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06 August 2015

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 Leises „Servus“ und zugleich „Herzliches Willkommen!“


Aus dem Weltall, zumindest jedoch per Google Earth, ist vor dem Haus im Bรคumerweg 1 in Nordborchen wenigstens ein K 70 auszumachen. Das sollte jedoch wenig verwundern, denn hier residiert niemand Geringeres als Joseph Wasmuth und seine Frau Eva.

Es kรถnnte ein K 70 sein, oder?

Allen aufmerksamen K 70-Club-Mitgliedern ist der Agraringenieur a.D. durch einen witzigen Slogan auf der Heckscheibe seiner K 70 bekannt: "Mit 70 immer noch K 70". Das war vor immerhin inzwischen fast einem Jahrzehnt Joseph`s unverwechselbare Art mit seinem Alter umzugehen. Im Laufe dieser Zeit musste er natรผrlich durch "Mit 77 immer noch K 70" nachlegen. Doch im kommenden Januar wird diese selbst entwickelte Formel leider nicht mehr passen, denn unser K 70-Senior-Schrauber fรผhrt dann eine "8" an ersten Stelle seiner Altersangabe.
Eva & Joseph - zwei wirklich liebe(nde) Menschen
Ich nehme allerdings an, dass der „alte Knabe“, wie er sich selbst nennt, deswegen nicht spontan zum NSU Ro 80-Fahrer wird. Denn er hat sich ganz offensichtlich mit all seiner Leidenschaft fest dem K 70 verschrieben. Immerhin hat er im Laufe der Jahre bereits sieben K 70 selbst restauriert. Bis vor einiger Zeit besaรŸ er sogar noch fรผnf dieser Fahrzeuge - inzwischen sind es nur noch vier.

Texasgelber 73er mit offener Motorhaube

Denn das wohl รคlteste Mitglied des 1. Internationalen K 70-Clubs mรถchte oder muss zukรผnftig etwas kรผrzer treten. Mit fast 80 Jahren haben sich bei Joseph`s Gesundheit kleine Einschrรคnkungen ergeben. Das stundenlange Stehen in der Grube unter einem Auto und vor allem das dann nรถtige Heben der Arme, um von unten an den Wagen zu gelangen und dort etwas zu reparieren, fallen ihm zunehmend schwer.

Wobei ihm diese Arbeiten nach wie vor immer noch groรŸen SpaรŸ bereiten. Und sein Fuhrpark braucht ihn auch noch.

Goldener 71er

Unter einem gerรคumigen Dach neben seiner Werkstatt schlummern nรคmlich automobile Erbstรผcke: ein Wartburg 1000 von 1951 und ein Opel Olympia von 1956 werden fahrbereit gehalten.

Dahinter ruht ein schicker goldener 71er K 70L. In der Werkstatt bewahrt Joseph das Auto seiner Frau Eva auf - ein weiรŸer VW Kรคfer aus dem Jahr 1963 - natรผrlich fahrbereit. Vor der Werkstatt steht ein texasgelber 73er K 70L. 

Wartburg 1000 von 51

Opel Olympia von 56

Eva`s 63er

K 70 in tรผrkismetallic von Ende 72
(rechts daneben C-Klasse zum Verkauf)

Karmann Ghia-Cabrio von 66

73er Sondermodell

Joseph in seiner Kellerwerkstatt

Auf der anderen Seite neben dem Wasmuthschen Wohnhaus parkt ein sonnengelbes 73er K 70-Sondermodell und ein weiรŸes Karmann-Ghia-Cabrio von 1966 in der Garage. Davor ein tรผrkis-metallic-farbener spรคter 72er K 70L. Eine graphit-metallic-farbene C-Klasse von Mercedes sucht einen neuen Besitzer. Als Alltagsauto dient dem Ehepaar ein silberner VW Caddy Maxi.

Joseph fรผhrt mich in seinen Keller. Es ist sehr beeindruckend: hier arbeitet er Lichtmaschinen, Wasserpumpen, Anlasser, Getriebe, Motoren, etc. (zumeist fรผr seine K 70) auf. Viele seiner Ausfรผhrungen hat er sich schon vor etlichen Jahren abgeschaut, selbst angeeignet oder sogar selbst erdacht. Trotz (oder gerade wegen) seiner autodidaktischen Fรคhigkeiten ist er stets fรผr fachmรคnnische Einflรผsse dankbar.

