06 Dezember 2020

Quintessenz 2020

Im Jahr des Coronavirus denke ich sehr viel nach. Natürlich beängstigt auch mich die Entwicklung dieser Pandemie. Leider kenne aber auch ich kein Patentrezept, mit der Bedrohung umzugehen.

Tiefer in dieses Thema eintauchend, stelle ich fest, wie fragil unser ganzes Lebenssystem doch ist. Schon im Frühjahr, zu Beginn des ersten Lockdowns, kam es mir so vor, als ob die Welt(?), die Natur(?), das Schicksal(?), das Karma(?)... wer auch immer... uns Menschen mit dieser Katastrophe ein Notsignal senden will.

Mal davon ausgehend, dass dem vielleicht tatsächlich so ist - was genau können wir tun, um dieses Notsignal richtig zu deuten? Haben wir Möglichkeiten, durch eine Änderung unseres Verhaltens die Zukunft zu verbessern?



Grafik A. Kernke

Um eine besssere Zukunft ging es mir auch bereits vor Jahrzehnten als aktives Mitglied eines Vereins für den Schutz bedrohter Tiere und Pflanzen. Aus voller Überzeugung wählte ich damals - bei der Bundestagswahl 1983 - tatsächlich die Partei der Anti-Atomkraft- und Umweltbewegung, "Die Grünen". Meine Fachhochschulreife im Fachbereich Garten- und Landschaftsbau entsprang ebenfalls dem Wunsch, an einer besseren Zukunft mitzuwirken. 

Viel später: auch die 13 kWp-Solaranlage auf dem Dach unseres Niedrigenergiehauses und der Garage basiert natürlich auf dem Gedanken einer umweltfreundlichen Energiegewinnung. Selbst unsere Bienenzucht zielt allein auf eine lebenswerte Zukunft dieser seit Jahren vom Aussterben bedrohten Tierart - nicht auf den Ertrag von Honig!

Das alles sind nur ein paar der sichtbarsten Versuche, die Lebenszyklusanalyse unserer ganz persönlichen irdischen Existenz wenigstens ein bisschen zu verbessern.




Vermutlich sind diese Bemühungen für das große Ganze konträr genau so effizient, wie ein Tropfen Öl ca. 600-1000 Liter Wasser ungenießbar macht. Genau DAS kann für uns jedoch kein Grund sein, sie nicht trotzdem zu verwirklichen.

Das Natur- und Umweltbewusstsein hat sich glücklicherweise zwar weltweit etabliert. Doch es stellt ein Spannungsfeld dar. Beispielsweise mit der Klimaschutzaktivisitin Greta Thunberg macht auch die Jugend der Welt auf ihre berechtigten Ansprüche aufmerksam. Ich kenne Viele, die Greta und ihre Anhänger förmlich hassen und ihr Wirken bagatellisieren. Diese Verhaltensmuster sind auch im Umgang mit Greenpeace, der Naturschutzorganisation WWF, dem BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland, NABU, Robin Wood, PETA, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald u.v.m. bekannt. Ernsthaft über den Widerstand gegen diese Organisationen nachgedacht, sollte man jedoch recht bald erkennen, dass er absolut töricht ist, denn er kommt einer aktiven Unterstützung der menschlichen Selbstzerstörung gleich.



Foto: Internet

Wäre da nicht dieses unendliche Schwadronieren, leider ein Phänomen dieser Zeit. Jeder muss seine Meinung zu irgendwelchen Themen zum Besten geben. Über alle erdenklichen Medien ergießt sich eine tägliche Flutwelle von ungefragt geäußerten Gesinnungen. Und dabei geht es selten fair und ehrlich zu.


Abbildung: Internet

Zurück zu meiner Person. Okay - ich schraube an alten Autos herum... manchmal fahre ich sie auch. Klar, die alten Fahrzeuge fahren mit alter Technik, also auch historischen Abgaswerten. Nach Untersuchungen des DEUVET sind die Schadstoffe der Fahrzeugkategorie Oldtimer jedoch vernachlässigbar, weil die jährlich gefahrenen Kilometer kaum ins Gewicht fallen.

Das Thema Nachhaltigkeit (je länger ein Fahrzeug fährt, desto besser die CO2-Bilanz) muss nicht gesondert erörtert werden.

Hätte ich diesen Altauto-Tick nicht, würde ich heute ziemlich sicher ein Fahrzeug mit Elektroantrieb fahren. Unsere Photovoltaik-Anlage auf dem Dach würde eine solche Entscheidung plausibel machen. Dass Strom leider immernoch in Atom- oder Kohlekraftwerken produziert wird, ist momentan allerdings die dunkle Seite der eMobilität. Das bis vor Kurzem noch laute Hater-Geheule bezüglich der Batterieherstellung durch Kinder in armen Ländern, kann inzwischen wegen neuer Akku-Generationen verstummen.



Foto: Internet

Eine andere Entwicklung nervt viel mehr. Statt sich auf die Entwicklung künftiger alternativer Antriebe zu konzentrieren, schmeisst die Autoindustrie weiterhin bevorzugt Modelle auf den Markt, die leistungsmäßig vollkommen überkandidelt und natürlich hauptsächlich mit Verbrennermotoren ausgestattet sind. Je schlechter es der Umwelt geht, desto Abstruseres bietet die Industrie an. Und leider wird sie diesen Wahnsinn für viel Geld auch los.

Thema Verkehr: auf deutschen Autobahnen sollte es meines Erachtens ein Limit von 130 km/h geben. Auch da gibt es wieder unglaublich kontroverse und emotionale Diskusionen. Freiheit hin, Motorleistung her - ein generelles Tempolimit von 130 km/h spart 1,9 Mio. Tonnen CO₂ im Jahr. Das macht eigentlich jede weitere Diskussionen überflüssig.

Gedankenanstoß: warum müssen eigentlich Waren beispielsweise von Griechenland quer durch Europa nach Finnland mit 40-Tonnern gekarrt werden? Was ist mit der Bahn?

Gedankenanstoß: warum muss eigentlich beispielsweise Joghurt mit dem LKW aus dem Allgäu nach Norddeutschland transportiert werden? Gibt`s im Norden keine Kühe oder Molkereien?

Gedankenanstoß: nach dem Vierte-Potenz-Gesetz richtet ein einziger LKW beim einmaligen Befahren einer Straße so viel Schaden an, wie 15.000 PKW!

(Diese Gedankenanstöße sind nur ein paar wenige von unendlich vielen...)



Foto: Internet

Je intensiver man sich mit solchen Gedanken und Problemen beschäftigt, desto beängstigender ist die Sicht auf die Zukunft!

Ich habe beschlossen, mich zukünftig nicht mehr an jeglichem öffentlichen Gedankenaustausch, Kommentieren, geistigen Ergießen, Schwadronieren zu beteiligen. Das Ergebnis (m)einer eigenständigen Meinungsbildung muss grundsätzlich nicht zwingend nach außen getragen werden. Zumal ich mit meiner Meinung oftmals einen regelrechten Spießrutenlauf verursacht habe - wenn diese nämlich unangenehm und anders (als die der Allgemeinheit) war. 

Schlußendlich ist jedoch auch meine Meinung nur eine Stecknadel im großen Heuhaufen - und fällt somit kaum ins Gewicht. Außerdem ist mir das Ziel einer öffentlichen Meinungsäußerung nicht wirklich klar. Denn eigentlich geht es ja niemanden etwas an, wie und was ich über Dieses oder Jenes denke.

Sicherlich wird meine Zukunft durch diese Änderung nicht einfacher werden... aber ich arbeite aktiv daran, mich zurückzuhalten.

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