26 März 2015

Meine DJ-Biografie - Kapitel 5: RESIDENT-DJ IM OLD INN





Ein residenter DJ arbeitet fest in einer Discothek.

Auf diese Weise lernte ich weitere Facetten einer DJ-Tätigkeit kennen. Einerseits musste ich dazu natürlich nicht ständig meine eigene PA-Anlage mitnehmen, auch Schallplatten waren vorhanden.

Andererseits legte ich fast ausschließlich für immer das gleiche Publikum auf. Beides durfte aber nicht unbedingt nur als Vorteil gesehen werden.


Das "Old Inn" ist seit Mitte der 1990er Jahre Geschichte 
- heute findet man unter dieser Adresse eine Apotheke
Der Disco-Besitzer, -Inhaber, -Geschäftsführer war ein gelernter Elektriker in den Mittfünfzigern. Daher maßte er sich auch wohl an, die PA-Anlage seiner Disco nicht nur selbst und natürlich äußerst preisgünstig zusammengestellt, sondern obendrein auch höchst persönlich selbst gebaut, installiert und eingepegelt zu haben. Logisch, dass das Klangergebnis dieser Anlage alles andere als professionell war. Schlimm war obendrein, dass ich als DJ nicht wirklich auf diesen Sound einwirken durfte – der Chef hatte den Equalizer samt Limiter einfach mit einer abschließbaren Frontblende unerreichbar gemacht.

Ein weiteres echtes Ärgernis in dieser Disco war zudem, dass der Platteneinkauf unprofessionell „überwacht“ wurde. Während ich DJ mich während stundenlanger Sitzungen in Plattenläden redlich mühte, die neuesten, angesagtesten, tanzbarsten und aussichtsreichsten Scheiben zu ergattern, musste ich anschließend die bereits bezahlte Ware der „discointernen Qualitätssicherung“ in Person der sechzehnjährigen, pubertierenden Tochter des Chefs unterziehen. Wenn Madame dann irgendetwas an meiner Auswahl nicht behagte, hatte ich die Scheiben gefälligst wieder artig in den Plattenladen zurückbringen. Unglaublich – aber wahr!

Über das ständig gleiche Publikum machte ich mir anfangs ziemliche Sorgen. Schließlich hat jeder DJ seine ureigene Art und so bildete ich mir ein, dass das Publikum meiner Art ziemlich schnell überdrüssig werden könnte. Doch glücklicherweise griffen ganz andere, unvorhersehbare Mechanismen. Das Publikum bewertete mich nämlich eher an meiner Bereitwilligkeit, Musikwünsche zu erfüllen. Und meine Einstellung zu Musikwünschen unterschied mich offensichtlich von vielen anderen DJs - bei mir lief dieses Thema nämlich weitestgehend unter „Kundenbindung“. Die Leute kamen schließlich hauptsächlich wegen IHRER Musik in diese Disco – warum sollte ich ihnen also Wünsche verwehren? Daran, dass ein DJ diesbezüglich offensichtlich lieber seine eigenen musikalischen Vorlieben auflegt, stößt sich jedes Publikum regelmäßig – und genau diesen Fauxpas wollte ich nicht riskieren. Das musikalische Einfühlungsvermögen schien mir eh die wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen DJ zu sein – zumindest für einen DJ, der entgeltlich auftritt.

So gesehen war mein musikalisches Einfühlungsvermögen auch Grund und Beginn einer Freundschaft, die bis heute Bestand hat. Ich bemerkte nämlich bald, dass einerseits viele einheimische Discobesucher regelmäßig bevorzugt bei finest Bourbon-Whiskey „Jim Beam“ an und (seltener) auf der Tanzfläche standen und daher offenbar immer weniger des Tanzens mächtig waren. Andererseits bewegte sich gern ein äußerst tanzfreudiges Volk auf dem Platz vor den Lautsprechern, insbesondere dann, wenn gerade italienische Musik gespielt wurde. Beim genaueren Betrachten waren es dann tatsächlich Italiener/innen – die in dieser Gegend seit Jahren arbeiteten und „meinen Laden“ natürlich in ihrer Freizeit frequentierten. Da ich mich immer eher als Animateur für das Tanzen, als für das Saufen verstand, unterstützte ich, wann immer es sich einrichten ließ, natürlich begeistert „meine Italiener“ und wurde von ihnen immer und garantiert mit einer vollen, tosenden Tanzfläche belohnt.

Bald wurde diese gegenseitige Beziehung dann auch in den privaten Rahmen übertragen. Denn die Italiener luden mich zum familiären Spaghetti-Essen zu sich nachhause ein. Dabei erzählte ich ihnen beispielsweise auch über meine letzten Urlaubsreisen nach Italien. Kurzum wurde ich infolgedessen aufgefordert, sie im Urlaub in ihrer Heimat besuchen. Ohne die Bezeichnung „Heimat“ näher zu hinterfragen, sagte ich unter ihrem großem Jubel sofort zu.

Ein kleiner Teil unserer "amici siciliani"

Erst anschließend erfuhr ich, dass sie in der südwest-sizilianischen Stadt Menfi (----> Offizielle italienische Seite der Gemeinde Menfi) beheimatet sind – daraus wurde schließlich ein erster unvergesslicher Urlaub auf Sizilien!

Inzwischen pflege ich die liebevolle Freundschaft zu dieser Insel und ihren unglaublich lieben und netten Menschen im fünfundzwanzigsten Jahr. Darüber ist schließlich auch immer wieder in diesem Blog zu lesen: >>HIER<< und >>HIER<<.

Als DJ bezeichne ich diese besondere Beziehung hier mal augenzwinkernd als "Frucht meines musikalischen Einfühlungsvermögens".

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