An diesem Ort muss jedem Betrachter klar werden, dass seine K 70-Sammlung Joseph`s Lebenswerk ist.


Eine Etage รผber dieser Wirkungsstรคtte bereitet Joseph`s Frau Eva, sie war frรผher mal Lehrerin, eine gemรผtliche Kaffeetafel im Wohnzimmer vor. "LaรŸ uns mal rauf gehen einen Kaffee schlรผrfen", schlรคgt Joseph vor. Als wir die gute Stube betreten, lernen wir auch gleich die jรผngste Generation der Wasmuths kennen - Enkelsohn Alexander Georg ist gerade mal drei Monate alt.  Deshalb ahnt er sicherlich noch nicht, dass er vielleicht irgendwann mal die Autosammlung seines Opas erben wird.


New Generation


Nach dem Kaffee und einer angeregten Unterhaltung schreiten wir zum eigentlichen Anlass unseres Besuches: mein Sohn Marcel mรถchte nรคmlich den vor dem Haus stehenden texasgelben K 70 kรคuflich erwerben. Wir begutachten das 75-PS-Fahrzeug, Hauben und Deckel werden geรถffnet, Reparaturstellen erรถrtert, auf Fehler und Defekte hingewiesen. 

Zum Schluss werden wir uns auch รผber einen fairen Preis einig, den kรถnnen wir zunรคchst mal anzahlen. Und sogar einen Motor samt Getriebe gibt es noch dazu. Wir dรผrfen den Wagen sogar gleich mit dem roten Kennzeichen รผberfรผhren.

Zum Abschied mรถchte ich ein Foto von Eva und Joseph vor dem verkauften K 70 machen. Doch statt sich dekorativ vor dem Wagen aufzustellen, steckt sich Joseph eine Zigarette an. "Nicht mit Zigarette!", schimpft Eva. "Ach was - die verstecke ich auf dem Foto", wehrt er ab. Typisch Joseph - Eva lรคchelt milde. Auf dem Foto ist keine Fluppe zu sehen.

Als wir zur Heimfahrt aufbrechen, sehe ich im Rรผckspiegel, wie Joseph doch sehr wehmรผtig ein letztes Mal seinem texasgelben K 70 hinterher schaut. Abschied ist ein bisschen wie Sterben. Nun besitzt er nur noch drei K 70. Doch er kann sicher sein, dass sein Texasgelber in den Hรคnden von Marcel artgerecht gehalten, gepflegt und geliebt wird.


Am nรคchsten Wochenende bringen wir noch das Kennzeichen zurรผck, bezahlen den Rest und nehmen den K 70-Motor und -Getriebe auf unserem Anhรคnger mit.

Was damit fรผr die Wasmuths endet, beginnt fรผr Marcel. Auf der Rรผckfahrt erkundigt er sich bereits, wie er jetzt Mitglied im K 70-Club werden kann.

Und ZACK! - hat der Club ein neues Mitglied! Herzlich Willkommen, Marcel!
Auf zu neuen Abenteuern!

Dieser Spruch hat erstmal seine Gรผltigkeit verloren


3 Kommentare:

  1. Gratulation !
    Das ist ja dann schon der 3. K70 in der Familie. Euer Fuhrpark erreicht beachtliche GrรถรŸe !
    Was macht dein gelber ? Ist der Polo inzwischen endgรผltig gerettet ? Hรคtte der Tausch des Kats gereicht ?
    Christoph

    AntwortenLรถschen
  2. Hi Christoph,

    mein gelber K 70 steht trocken in seiner neuen Garage... so langsam sollte ich mich mal ans Zusammenbauen begeben.

    Bisher sind jedoch so viele andere Arbeiten wichtiger gewesen... irgendwas ist ja immer!

    Der "neue" Polo-Motor lรคuft besser als der alte - der ist aber wohl nicht im Eimer. Ein neuer Kat + Auspuff hรคtte es wahrscheinlich auch getan. Na egal - ist halt ein Hobby und da macht man schonmal Sachen die nicht unbedingt sinnvoll sind.
    Andreas

    AntwortenLรถschen
  3. Klasse das er wieder lรคuft !

    AntwortenLรถschen