<<Kapitel 22<<
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Natรผrlich gibt es fรผr jeden Menschen unglaublich viele Mรถglichkeiten, diese kรถrpereigenen Drogen zum Einsatz zu bringen. Ich glaube, sie oftmals wรคhrend und nach meinen DJ-Auftritten mit der SOUNDBOX deutlich gespรผrt zu haben.
Logischerweise war ich vor jeder Veranstaltung ziemlich angespannt. Die Tatsache, dass ich die vorherigen Feiern gemeistert hatte, war nรคmlich kaum Garantie dafรผr, dass auch die nรคchsten Partys gelingen wรผrden. Zu Deutsch: keine Feier ist/war wie die anderen. Jede gute Stimmung auf einer Feier musste ich neu und oftmals mรผhsam erarbeiten. Eine Gesellschaft, die bei der ersten Party ausgelassen abfeierte, musste nicht notgedrungen beim nรคchsten Mal auch wieder so prima abgehen. Als DJ stand ich also jedes Mal wieder vor dem Nichts – aber der Gastgeber und Auftraggeber erwartete natรผrlich einen Feierverlauf formvollendeter Glรผckseligkeit. Ein ordentlicher Erwartungsdruck, der da jedes Mal auf mir lastete! Aber genau DAS war letztendlich fรผnfundzwanzig Jahre lang mein Auftrag!
Ich bin ehrlich – ein winziges Flรคmmchen Zweifel brannte immer in mir. Nie war ich mir meiner Sache wirklich hundertprozentig sicher. Vielleicht hรคtte mich eine unerschรผtterliche Selbstsicherheit unvorsichtig werden lassen, vielleicht auch arrogant oder รผberheblich. Stรคndig habe ich mein Schaffen mehr oder weniger kritisch betrachtet und gewissermaรen รผberwacht. Der Kopf arbeitete stets auf Hochtouren – das kรถnnte รผbrigens auch der Grund dafรผr sein, warum mir immer, egal bei welchen Temperaturen, der Schweiร auf der Stirn stand.
Gut, ein derart verbissenes Arbeiten mag auch mal auf Kosten der Spontaneitรคt gegangen sein. Trotzdem war das Ergebnis wohl nie wirklich schlecht… immerhin funktionierte dieses System ja schlieรlich auch fรผnfundzwanzig Jahre lang bestens.
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Ab einem gewissen Zeitpunkt jeder Feier wurde mir immer klar, ob ich diese Gesellschaft in den Griff bekommen wรผrde, oder nicht – ja, denn auch das hat es natรผrlich gegeben! Wenn die Gรคste beispielsweise „nur zum Saufen“ kamen, hatte kein DJ der Welt die Chance auf Erfolg auf der Tanzflรคche. Es gab Partys, da brauchte ich mich nicht mal per Intro vorstellen, war als Person oder DJ vollkommen uninteressant. Mein Opening wรคre gรคnzlich unbeachtet geblieben. So war ich dann zwar anwesend, habe mich aber mit der SOUNDBOX im Hintergrund gehalten – einen finanziellen Ausgleich gab’s natรผrlich trotzdem. Es hat nur leider halt รผberhaupt keinen Spaร gemacht. |
Oft genug sind solche Feiern dann extrem spรคter doch noch richtig "abgegangen" – da musste nรคmlich vorher fรผr den passenden Alkoholpegel gesorgt werden. Das waren dann sogenannte „Alte Diesel-Partys“ – mit besonders langer Vorglรผhzeit. Nach sechs Stunden Langeweile (fรผr mich) starteten die sternhagelvollen Gรคste dann erst richtig bis in die Morgendรคmmerung durch – das brachte somit letztendlich und glรผcklicherweise zum Ausgleich fรผr mich zwar richtig Geld. Trotzdem waren mir die „normalen“ Feiern, bei denen die Stimmung schon vom Start weg top war, wesentlich lieber – sie machten einfach viel mehr Spaร. Auch wenn sie um Einiges frรผher zu Ende waren und daher finanziell weniger einbrachten.
An dieser Stelle hoffe ich รผbrigens auf diejenigen Kunden unter den Lesern, die immer behaupteten, „so ein DJ hat doch ein feines Leben. Kriegt immer satt zu Essen und zu Trinken, legt einfach nur ein paar Platten auf und kassiert hinterher ordentlich ab!“ Als ich dann spรคter nur noch mit mp3-Dateien arbeitete und daher fรผr den Betrachter nur noch ein Computer, eine Tastatur, eine Maus und ein TFT-Monitor zu sehen waren, schien der DJ natรผrlich gรคnzlich รผberflรผssig – „das Musikprogramm stellt ja der Computer zusammen!“ Komischerweise wollte aber nie jemand hinter die Anlage und das Mikrofon treten, wenn ich im Falle einer solch neidischen Bemerkung einfach mal groรzรผgig anbot, fรผr die nรคchste viertel Stunde meinen Job zu รผbernehmen.
Natรผrlich ist mir der kleine Moment des Jammerns in den letzten Absรคtzen wieder bewusst. Aber das soll nicht bedeuten, dass es ein DJ schwer hat. Ich habe immer gesagt, „dass ich gern mit der SOUNDBOX unterwegs bin – sollte es mir irgendwann keinen Spaร mehr machen, hรถre ich damit auf“. Letztendlich ist es ja auch genauso gekommen.
Bis dahin machten mich meine Erfolge jedoch glรผcklich. Nach jeder gelungenen Feier spรผrte ich Zufriedenheit. Durch die SOUNDBOX war ich vielen Menschen bekannt geworden. Viele gaben mir auch Jahre spรคter noch das besondere Gefรผhl, dass ich sie mit meiner Musik auf ihrer Feier ausgezeichnet unterhalten hatte. Oftmals hoben sie mich deshalb auf das Niveau einer Berรผhmtheit, denn sie lieรen mich spรผren, dass ich ein kleiner Star war – ein ungewรถhnliches aber nicht gerade unangenehmes Gefรผhl fรผr einen vom Erfolg nicht gerade verwรถhnten Menschen wie mich.
Dennoch habe ich immer versucht, Starallรผren zu vermeiden. Ich halte nichts davon, mich durch Eitelkeiten, Launen oder Affektiertheit von meinen Mitmenschen zu unterscheiden. Noch heute laufen mir die Gรคste von damals รผber den Weg. Noch immer wissen die Meisten, wem sie da begegnen – oftmals im Gegensatz zu mir. Sorry, Leute! Mein Erinnerungsvermรถgen ist รผberstrapaziert - ich meine es aber wirklich nie bรถse!
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>>Kapitel 24>>


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