<<Kapitel 4<<
Ein residenter DJ arbeitet fest in einer Discothek. Auf diese Weise lernte ich weitere Facetten einer DJ-Tรคtigkeit kennen. Einerseits musste ich dazu natรผrlich nicht stรคndig meine eigene PA-Anlage mitnehmen, auch Schallplatten waren vorhanden. Andererseits legte ich fast ausschlieรlich fรผr immer das gleiche Publikum auf. Beides durfte aber nicht unbedingt nur als Vorteil gesehen werden. |
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Der Disco-Besitzer, -Inhaber, -Geschรคftsfรผhrer war ein gelernter Elektriker in den Mittfรผnfzigern. Daher maรte er sich auch wohl an, die PA-Anlage seiner Disco nicht nur selbst und natรผrlich รคuรerst preisgรผnstig zusammengestellt, sondern obendrein auch hรถchst persรถnlich selbst gebaut, installiert und eingepegelt zu haben. Logisch, dass das Klangergebnis dieser Anlage alles andere als professionell war. Schlimm war obendrein, dass ich als DJ nicht wirklich auf diesen Sound einwirken durfte – der Chef hatte den Equalizer samt Limiter einfach mit einer abschlieรbaren Frontblende unerreichbar gemacht. | ||
Ein weiteres echtes รrgernis in dieser Disco war zudem, dass der Platteneinkauf unprofessionell „รผberwacht“ wurde. Wรคhrend ich DJ mich wรคhrend stundenlanger Sitzungen in Plattenlรคden redlich mรผhte, die neuesten, angesagtesten, tanzbarsten und aussichtsreichsten Scheiben zu ergattern, musste ich anschlieรend die bereits bezahlte Ware der „discointernen Qualitรคtssicherung“ in Person der sechzehnjรคhrigen, pubertierenden Tochter des Chefs unterziehen. Wenn Madame dann irgendetwas an meiner Auswahl nicht behagte, hatte ich die Scheiben gefรคlligst wieder artig in den Plattenladen zurรผckbringen. Unglaublich – aber wahr!
รber das stรคndig gleiche Publikum machte ich mir anfangs ziemliche Sorgen. Schlieรlich hat jeder DJ seine ureigene Art und so bildete ich mir ein, dass das Publikum meiner Art ziemlich schnell รผberdrรผssig werden kรถnnte. Doch glรผcklicherweise griffen ganz andere, unvorhersehbare Mechanismen. Das Publikum bewertete mich nรคmlich eher an meiner Bereitwilligkeit, Musikwรผnsche zu erfรผllen. Und meine Einstellung zu Musikwรผnschen unterschied mich offensichtlich von vielen anderen DJs - bei mir lief dieses Thema nรคmlich weitestgehend unter „Kundenbindung“. Die Leute kamen schlieรlich hauptsรคchlich wegen IHRER Musik in diese Disco – warum sollte ich ihnen also Wรผnsche verwehren? Daran, dass ein DJ diesbezรผglich offensichtlich lieber seine eigenen musikalischen Vorlieben auflegt, stรถรt sich jedes Publikum regelmรครig – und genau diesen Fauxpas wollte ich nicht riskieren. Das musikalische Einfรผhlungsvermรถgen schien mir eh die wichtigste Voraussetzung fรผr einen erfolgreichen DJ zu sein – zumindest fรผr einen DJ, der entgeltlich auftritt.
So gesehen war mein musikalisches Einfรผhlungsvermรถgen auch Grund und Beginn einer Freundschaft, die bis heute Bestand hat. Ich bemerkte nรคmlich bald, dass einerseits viele einheimische Discobesucher regelmรครig bevorzugt bei finest Bourbon-Whiskey „Jim Beam“ an und (seltener) auf der Tanzflรคche standen und daher offenbar immer weniger des Tanzens mรคchtig waren. Andererseits bewegte sich gern ein รคuรerst tanzfreudiges Volk auf dem Platz vor den Lautsprechern, insbesondere dann, wenn gerade italienische Musik gespielt wurde. Beim genaueren Betrachten waren es dann tatsรคchlich Italiener/innen – die in dieser Gegend seit Jahren arbeiteten und „meinen Laden“ natรผrlich in ihrer Freizeit frequentierten. Da ich mich immer eher als Animateur fรผr das Tanzen, als fรผr das Saufen verstand, unterstรผtzte ich, wann immer es sich einrichten lieร, natรผrlich begeistert „meine Italiener“ und wurde von ihnen immer und garantiert mit einer vollen, tosenden Tanzflรคche belohnt. Bald wurde diese gegenseitige Beziehung dann auch in den privaten Rahmen รผbertragen. Denn die Italiener luden mich zum familiรคren Spaghetti-Essen zu sich nachhause ein. Dabei erzรคhlte ich ihnen beispielsweise auch รผber meine letzten Urlaubsreisen nach Italien. Kurzum wurde ich infolgedessen aufgefordert, sie im Urlaub in ihrer Heimat besuchen. Ohne die Bezeichnung „Heimat“ nรคher zu hinterfragen, sagte ich unter ihrem groรen Jubel sofort zu. |
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Erst anschlieรend erfuhr ich, dass sie in der sรผdwest-sizilianischen Stadt Menfi (----> Offizielle italienische Seite der Gemeinde Menfi) beheimatet sind – daraus wurde schlieรlich ein erster unvergesslicher Urlaub auf Sizilien! Inzwischen pflege ich die liebevolle Freundschaft zu dieser Insel und ihren unglaublich lieben und netten Menschen im fรผnfundzwanzigsten Jahr. Darรผber ist schlieรlich auch immer wieder in diesem Blog zu lesen: >>HIER<< und >>HIER<<. Als DJ bezeichne ich diese besondere Beziehung hier mal augenzwinkernd als "Frucht meines musikalischen Einfรผhlungsvermรถgens". | ||
>>Kapitel 5>>
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26 Mรคrz 2015
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