwähnt, gibt es an dem fast 50-jährigen VW eine kleine Durchrostung an der hinteren rechten Endspitze - beachtlicherweise die einzige Durchrostung an diesem Fahrzeug! Dieser kleine Ecke rücke ich mit Blechschere und Schweißgerät auf die Pelle. Vorher schneide ich großzügig das rostige Blech heraus. Als Nächstes fertige ich passende Ersatzbleche. Dann plane ich, in welcher Reihenfolge die Bleche eingeschweißt werden, teste ein letztes Mal ihre Passung und schließlich tritt das Schweißgerät in Aktion. Zu guter Letzt wird die Schweißreparatur mit der Flexscheibe entgratet und geglättet - fertig.

Mit OWATROL wird die Umgebung der Reparaturstelle gegen erneutes Rosten geschützt. Eine Woche später dichte ich die Schweißnähte mit Karosseriedichtmasse von innen und außen ab. Hier, im nicht sichtbaren Bereich des Radhauses, schließt eine Pinsellackierung mit HAMMERITE "GLÄNZEND SILBER" diese Reparatur ab.


Vorher...

... geschweißt...

... abgedichtet und lackiert

Doch das Schweißgerät findet noch keine Ruhe. Dieses Mal ist die lange Delle im Seitenschweller unter der Beifahrertür dran. Hier ist der Vorbesitzer wohl mal während der Fahrt in einer Länge von gut einem Meter an irgendetwas hängen geblieben und hat das Schwellerblech dabei stellenweise bis zu zwei Zentimeter tief eingedrückt. Diese Beschädigung möchte ich gern beseitigen.

Normalerweise benötigt der Karosserieprofi für solch eine Reparatur einen sogenannten Gleithammer. Eine dünne Stange wird zunächst in der Tiefe der Schramme oder Delle festgeschweißt. Der Gleithammer, ein Gewicht, dass nun auf dieser Stange ruckartig nach hinten an einen Anschlag gezogen wird, sorgt so für den nötigen Schwung um die Delle herauszuziehen.

Ich habe ein bisschen im Internet nach einem solchen Werkzeug gesucht. Allerdings habe ich festgestellt, dass diese Dinger recht teuer sind. Zu selten käme es bei mir zum Einsatz - daher lohnt sich die Anschaffung nicht. Also habe ich mir selbst ein Werkzeug ausgedacht und gebaut.


Mein Eigenbau-Werkzeug zum Herausziehen der Schramme

Meine Art, die Schramme herauszuziehen

Zunächst wird eine Gewindestange in der Tiefe der Delle festgeschweißt. Dann wird die Stange durch ein passendes Loch in einem längs über der Schramme verlaufenden stabilen Rechteckprofil geführt, das sich links und rechts mithilfe zweier kurzer angeschweißter Rechteckprofile am Blech abstützt. Nun wird durch eine passende Mutter die Gewindestange angezogen - dadurch wird das Blech behutsam herausgezogen. So gleiche ich Schritt für Schritt die komplette Schramme entlang das Blech wieder auf seine normale Höhe an.

Die Feinarbeit muss abschließend noch durch Spachteln und Schleifen erledigt werden - ich habe jedoch zum Schutz vorerst nur Zinkspray aufgetragen. Damit ist die Liste der Schweißarbeiten an diesem Auto bereits beendet. Das ging alles einfacher, als ich befürchtet hatte.


Position der Schramme

So sieht sie aus

Bis auf's Blech abgeschliffen

Werkzeug inklusive Gewindestange ausrichten...

... Gewindestange anschweißen...

... mit der Schraube die aufgeschweißte Gewindestange herausdrehen

Wiederholung des Vorgangs über die gesammte Länge der Schramme

Alle Gewindestangen entfernen

(Später) spachteln, schleifen, lackieren
FAZIT: MIT MEINEM ERFUNDENEN WERKZEUG HAT DAS SUPER GEKLAPPT - ich bin begeistert!


Wenn ich nun schon so gut unter den Wagen komme, kümmere ich mich doch auch gleich mal um die vorderen Bremsen. Das zumindest dachte ich mir, als ich mich an den Ausbau der beiden Bremssättel machte.

Wie immer ist speziell das Hantieren an diesen Bauteilen eine große Sauerei. Gerade der Sizilianer ist im gesamten Motorbereich extrem dreckig. Nachdem die Bremssättel ausgebaut waren, wurde dann auch klar, warum sich der
K 70 so schwer schieben ließ: die Sättel waren nach der langen Standzeit von immerhin ja 25 Jahren vollkommen vergammelt. Die Gummimanschetten schienen durch große Hitze (... wahrscheinlich oft den Ätna runter gefahren) vollkommen deformiert und verbacken und die Bremskolben rosteten in ihren Zylindern vor sich hin. Glücklicherweise gibt es ja ein Reparaturset für solche Fälle.

Nachdem alles zerlegt, intensivst gesäubert und entrostet war, fügte ich alles wieder zusammen. Nun kann es wieder eingebaut werden. Über die Inbetriebnahme und Befüllung (mit Bremsflüssigkeit) der Bremsanlage werde ich sicherlich noch berichten. Natürlich werden auch die Bremsen an der Hinterachse revidiert.


Dreckiger Job: Bremssättel ausbauen

Komplett demontiert

Entrosten und säubern

Aus den rot markierten Teilen besteht der Reparatursatz


Zur Zeit kümmere ich mich um den Zustand des Unterbodens. Dabei fällt mir auf, dass mit dem Auto wohl definitiv nicht zimperlich umgegangen wurde. Zahlreiche Beschädigungen (massive Beulen, lange Schrammen, unbehandelte Abschürfungen) erzählen von häufigem Aufsetzen, Grundberührungen und brutalem Umgang mit Bordsteinen oder Absätzen. Die hinterste Quertraverse (unterm Kofferraum) ist zum Beispiel verbeult wie 'ne alte Ritterrüstung.


Die heftig verdengelte Quertraverse lässt auf raue sizilianische Sitten im Umgang mit dem Auto schließen

Der Anblick des Fahrzeugs von unten erklärt somit auch die inzwischen herausgezogene lange Schramme im Seitenschweller unter der Beifahrertür und die gestauchte Kotflügelecke vorne links. Dottore Fisichella hat es wohl im sizilianischen Straßenverkehr auch mal ordentlich krachen lassen.

Aber gut - ich repariere alles, so gut es mir möglich ist und die Beschädigungen im sichtbaren Bereich werden später professionell versorgt.








Noch zu lackierende Flächen

Als Nächstes ist der Motor dran. Er blockiert ja beim Drehen von Hand (30er Ringschlüssel auf Kurbelwellenmutter). Nun gilt es herauszufinden, woran genau das liegt. Wir werden sehen!


Blick von unten zum Motor... na ja - man sieht eigentlich hauptsächlich nur die Ölwanne

>>
Vierter Statusreport<<

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen