Samstag, 20. Mai 2023

Kleiner Urlaub vor dem Pfingsttreffen

Mal abgesehen davon, dass wir zwei Wochen Urlaub für einen Trip nach Österreich eingeplant haben, ist die Reise bereits am ersten Tag autotechnisch beinahe an die Wand gefahren. Nachdem die Autobahn durch einen technischen Defekt an unserem REDSTAR auf gut einhundert Metern von uns mit einem frischen schwarzen Belag ausgestattet worden war (Ironie off - die kompletten vier Liter der Motorölfüllung waren innerhalb einer Millisekunde durch das herausgerissene Gewinde des Öldruckschalters aus dem Motor entfleucht!) und unser zufällig gerade in der Nähe (60 Kilometer) ansässiger Freund Manfred Heil in seinem Betrieb unser Problem innerhalb sehr kurzer Zeit behoben hat, folgen wir am nächsten Morgen wieder dem Ziel Willersbach/Donau, also Richtung Süden.

Bei unseren Freunden Franziska und Konrad kommen wir ohne weitere Verzögerungen oder Probleme abends an.

Blöd nur, dass es nahezu zeitgleich anfängt in Strömen zu regnen. Non Stop - die ganze Nacht durch! Laut Franzi und Konrad ist das seit fast zwei Wochen Dauerzustand in Niederösterreich.

Der nächste Morgen: unser Plan ist es nun, ein wenig in Österreich herumzureisen. Nach einem gemütlichen Frühstück in einer Bäckerei fahren wir in südöstlicher Richtung.
Nach einigen Kilometern wechseln wir nach Oberösterreich, vorbei am Örtscher, Mariazell, Rotmoos, Wechselboden, entlang der Salza, Göstling an der Ybbs, bei Mendling in die Steiermark, Palfau, Eisenerz, Trofaiach, Leoben,dann durch den Extra-Maut-pflichtigen Gleinalmtunnel über die Pyhrn Autobahn nach Graz.
Diese Stadt haben wir uns ehrlicherweise etwas hübscher vorgestellt - wobei wir eh ausgesprochene Landeier sind und mit Stadt wenig anfangen können.

Ich nutze dieses Anlass maximal, um den REDSTAR vor dem Tor des Firmengeländes von (heute) Magna International, (damals Steyr Daimler Puch AG) zu fotografieren - ein netter Wachmann kommt gleich äußerst pflichtbewusst vor den Eingang und krajohlt wegen dem - AUF (nicht davor!) dem Firmengelände geltenden Fotografierverbot! - herum... da habe ich mein Bild allerdings längst "im Kasten".

... hier begann die Reise des REDSTAR vor über dreißig Jahren

Und es fängt wieder an zu regnen. Wir beschließen, Graz den Rücken zu kehren und uns in Kärnten, in der Nähe des Wörthersees, einen Wohnmobilstellplatz zu suchen. Per Autobahn legen wir die zu fahrenden 150 Kilometer zurück.

Die erste Stelle hat keinen Stellplatz mehr für uns... ist allerdings auch ziemlich... sagen wir... chaotisch und unorganisiert. Um jetzt nicht überall und nirgends zu suchen, rufen wir eine nächste mögliche Stellplatzanbieterin an - die Dame verspricht uns, dass sie noch über genügend Platz verfügt und dass es ein toller Platz mit Blick von oben auf den Wörthersee ist.

Wenig später parken wir vor dem alten "Gasthaus Lindenhof" in Velden und haben tatsächlich ein tolles Panorama des Sees und der Alpen vor uns. Die gegenüberliegenden Bergmassive Kahlkogel, Rosenkogel, Frauenkogel, Bärenkogel, Mittagskogel, Schwarzkogel, Mallestiger Mittagskogel und Techantinger Mittagskogel haben alle eine Höhe von knapp 2.000 Meter und gehören zu den Karawanken. Auf ihrer abgelegenen Seite beginnt bereits Slowenien.

Hier spannen wir zunächst zwei Tage aus... kommen ein wenig herunter. Am Vatertag - den ich noch nie "gefeiert" habe - scheint sogar ein wenig die Sonne. Es ist herrlich ruhig hier oben.

Am nächsten Tag ziehen wir nur wenige Kilometer weiter an den Faaker See. Dort errichten wir sogar unser Vorzelt auf dem "Wiesencamping Melcher-Marhof" in Drobollach. Hier gibt es, im Gegensatz zum Lindenhof in Velden, kostenlose Duschen und frei zugängliche Toiletten.

... unten rechts, da wo das weiße Kreuz aufgeklebt ist,
befindet sich der "Wiesencamping Melcher-Marhof"

Der Wörthersee

Zunächst mal eine uralte Geschichte - die Sage - wie der Wörthersee überhaupt entstanden sein soll:

es wird von einer Stadt mit prächtigen Häusern erzählt, die vor vielen hundert Jahren dort bestanden haben soll, wo heute der Wörthersee liegt. Ihre Bewohner waren durch ihren Reichtum übermütig und üppig geworden, und so kam es, dass sie sich einst am Vorabend des Osterfestes zu Tanz und Gelage versammelten. Glockengeläute zeigte die späte Stunde an, doch niemand kümmerte sich darum.

Da öffnete sich die Türe des Festsaales und ein kleines eisgraues Männchen schritt herein und blickte verwundert auf die lärmende Gesellschaft. Grollend erhob es seine Stimme: „Oh, ihr Schwelger, wisst ihr nicht, welche Feier wir morgen begehen? Kehret heim, ehe die Stunde der Buße verrinnt und die Strafe euch erreicht!“ Aber nur höhnisches Lachen antwortete ihm, und nur noch wilder wirbelten die Paare im Tanz. Wenige Minuten vor Mitternacht betrat der Alte zum zweiten Mal den Saal, aus dem das wüste Geschrei der Trunkenen tönte. In seinem Arm hielt er ein Fässchen. Noch einmal mahnte er zu Umkehr und Buße: „Sonst öffne ich den Hahn des Fässchens, und Tod und Verderben kommt über euch!“ Wieder antwortet ihm nur rohes Gelächter.

Da schlug es Mitternacht, alle Lichter erloschen, die Mauern erzitterten, Regen stürzte hernieder und ein furchtbares Gewitter brach los. Mit offenem Hahn lag das Fässchen des verschwundenen Warners, endlose Fluten entströmten ihm. Sie drangen in alle Räume und strömten fort, bis sie die ganze Stadt und die ganze Gegend überschwemmt und ihre frevelnden Bewohner ertränkt hatten.

So entstand der Wörthersee. Städte, Kirchen und Dörfer liegen in seiner unergründlichen Tiefe begraben, riesige Fische und Wasserschlangen hausen in den alten Palästen. Wenn die Fischer an stillen Sommerabenden an der Schwarzen Wand vorüberfahren, kann es geschehen, dass sie ein Klingen und Läuten vernehmen, das aus der Tiefe des Sees zu kommen scheint.


Was verbindet man nun als heutiger Mensch mit diesem an sich hübsch gelegenen, mit fast 20 km² größten See Kärntens?

Von 1982 bis 2023 trafen sich alljährlich Automobilfreunde zur „Wörtherseetour“ oder auch „Auto News Wörthersee“ genannt, rund um den Wörthersee. Ursprünglich hieß die Veranstaltung „GTI-Treffen“, was die geläufigere Bezeichnung war. Im Februar 2023 wurde bekannt, dass diese Veranstaltung, die wegen der Corona-Krise 2019 zum letzten Mal ausgerichtet wurde und aufgrund der zunehmend negativen Wahrnehmung des GTI-Treffens, die Veranstaltung ab 2023 beendet. Als Grund nannte die zuständige 800-Seelen-Gemeinde Reifnitz, sie strebe vor dem Hintergrund des Klimawandels mehr Nachhaltigkeit an.

Das GTI-Treffen war eines der weltweit größten Volkswagen-Treffen. Die Veranstaltung hatte zeitweise bis zu 200.000 Besucher. Der VW-Konzern trat dabei als offizieller Sponsor auf. Für die Region stellte das GTI-Treffen einen gewichtigen Faktor im Fremdenverkehr dar. Es entwickelte im Laufe der Jahre eine starke Eigendynamik und einen ausgeprägten Volksfest-Charakter.

Das GTI-Treffen wurde 1982 von Erwin Neuwirth mit unter 100 Teilnehmern ins Leben gerufen. Neuwirth unterhielt damals einen gastronomischen Betrieb in Reifnitz und hatte mit seiner Initiative vor allem die Belebung der touristischen Vorsaison im Auge. Veranstalter war die Gemeinde Reifnitz/Maria Wörth, damals unter Führung des Bürgermeisters Nikolaus Lanner. 1983 konnte der Automobilkonstrukteur Ernst Fiala als Redner gewonnen werden. Es folgten weitere bekannte Persönlichkeiten, so beispielsweise 1985 Niki Lauda.

Herr, ich rief die Geister - jetzt werde ich sie nicht wieder los!

Die Veranstaltung wuchs schnell über das für die kleine Gemeinde Reifnitz tragbare Maß hinaus. Anfang der 90er Jahre kam es zu diversen Ausschreitungen insbesondere jugendlicher GTI-Fans. Die Folge waren vor allem Sachbeschädigungen. Politik und Wirtschaft, aber auch das Volkswagenwerk, das das GTI-Treffen zunächst stark unterstützt hatte, befürchteten Imageverluste. In der Folge wurde das Treffen drei Mal abgesagt. Die GTI-Freunde kamen aber trotzdem und feierten jetzt besonders ausgelassen. 1996 besann man sich – regelrecht zwangsläufig – einer anderen Strategie und veranstaltete von nun an wieder das offizielle GTI-Treffen. Diverse Versuche über die Jahrzehnte, die Lage immer wieder neu zu beruhigen, indem die Veranstaltung zuerst in Saisoneröffnung, dann in Auto News (aktuelle offizielle Bezeichnung) umbenannt wurde, scheiterten. Im Volksmund blieb es beim GTI-Treffen.

Gehörte es anfangs ausschließlich zum guten Ton, im Golf GTI die Veranstaltung zu besuchen, änderte sich dies über die Jahre: Das Volksfest entwickelte sich zum regelrechten Volkswagen-Fest. Tuning- und Oldtimer-Fans fanden sich mit nahezu allen Fahrzeugtypen in Reifnitz ein, die jemals unter Konzernflagge produziert worden waren.

Diese Entwicklung veranlasste auch den Volkswagen-Konzern, sich ab 2006 wieder zu engagieren. 2006 nahmen auch Ferdinand Piëch und Martin Winterkorn das erste Mal teil. Von nun an wurde jedes Jahr ein Millionen-Budget für den Aufbau einer gewaltigen Veranstaltungsbühne und für Ausstellungsflächen bereitgestellt. Hier wurden musikalische Highlights und aktuelle Kfz-Modelle präsentiert. 2008 spielten z. B. "Die fantastischen Vier" live in Reifnitz, 2009 "DJ Ötzi", 2010 trat "Peter Maffay" auf. 2009 erwarb Volkswagen, um Platz für die Aussteller und deren Equipment zu schaffen, kurzerhand das Hotel Marietta und ließ es abreißen; 2011 installierte VW eine schwimmende Insel mit Restaurant im See, die zudem als Präsentationsfläche für den neuen Beetle diente.

Für viele der Fans war jedoch weniger der offizielle Teil der Veranstaltung interessant. Sie fuhren bereits zwei Wochen vor der Event-Eröffnung zum Wörthersee und Faaker See und feiern unter ihresgleichen, sodass der Fremdenverkehr bis zu 21 Tage vom Ansturm der Fans profitierte. Ein zweites Mal trafen sich Fans im September am Faaker See und Wörthersee zum Saisonabschluss der jährlichen Autotreffen.

Auch wenn das Treffen seinen festen Platz im Tourismusgeschehen der Region hatte, war es umstritten. Die Veranstaltung brachte die Region Wörthersee stark an ihre logistischen Grenzen. Das lag zum einen an den geografischen Gegebenheiten: Es gibt nur drei Straßen, die in den Ort am See führen, die Zugangs- bzw. Ausfahrtsstraße ist erschwerend direkt am Ufer gelegen. Das hatte zur Folge, dass – gemessen an den Gesamtbesucherzahlen – nur eine begrenzte Anzahl an Autos in den Ort hineinfahren konnte. Später wurde diese auf 5.000 Stück pro Veranstaltung begrenzt. Limitiert wurde über Tickets (inkludiert war ein Gastgeschenk: zum 30-jährigen Jubiläum erhielten die Fans 2011 ein Buch zur Geschichte des GTI-Treffens, geschrieben vom Journalisten Helmut Horn, mit einem Vorwort von Ferdinand Piëch), die im Vorfeld gekauft und an den drei Straßensperren vorgezeigt werden müssen. Besucher zu Fuß durften in unbegrenzter Zahl die Veranstaltung besuchen, wurden aber bereits seit einigen Jahren auch zur Kasse gebeten.

Zum anderen brachten die zwischen 150.000 und 200.000 feiernden Besucher Lärm und Müllberge mit sich. Jede Nacht wurde die Stadtreinigung aktiv und leistete umfangreiche Aufräumarbeiten, was einen hohen logistischen und organisatorischen Aufwand bedeutete.

Bereits Wochen vor, aber auch nach der Veranstaltung, wurden Anwohner und Kurgäste durch Lärm und Unruhe beim Auf- und Abbau der Bühne und Ausstellungsflächen gestört.

Kritiker aus Reifnitz und den angrenzenden Gemeinden befürchteten, dass Kurgäste und Touristen durch diese Geschehnisse dauerhaft fernbleiben, die der Umgebung und der Erholung wegen den Wörthersee besuchen.

Die Volksanwaltschaft kritisierte in einer Stellungnahme im November 2016 die unzumutbaren Belastungen der Einheimischen und der abseits vom GTI-Treffen aufhältigen Gäste auch durch die Vor- und Nachtreffen, welche die Veranstaltung auf eine Gesamtdauer von bis zu fünf Wochen strecken, zahlreiche Übertretungen der STVO (Räder durchdrehen lassen, Autorennen, unzulässiger Motor- und Auspufflärm, mutwillige, „ohrenbetäubende“ Fehlzündungen), sowie unzureichendes Eingreifen von Polizei und Ordnungskräften. Die Volksanwaltschaft wies die Begründung der Kärntener Landespolizeidirektion, wegen Personalmangels nicht alle Anzeigen verfolgen zu können, zurück, und bestand auf das Einhalten der gesetzlichen Bestimmungen.

Der Vorwurf, sich nicht an Gesetze und Verordnungen zu halten, wurde anlässlich des eigentlich offiziell abgesagten Treffens im Mai 2022 dadurch untermauert, dass sich dennoch 5.000 Fahrzeuge einfanden, worauf die Polizei 3.700 Anzeigen aufnahm und 400 Kennzeichen entwertete.

Wiederholt sich die Geschichte?

Die Sage erzählt ja von einem überbordenden Gelage. Lässt sich dieses mit dem GTI-Treffen vergleichen?

