Sonntag, 15. Juli 2018

K 70-Werft - 4. Teil

Endlich mal wieder Neuigkeiten von meinem Langzeitprojekt "Gelber K 70" oder:

K 70-Tausend-Teile-Puzzle
So sah er 1998 aus...
Genau zwanzig Jahre ist es nun her! Ende Mai 1998 befuhr ich mit dem sonnengelben K 70 LS letztmalig öffentliche Straßen nachdem ich ihn im September 1997 Mario Thimm abgekauft hatte.
Die vorerst letzte Fahrt sollte eine Art Eignungstest sein. Ich wollte dabei herausfinden, ob sich der Aufwand einer Restauration lohnt. Schließlich entschied ich mich für diesen Schritt. K 70-Werft 1. Teil, K 70-Werft 2. Teil, K 70-Werft 3. Teil. Nicht ahnend, welchen Wogen des Lebens der Wagen in meiner Garage ausgesetzt sein wird. Wie bei einem Hobby üblich, ging das Projekt immer nur dann voran, wenn ich Zeit und vor allem die finanziellen Mittel dazu hatte. An beidem haperte es leider häufig. Gesundheitlich durchlebte ich Tiefen, die den Wagen weit außerhalb des Fokus meiner Aktivitäten parkten. Durch die Trennung und Scheidung der ersten Ehe geriet der Wagen als Teil meiner kippelnden Existens zeitweise nahe an den Abgrund des Vorhabens. Und ganz ehrlich - so schön trocken und sicher in der Garage abgestellt, fristete das Fahrzeug letztendlich ein jahrelanges Schattendasein ohne wirkliche Beachtung. Er war halt da, aber er fraß kein Brot. Er wartete einfach nur geduldig auf seine Wiederauferstehung. Dass mir 2002 obendrein ein günstiges und fahrbereites Schwesterfahrzeug in die Hände fiel, nahm weiteren Druck aus seiner Fertigstellung. Die immer leiser werdenden Fragen der K 70-Club-Mitglieder "Na, wie geht's voran mit deinem Gelben?" wurden langsam legendär... meine ausweichenden Antworten und Ausreden allerdings auch! Doch irgendwann muss es einfach mal vorbei sein mit diesem Schlendrian - ich möchte das Ergebnis dieser K 70-Restauration ja schließlich auch noch erleben und genießen. Zu Beginn der Aktion war ich 36 - inzwischen bin ich 56!
... so sieht er 2018 aus!
Nach zwanzig Jahren um Einiges faltenfreier
Vor zwei Jahren begann ich während der Krankheitszeit nach einer Handoperation - bedeutsamerweise war für mich Rechtshänder nur die linke Hand ausser Gefecht gesetzt - mit dem Zusammenbau. Bis zur B-Säule arbeitete ich mühsam von hinten nach vorne voran. Das größte Problem dabei war mir vorher schon bewußt: wo lagern die vielen kleinen Einzelteile, die nun wieder an ihren Platz müssen? Schrauben, Muttern, Plastikklipse, spezielle Kleinteile... nichts hat mein Ludolfsches Haufenprinzip - auf dem Dachboden meiner Garagenwerkstatt liegen mindestens drei K 70 in Teilen - seit zwanzig Jahren verlassen! Und genau durch diese Aussage wird die Schwierigkeit meines Vorhabens deutlich. Ein Großteil der Arbeit und Zeit geht also für Suchen drauf. Durch dieses zeitweise verzweifelte Suchen wird die Ordnung (?) leider noch chaotischer. Ich grusele mich jetzt schon vor der Aufräumaktion nach Inbetriebnahme des fertigen gelben K 70.
Dieses Bild machte Lust auf Mehr... mehr Zusammenbau
Auch war mir klar, dass die Fahrzeugkomplettierung durch seinen Motor ein besonderes Highlight darstellen würde. Zum Herausheben des gut 120 Kilo wiegenden Triebwerks samt Getriebe hatte ich mir vor zwanzig Jahren eigens einen Kran aus stabilen Gerüstrohren geschweißt und hängte einen Kettenflaschanzug ein. Die Konstruktion war jedoch derart wackelig, dass mir das komplette Gewese beim Ausbau mehrfach spektakulär umzukippen drohte. Dann hing ich mutterseelenallein schwitzend in aberwitzigen Verrenkungen am kippelnden Kran, der aufgrund des in halber Höhe baumelnden schweren Motors unglaubliche Hebelkräfte entwickelte. Um zukünftige Katastrophen mit meiner Hebevorrichtung zu vermeiden, habe ich den Kran nach dem glücklichweise unfallfreien Motorausbau einfach wieder auseinandergeflext.
Wie ein versunkenes Schiff: die Maschine wird gehoben
Nach meinen philosophischen Silvester-Betrachtungen - zu denen man in gesetzterem Alter ja inzwischen zeitweilig in der Lage sein kann - verfolge ich nun mein gefasstes Ziel, den Gelben am Jahresende trotz aller Widrigkeiten (was meine Ordnung betrifft) wieder "zusammen zu haben". Zum Motorwiedereinbau habe ich viele Angebote. Bereits vor zwanzig Jahren hatte sich Rudi angeboten. Er war früher in der Motorentwicklung bei Volkswagen in Emden beschäftigt. Leider ist auch er in der Zwischenzeit älter geworden - seine Gesundheit ist schwer angeschlagen und unsere Wege haben sich im letzten Jahr nach einem heftigen Streit getrennt. Glücklicherweise gibt es jedoch inzwischen das "K 70-Kompetenzzentrum". Die geballten Fähig- und Fertigkeiten der beiden langjährig in der VW-Schiene beschäftigten Peter Rodenberg und Markus Retz sind mir zur Verfügung gestellt worden. Ein glücklicher Zufall ergab eine praktische Mitfahrgelegenheit für meinen Gelben.

