<<Kapitel 17<<
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Dennoch erlebte ich seltsame Momente mit diversen DJ-Antagonisten. Ich bezeichne hier mal eine ganz bestimmte DJ-Clique meiner Zeit als "Syndikat". Dessen "Hรคuptling" scharte stรคndig eine ganze Gefolgschaft Lakaien um sich herum. So trat diese DJ-Mafia vollkommen รผberzogen sogar in ihrer Freizeit รถffentlich als streng organisiertes Kommando auf.
Zum Beispiel anlรคsslich eines Live-Musik-Konzertes in einem Gasthof mit groรem Saal: auch ich wartete damals in der friedlichen Menge des Publikums vor der Bรผhne mit einer Flasche Cola in der Hand auf den Auftritt der angekรผndigten Musiker. Der Saal fรผllte sich und irgendwann begann eine Vorband zu spielen. Plรถtzlich wurde ich von hinten angerempelt und unsanft zur Seite gedrรคngt. Nachdem ich mich umgedreht hatte, traute ich meinen Augen nicht: einige schwarz gekleidete Bodybuilder sorgten fรผr eine freie Gasse auf dem Parkett. Sie rรคumten den Weg frei fรผr den mรคchtigen Herrscher der DJ-Mafia. Vollkommen perplex durfte ich nun erleben, wie der รผberhebliche Gebieter huldvoll durch die staunende Menge schritt. In welchem Film war ich hier? Definitiv wohl in einem ganz Schlechten – und das hier, in der tiefsten Provinz! Unglaublich, oder? |
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| Was hat diese Geschichte aber nun mit der SOUNDBOX zu tun? Ganz einfach: Geschรถpfe genau dieser Couleur waren beispielsweise meine „Mitbewerber“. Der eben bei der Musikveranstaltung erlebte "King of Partymucke" verfรผgte, wie bereits erwรคhnt, รผber ein enges Netzwerk von Mit- und Zuarbeitern. Wie Graf Koks von der Gasanstalt verwaltete er eingehende Auftrรคge (also DJ-Auftritte auf irgendwelchen Veranstaltungen), verteilte sie groรzรผgig auf ein ganzes Heer von mehr oder weniger talentierten DJ, lieร sie dann mit einer seiner Anlagen auftreten und kassierte dafรผr hinterher bei den Jungs unverhรคltnismรครig satt ab. Meines Erachtens eine moderne Art der Zuhรคlterei! Bei solchen Arbeitsbedingungen fielen seine Frondienstleister logischerweise hรคufig aus oder warfen rasch das Handtuch… deshalb muss es wohl ein stรคndiges Kommen und Gehen gegeben haben – was ich auch durchaus nachvollziehen kann. | |
Wรคhrend der Feier mit der SOUNDBOX in einer Schรผtzenhalle berichteten mir mehrere Gรคste mal, dass „unsere“ Party von Spรคhern der berรผchtigten DJ-Mafia ausspioniert worden war. Man hatte sie wohl erwischt, wie sie versuchten, durch die von innen beschlagenen Fenster (drinnen wurde nรคmlich heftig getanzt - und somit auch geschwitzt) zu lugen. Diese Jungs waren eigentlich fรผr eine andere Feier in einer Gaststรคtte nebenan zustรคndig. Sie รคrgerten sich allerdings wohl darรผber, dass die Gรคste, fรผr die SIE eigentlich zustรคndig sein sollten, lieber auf der Tanzflรคche der SOUNDBOX mittanzten. Diese Reaktion der Syndikat-DJ bewies mir somit jedoch auch, dass Neid die aufrichtigste Form der Anerkennung ist. Denn als ich in der Morgendรคmmerung an "deren" Gasthof vorbei nach Hause fuhr, war dort erwartungsgemรคร lรคngst Feierabend und alles zappenduster.
Normalerweise hatte ich aber eher selten Kontakt zu jeglicher Konkurrenz... รคh, zu Mitbewerbern. Das ist jedoch auch nicht besonders verwunderlich. Denn immer, wenn ich auf Achse war, waren schlieรlich auch sie unterwegs. Und wรคhrend meiner Auftritte mit der SOUNDBOX hatte ich weder Zeit noch wirklich Lust, nach „den Anderen“ zu schielen. Es war auรerdem sowieso stets wichtiger, sich an die eigene Nase zu fassen und/oder vor der eigenen Tรผr zu kehren.
Hin und wieder kam es allerdings vor, dass mir Gรคste oder Kunden ihr Leid mit anderen Musikern klagten. Ich habe dann jedoch nicht mitgelรคstert, denn es macht nie einen guten Eindruck, schlecht รผber seine Mitbewerber zu sprechen. Das gehรถrt sich einfach nicht! Man hofft ja auch gleichermaรen, dass die Mitbewerber sich benehmen. Dessen sicher sein kann man jedoch nie.
Eine Bedrohung stellte Konkurrenz also wรคhrend der aktiven Zeit der SOUNDBOX nicht wirklich dar. Ich habe dieses Thema lediglich der Vollstรคndigkeit halber erwรคhnt. Es sollte hier wenigstens ein wenig der Belustigung und Unterhaltung dienen.
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>>Kapitel 18>>


Wirst du irgendwann vielleicht das "business" wieder aufnehmen?
AntwortenLรถschenDas ist ziemlich unwahrscheinlich! Ich habe eine gute Zeit gehabt.
LรถschenDas Happy-End besteht bei manchen Filmen einfach darin, daร sie zu Ende sind.