26 Oktober 2015

Meine DJ-Biografie - Kapitel 12: LAMPENFIEBER AUF BURG BLOMBERG










Über eine befreundete Künstleragentur war ich für einen Termin im Innenhof der ostwestfälischen Burg Blomberg gebucht. Eine Pharmafirma für ein namhaftes Mittel gegen Venenerkrankungen hatte diese romantische und gut 700 Jahre alte Location als Ort für ihre Jahrestagung mit anschließender Feier inklusive Festdinner und Tanz ausgewählt.

Es war damals für mich nicht wirklich erklärbar, warum die Künstleragentur vorab verfügte, dass sie zu diesem Event unbedingt ihr eigenes Equipment in Form eines Mischpultes sowie CD-Playern zur Verfügung stellen wollte. Außer dem Umstand, dass ich diese Gerätschaften vor dem Auftritt erst noch dort abholen musste, sollte deren Einsatz für mich jedoch keinerlei Problem darstellen.

An jenem Samstagnachmittag in einem Frühsommer Mitte der 1990er Jahre war ich pünktlich am Ort des Geschehens. Genaugenommen war sogar noch reichlich Zeit. Man wusste ja nie wirklich, was einen vor Ort so erwartete. Also rangierte ich meinen VW-Bus samt Anhänger in den verwinkelten Innenhof vor der Utlucht der mittelalterlichen Burg. Im teils aus Fachwerk, teils aus Felssteinen errichteten, historischen Gemäuer residiert (damals wie heute) ein Hotel und Restaurant. Die Party sollte allerdings im extra für diesen Zweck aufgestellten Festzelt im Innenhof stattfinden. Dort standen auch bereits viele festlich gedeckte Tische.

Das Jahresmeeting der Pharmafirma war wohl bereits beendet. Einige adrett gekleidete Damen und Herren liefen umher. Im Außenhof der gräflichen Burg feierte die Firma offensichtlich ihre ausgezeichneten Umsätze und einen augenscheinlich erfolgreichen Chef. Denn die Belegschaft überraschte ihn gerade mit einem Oldtimer – ich erinnere mich nicht mehr, was genau sie ihm da übergaben. Es könnte ein Mercedes-Benz 300 SL-Roadster gewesen sein – damals machte es auf mich jedenfalls einen sehr edlen und teuren Eindruck. Näher konnte ich mich damit sowieso nicht weiter beschäftigen – ich musste ja schließlich aufbauen.

Neben und über dem mir zugewiesenen Platz im Zelt war bereits eine professionelle PAR-Lichtanlage errichtet. Ihre bunten Strahler blinkten träge. Im Nachhinein fand ich schon DAS irgendwie seltsam. Unbeirrt baute ich jedoch weiter auf, was zu dieser Party benötigt werden sollte. Das Agentur–Mischpult und die CD-Player sollten meine eigene Endstufe und schließlich auch meine eigenen Lautsprecher-Boxen speisen. Nachdem alles aufgestellt und verkabelt war, ging die Anlage schließlich ans Netz. Dabei fiel mir auf, dass die hauseigene Lichtanlage augenblicklich seltsam reagierte… unterschiedliche Strahler blieben plötzlich halbhell, andere erloschen gänzlich. Und meine Endstufe startete nicht wie gewohnt, sondern "ging auf Störung" und tickerte auffallend und ungewöhnlich. Also riss ich den Stecker sofort wieder aus der Steckdose. Was war denn hier faul?

Ich legte mir eine neue Spannungsversorgung von einer anderen Steckdose, an der ein Kühlschrank angeschlossen war (und sogar funktionierte!). Nun versagte jedoch, bis auf meinen Verstärker, die restliche Anlage ihren Dienst. Ich ahnte Böses… und telefonierte eilends mit der Künstleragentur. Eine viertel Stunde später unterstützte mich einer der Geschäftsführer (der Agentur). Gemeinsam fanden wir nämlich heraus, dass es einen eklatanten Fehler in der Starkstromverteilung für die Bühne gab: der Hausmeister des Burghotels hatte leider beim Verkabeln eine Phase vergessen. Damit waren das Agentur-Mischpult und die CD-Player für diese Veranstaltung außer Gefecht gesetzt – sprich: für diese Geräte stand demnächst erstmal eine größere Reparatur an!

Auf diesen Fauxpas angesprochen, wies der Hausmeister natürlich erstmal jegliche Schuld von sich. Und die Übernahme der Reparaturkosten der defekten Geräte lehnte die Hotelleitung gleich auch noch stringent ab. Erst nachdem der Geschäftsführer der Agentur auf unterschriebene, aber nicht eingehaltene, vertragliche Bedingungen hinwies und mit dem Gang zu seinem Rechtsanwalt drohte, wurde man etwas zahmer. Wie die Kosten letztendlich getragen wurden, entzieht sich jedoch meiner weiteren Kenntnis. 

Für die wartenden Gäste müssen meine Bemühungen um die PA-Anlage beängstigend ausgesehen haben – beängstigend im Sinne von „weil die Anlage defekt ist, gibt es heute keine Musik und somit auch keinen Tanz mehr“. Deshalb war ein paar feierwilligen Mädels regelrecht anzusehen, dass sie innerlich beteten: „Lieber Gott, lass‘ bitte, bitte die Musikanlage doch noch funktionieren“. Dabei baute ich ja inzwischen schon unter hektischen Schweißströmen auf, was ich noch im Anhänger hatte – MEIN Mischpult und MEINE CD-Player. Als schließlich pünktlich um 20.00 Uhr die ersten Klänge aus meiner Anlage kamen, war ich DER HELD und erntete zunächst mal minutenlange Standing Ovations. ICH war wohl somit der Retter dieser Feier! :-)

Trotz dieser Beinahekatastrophe zum Anfang, wurde die Feier eine Nacht phantastischer Stimmung. Die Menschen feierten und tanzten ausgelassen bis in den Sonnenaufgang.


Die Sonne stand dann auch bereits hoch am Himmel, als ich auf dem Heimweg fast einer typischen Nachtarbeiter-Attacke zum Opfer fiel. Kaum zehn Kilometer von zuhause kam mein VW T4 mit dem rechten Vorderreifen von der Straße ab und nahm bereits Kurs auf ein am Straßenrand stehendes Vorfahrtschild. Todmüde und erschöpft, wie ich nach dieser Nacht nun mal war, müssen mir ganz kurz die Augen zugefallen sein – glücklicherweise gelang es mir jedoch, die Fuhre wieder auf die Straße zurück zu wuchten. Für den Rest der Fahrt stimmte mein Blutdruck wieder! Keine viertel Stunde später fiel ich zuhause ins Bett und wachte erst gegen Abend wieder auf.


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