Mein kleiner Imagefilm vom "K 70-Kompetenzzentrum Westerwald"
Peter schraubt das Getriebe an den Motor
So - das Getriebe sitzt nun wieder da, wo es offiziell hin
gehört... am Motor
... und wenig später und mit vereinter Kraft räkelt sich der
Motor wieder in seinem Motorraum... eine zweite Hochzeit!
Getriebeträgermontage... so kenn' ich Peter schon
Leider verfüge ich nicht über eine Bühne... sorry, Peter!
Huckepack auf dem Crafter
Mit dieser Ladung sind Peter auf der Autobahn wieder
einige gehobene Daumen garantiert
Gurte verstauen... Ladungssicherung ist wichtig!
Abschiedsfoto
Für eine gewisse Zeit getrennt

With a little help from my friends


So reiste Peter mit dem PKW-Transporter seiner Firma an. Markus' spezieller handhydraulischer Werkstattkran half beim Einbau der Motor-Getriebe-Einheit. Meine wochenlang vorher vorbereiteten noch zu verbauenden Teile reisten im K 70-Innenraum und im Kofferraum mit, der lange Abgasstrang aus Vor- und Endschalldämpfer (beides hing die letzten zwanzig Jahre über dem vorderen Fenster meiner Werkstatt - ich hatte die Auspuffanlage in den Tagen vor der Abholung noch komplett mit dem Stahlbürstenvorsatz der Bohrmaschine entrostet und mit hochwertigem Würth-Zinkspray geschützt - wurde auf der Rampe des Transporters verzurrt. Der komplette K 70 musste an allen Vieren fixiert werden, denn die Handbremse ist noch nicht aktiviert. So ist die ganze Fuhre schließlich im Kompetenz-Zentrum in Hillscheid angekommen. Dort wird mein gelber K 70 nun eine Zeit verbringen. Es ist schon komisch, ihn nicht mehr auf seinem Ruheplatz zu wissen, auf dem er zwanzig Jahre mehr oder weniger still verharrte. Andererseits ist es schön, dass es nun Dank "K 70-Westerwald-Kompetenzzentrum" weiter geht... endlich einer Vollendung entgegen.
Diesel bunkern
Auf geht's zur großen Fahrt in den Westerwald - Gute Fahrt!
Autobahnparkplatz
Noch sind die fast 350 Kilometer nicht geschafft
Im Westerwald angekommen
Befreit von den Fesseln... äh... Gurten...
... kann der Gelbe seine Reiseplattform endlich verlassen
Ein Platz unter Gleichgesinnten
In guter Gesellschaft unter einem Dach (hier hausen weitere drei K 70, in der Halle nebenan nochmals die Zwei von Markus)

Kommentare:

  1. Antworten
    1. Danke Christoph,

      it's a long way! Ich rechne nicht vor 2019 mit dem Stapellauf. Aber er hat jetzt 21 Jahre gestanden, da kann es auf ein paar Monate nicht ankommen.

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  2. MO-MENT!!! Du schraubst den nicht selbst final zusammen? Was ist denn da los?

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    1. Tja, Maik... für bestimmte Arbeiten lohnt sich ein funktionierendes Netzwerk. Es ist doch besser, bestimmte Dinge, zu denen man nicht die richtigen Werkzeuge besitzt, in die Hände von hilfsbereiten Fachleuten zu geben. Dass ich den Motor nicht selbst überarbeiten und einbauen werde, stand allerdings von vornherein fest. Lediglich der Ort - ob zuhause vor Ort oder in einer "fremden" Umgebung - war offen und hat sich nun mit der Werkstatt im Westerwald entschieden.

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