19 April 2021

Möbliertes Zimmer mit fließend Wasser, Strom und Kühlschrank


Rittergut Falkenhardt


Im letzten Urlaub...  Teil 1, Teil 2, Teil 3 


... kündigte sich ein Problem bereits an: ständig fiel der Kühlschrank im REDSTAR aus, weil der Bordakku (nicht die Starterbatterie) nicht genügend geladen werden konnte. Genauer gesagt war die Batterie, eine konventionelle Starterbatterie, eigentlich nicht geeignet für den Einsatz als Verbraucherbatterie.

KLEINE AKKU-LEHRE: beim Starten des Motors werden für zwei bis fünfzehn Sekunden Stromstärken von mehreren 100 bis zu 1.000 Ampere benötigt. Bei 7 Sekunden Startzeit mit Vorglühen verliert die Batterie beim Diesel bis etwa 0,3 – 0,4 Ah. Für die Nachladung des dadurch entstandenen Aufladungsverlustes von 0,2 Ah werden etwa 3–5 Minuten Fahrzeit benötigt. Die elektrische Spannung darf während des Startvorgangs nicht zu stark abfallen, deshalb weisen Starterbatterien einen geringen elektrischen Innenwiderstand auf.

Wird ein solcher Akku jedoch als Verbraucherbatterie eingesetzt, wird er natürlich oft geladen und entladen. Diese Zyklen, sowie auch die Tiefe der Entladung, führen innerhalb der Batterie zum vorzeitigen Verschleiß. Für den speziellen Einsatz als Verbraucherbatterie gibt es daher geeignetere Stromspeicher.

Frank's Dehler mit Photovoltaik-Modul

Als wir im August 2020 im Urlaub Frank Schamberg in Flensburg treffen, bringt er mit einer Photovoltaik-Anlage auf seinem T3 Dehler den Stein ins Rollen. Seine Erfahrungen zur Stromerzeugung durch Sonne auf dem Autodach weckt bei uns großes Interesse.

Nachdem ich entsprechende und teils verwirrende Informationen und Angebote im Internet studiert habe, schreibe ich lieber nochmal mit Frank. Dieser Chat bringt mich entscheidend weiter.

Zunächst hatte ich die Hoffnung, dass man die Solarmodule magnetisch auf dem Autodach anbringen könnte. Wenn man sich jedoch etwas mit der Materie befasst, erfährt man schnell, dass diese Art der Anbringung eher nachteilig ist. Denn auf dem sonnenbeschienenen Autodach herrschen oftmals bis zu 80°C, die die Leistung eines Solarmoduls extrem einschränken. Außerdem fand ich heraus, dass die flexiblen Module um einiges teurer gehandelt werden. Deshalb verwarf ich diesen Gedanken.


PV-Module auf dem Dachgepäckträger

Sonnenkraftwerk auf dem Autodach

Dann meine Idee: der Abstand zwischen Autodach und Solarmodul ist bei der Montage auf einem handelsüblichen Dachgepäckträger optimal. Auf dem Dach ist schließlich genug Platz. So ordere ich also zwei 100 Watt Solarmodule, einen passenden Laderegler mit integriertem Bluetooth sowie spezielle Anschlusskabel.

Für die Montage auf dem Dach benötige ich einen Fußsatz für Dachgepäckträger und zwei Alutraversen. Alles ist in Schwarz gehalten (sogar die Rahmen der beiden Module). Die Energie wird per Kabel (die durch das hintere rechte Entlüftungsgitter und weiter am Fahrzeugboden entlang verlaufen) an zwei Batterien (unter Fahrer- und Beifahrersitz) geleitet. Der Laderegler findet seinen Platz an der Sitzkonsole auf der Beifahrerseite.


Die PV-Leitungen verlege ich am Fahrzeugboden

Laderegler an der Sitzkonsole des Beifahrersitzes

Neue Möbel

Als nächstes störte uns im Urlaub 2020 die minimalistische Möblierung unseres REDSTAR. Einfache Holzkisten dienten uns als Transportboxen für alles, was man auf großer Reise so braucht. Allerdings bieten sie viel zu wenig Stauraum und sind für unsere Zwecke einfach viel zu unpraktisch.

Wochenlang entwerfe und zeichne ich deshalb zwei große Schränke (inklusive Kühlbox und Waschbecken plus 30-Liter Frischwasser- und 30-Liter Abwasserbehälter), die anstelle der serienmäßigen Back-to-Back-Sitze (und an deren Befestigungspunkten) Platz finden sollen. Außerdem soll eine lange Holzbox zusätzlichen Stauraum unter der hinteren, zum Schlafen heruntergeklappten, Sitzbank bringen.

Als besonderes I-Tüpfelchen möchten wir unseren REDSTAR mit einem Dachschrank (hinten quer über dem Bett bzw. über der Motorklappe) ausstatten.

Früher gab es diese Möbelstücke für richtig viel Geld bei Reimo, Westfalia etc. Heute findet man sie höchstens noch als gebrauchte Teile z.B. bei eBay-Kleinanzeigen - meistens ziemlich runtergerockt, trotzdem noch zu unverschämten Preisen.

Diese abgeranzten Schätzchen will ich uns jedoch nicht zumuten - es muss doch möglich sein, so einen Dachschrank selbst zu bauen. Das Problem bei diesem Vorhaben sind die unterschiedlichen Dachwölbungen vorn und hinten, die unterschiedlichen Breiten vorn und hinten, sowie die Befestigung des Dachschranks von innen an der Karosserie.


Zukünftiges Schlafzimmer als Werkstatt

Ähnlichkeit mit einem Schreibtisch

Alle Teile vor der Garage 

Der Schrank mit dem Waschbecken...

... darunter Frisch- und Abwassertanks

Blick von hinten nach vorn

Kühlbox hinterm Fahrersitz

Die Tischplatten sind mit einer Lacklasur versehen 

Box unter der hinteren Sitzbank

In diversen Foren werden zwar immer wieder detailierte Baupläne für Dachschränke versprochen. Ich wäre speziell auf "Schnittmuster" für Front und Rückseite scharf. Nach wochenlanger Suche im Internet stelle ich abschließend fest, dass Do-It-Yourselfer diesbezüglich mauern - NIEMAND rückt brauchbare Pläne heraus (... ich nun auch nicht mehr! 😂).

Also finde ich selbst einen Weg zur passenden Form. Zentimeterweise ermittle ich die exakte Dachform, übertrage diese Daten danach auf das Holz und säge Vorder- und Rückwand mit der Stichsäge aus. Nach diversen Anpassungsmaßnahmen kann sich das Ergebnis sehen lassen.

Die Ideen zur Befestigung des Dachschranks an der Karosserie lesen sich im Internet wie geheime Verschwörungen - ich habe mir auch dazu meine eigenen Gedanken gemacht... und die Box sehr effektiv mit Hohlraumdübeln fixiert.


Konsole zur Ermittlung der Dachwölbung

Zentimeterweise wird senkrecht nach oben gemessen

Die ermittelten Maße werden auf's Holz übertragen

Jetzt nur noch aussägen...

Von vorn nach hinten gesehen

Eingebauter Dachschrank

Nachdem nun am letzten Sonntag das Werk vollendet war, wurde die PV-Anlage erstmalig in Betrieb genommen und mit den neuen Möbeln eine erste Proberunde gefahren.

Die Monate und Wochen der Planung und Durchführung dieser Aktion haben sich wirklich gelohnt.


Möge die Sonne mit uns sein!

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