Generalverdacht

Aber ohne uns über diese Vergangenheit bewusst zu sein, fahren wir zufälligerweise ausgerechnet in der Zeit des Vatertags am Wörthersee herum. Schon bei der Anreise fällt uns hier die massive Präsenz der Polizei auf. Vielerorts werden die trotz der Treffen-Absage angereisten Tuningfreunde in Scharen von der Polizei gestoppt. Auch uns hält man an, lässt sich die Papiere zeigen und fragt, ob an unserem REDSTAR Umbauten, Tieferlegungen etc. vorgenommen wurden. Da unser Fahrzeug natürlich in unverbasteltem Originalzustand ist (speziell darauf bestehe ich!), dürfen wir unsere Fahrt fortsetzen.

Der Pyramdienkogel

Grundsätzlich mache ich eigentlich einen großen Bogen um touristische Hochburgen. Wenn wir jedoch sowieso grad hier sind, besuchen wir ein paar sehenswerte Attraktionen. Da wäre zunächst der 2013 erbaute Aussichtsturm Pyramidenkogel in Keutschach am See. Von Süden, vom Ufer des Keutschacher Sees, fährt man den Pyramidenkogel (851m über dem Meeresspiegel) empor. Dort oben ist, wie nicht anders zu erwarten war, Tourigetummel. Glücklicherweise findet sich für unseren REDSTAR gerade noch ein einziger Parkplatz.

Der Turm ist ein architektonisches Meisterwerk... wenn man den Angaben auf den Schildern davor Glauben schenken darf.


Für die beiden rechten Darstellungen:
Um mehr zu erfahren, einfach auf das jeweilige Bild klicken, auf das dann erscheinende Bild mit rechtem Mausklick und "Bild in neuem

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In einem Tourigedönsladen zahlen wir pro Person 16,- EUR Eintritt. Darin enthalten ist allerdings ein Fahrstuhl, der uns 70,56m höher auf die Besuchsplattform bringt. Hier oben weht zwar ein ordentlicher Wind, aber die Aussicht ist prima! Man kann von dort oben den kompletten Wörthersee und die Karawanken sehen. Es fliegen ein Privatflugzeug und ein Polizeihubschrauber (auf der Suche nach getunten Luftfahrzeugen?) um den Turm. In östlicher Richtung erkennt man Klagenfurt, in westlicher Richtung Velden.


Es geht um den Turm auf dem Bergda in der Mitte 

Maria Wörth

Klagenfurt

Gegenüber: Pörtschach

Unterdellach

Velden: in der Mitte das Schloß am Wörthersee,
eigentlich "Schloßhotel Falkensteiner"
 

Die schmale Insel wird Schlangeninsel genannt

Von hier oben sieht die Welt um den Wörthersee ganz beschaulich aus. Genau beobachtet fallen viele prachtvolle Villen auf... an der Sage zur Entstehung des Wörthersees scheint wirklich etwas dran zu sein.


Unser REDSTAR vorm "Schloß am Wörthersee"...

... bekannt aus der gleichnamigen RTL-Serie

Ach übrigens: gerade lese ich in einer Onlinezeitung, dass sich zwar die Gemeinde Reifnitz vom GTI-Treffen verabschiedet hat, aber die Nachbargemeinde Keutschach (keine zwei Kilometer entfernt) hat jetzt verstärktes Interesse an einer Fortführung des Treffens bekundet.

Hoch hinaus! Der Berg ruft!

Wir entscheiden uns, nach zwei schönen Tagen auf dem Wiesencamping Melcher-Marhof, weiter durch Österreich zu reisen. Dieses Mal wollen wir Kärnten über die gut 150 Kilometer entfernte Großglockner-Hochalpenstraße verlassen und so ins Salzburger Land wechseln. Bereits vor 38 Jahren hatte ich mit einem VW Bulli über diese 47,8 Kilometer lange und 2.504 m hohe hochalpinen Bergstraße mit ihren extrem vielen und engen Serpentinen den Alpenhauptkamm überquert.

Es dürfte um 1985 gewesen sein... ich war mit dem T2b auf der "Kaiser-Franz-Josef-Höhe"

Der Weg über das Hochtor, entlang des höchsten Gipfels Österreich, dem 3.798 Meter hohen Großglockner, ist eine alte Römerstraße, die schon in der Hallstattzeit laut vorkeltischen Funden benutzt wurde.

Seit Beginn des Automobilbaus fahren hier Automobilhersteller Bremsentests. Erkennbar sind diese an sich rasch wiederholenden Auf- und Abfahrten mit einem Kfz, ohne dabei die Mautkassa zu passieren, mitunter an Messaufzeichnungsgeräten im Wagen, an einem nachgeschleppten Messrad und am Geruch von hoch erhitztem Bremsbelag.


Aufi geht`s

Wen man am Berg so alles trifft...

Von da unten kamen wir herauf
Bei meinen immer wiederkehrenden Fotostopps fallen die bergauf- bergab fahrenden privaten Sportwagen auf. Hier sind Porsche, Ferrari, Lamborghini, Bugatti - halt alles mit Rang und Namen - mit eindrucksvollen Geschwindigkeiten und viel Getöse auf der Strecke.

Diese müssen sie sich allerdings auch mit vielen Motorradfahrern und sogar Radfahrern teilen (... wie kommt man auf die Idee, solch eine Straße mit vielfach 12% Steigung/Gefälle bei regem und schnellen KFZ-Verkehr freiwillig mit einem BIO-BIKE zu befahren?). Der Sound der Boliden & Bikes hier oben ist natürlich mit der Geräuschkulisse vom Wörthersee ziemlich verwandt. So einfach können wir die Welt der lauten Motorshow offensichtlich doch nicht einfach abschütteln.

Das Farbenspiel ist überwältigend, oder?

Rot, weiß und blau harmonieren perfekt
Als alle Fahrzeuge plötzlich zwischen den fast fünf Meter hohen Schneewänden stehen bleiben müssen, wird es dann doch für ein paar Minuten still. Damit der Verkehr und die Straße nicht gefährdet werden, treten einige 100 Meter weiter oben am Hang Bergwacht-Spezialisten absichtlich Lawinen los und lassen sie so kontrolliert abgleiten.

Danach kann die wilde Fahrt fortgesetzt werden. Aus Lawinengründen wird in unserem Fall auch die Zufahrt zur "Kaiser-Franz-Josef-Höhe" gesperrt - dort wären wir dem Großglockner am nächsten gewesen.

Im Winter sind die Straßenränder bis zu fünf Meter hoch

Etwa in der Bildmitte sind die Bergwacht-Spezialisten dabei, absichtlich Lawinen loszutreten

Die höchste Stelle liegt bei 2.504 Metern

Ich habe meinen Fahrschülern schon häufig erzählt, dass auf dieser Großglockner-Hochalpenstraße noch nicht serienreife Testfahrzeuge, sogenannte Erlkönige, unterwegs sind. Die Testfahrer unterziehen deren Bremsen extremen Belastungstests. Ich habe hier schon Fahrzeuge mit glühenden Bremsscheiben gesehen.

Am Ende des Tages checken wir auf dem Campingplatz "Neunbrunnen" in Mitterhofen, ein paar Kilometer nördlich von Zell am See, ein. Wir finden unseren Platz direkt oberhalb eines kleinen Sees mit klarem Wasser, ein paar fetten Kois und einigen ebenso fetten Graskarpfen. Das Hotel und Restaurant direkt nebenan dient uns zwei Mal zum leckeren Speisen.


Im Gegensatz zum Wörthersee ein Ort der Ruhe: Campingplatz "Neunbrunnen" in Mitterhofen

Graskarpfen

Koi

Zwei Tage später nehmen wir dann die letzte Etappe, die uns wieder zurück nach Persenbeug bringt, unter die Räder. Dort treffen ab Samstag die K 70-Enthusiasten zum diesjährigen Pfingsttreffen zusammen.

Zum Glück klingen die K 70-Motoren so ganz anders als die GTIs vom Wörthersee und die Boliden vom Großglockner, sodass wir dieses Thema dann doch in den Alpen lassen können.

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