26 September 2015

Meine DJ-Biografie - Kapitel 11: HANDTASCHENTRAUMKEULE









In unserer Kreisstadt gibt es eine sehr alte Straße entlang des kleinen Flüsschens Lohne. Die Stadtplaner haben glücklicherweise dafür gesorgt, dass das urtümliche Ambiente dieses kleinen Idylls bis heute erhalten geblieben ist. Die antiken Häuser wurden liebevoll im historischen Stil renoviert, auch das originale Kopfsteinpflaster ist geblieben, die Brücken über den kleinen Fluss sind dem klassischen Look der Umgebung angepasst.

Anlässlich eines Straßenfestes in dieser gemütlichen Gasse durfte ich mal an einer anderen Art der körperlichen Züchtigung infolge reichlichen Alkoholkonsums teilhaben… aber natürlich glücklicherweise nicht am eigenen Leibe.

Im Zuge dieser (wie sollte es auch anders sein) feucht-fröhlichen Party bei Musik der SOUNDBOX, amüsierten sich jedenfalls alle Anwohner der beschriebenen Straße fürstlich. Zeitweise herrschte sogar großes Gedränge auf der Tanzfläche. Und wie eigentlich immer, tummelten sich dort bestimmte Personen ununterbrochen, während sich andere lieber tanzscheu an der Theke herumdrückten. 

Schon eine ganze Zeit lang fiel mir ein außergewöhnlich aktiver Tänzer auf. Er ließ wirklich keinen Tanz aus und schien sich zum Ziel gesetzt zu haben, an diesem Abend wenigstens ein Mal mit jedem weiblichen Gast getanzt zu haben. Logischerweise war natürlich auch bei ihm reichlich Alkohol im Spiel.

Irgendwie hatte er seine Rechnung jedoch wohl ohne seine weibliche Begleitung gemacht – denn die hatte offensichtlich deutlich weniger Spaß an tanzender Bewegung und dem imponierenden Gehabe ihres „Provinz-Travoltas“

Nachdem sie ihn nämlich zunächst vom Barhocker an der Theke aus den Augenwinkeln nur mehr oder weniger unauffällig beobachtete, kehrte sie ihm und der Tanzfläche jedoch später sogar ziemlich demonstrativ den Rücken zu. Er deutete diese Geste allerdings fälschlicherweise wohl als einzigartige Möglichkeit, seine Tanzpartnerinnen beim Tanzen förmlich anzubaggern. Doch blieb das seiner mit spitzen Lippen am Getränk nippenden und immer finsterer drein blickenden Herzensdame auf dem Barhocker logischerweise nicht verborgen.


So bemerkte unser heißer Tänzer also nicht, wie sich ein Donnerwetter über ihm zusammenbraute - pünktlich zum Ende der Party ging die Bombe nämlich hoch. Die letzten Takte des SOUNDBOX-Outros waren noch nicht ganz verklungen, da wurde es laut am Rande der Tanzfläche. 

Wie eine Rachegöttin sprang die Dame nämlich nun von ihrem Pferd - dem Barhocker – und machte dem durchgeschwitzten Tanzsportler schrill zeternd deutlich, dass sie jetzt den Heimweg zum Geraderücken seines Kopfes nutzen werde.

Das Einladen meiner PA-Anlage in den Anhänger untermalten folglich wiederholte Einschläge ihrer Handtasche auf seinem Kopf. 

Diese groteske Geräuschkulisse ihres lauten Gezeters, das dumpfe Krachen ihrer Tasche auf seinem Kopf und als Ergebnis sein lallendes „AUAAA!“ hallten noch minutenlang durch die langsam wieder eintretende nächtliche Stille der beschaulichen Gasse.



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