<<Kapitel 5<<
Nebenbei war ich natรผrlich weiterhin mit meiner SOUNDBOX unterwegs. Und die Auftrรคge gestalteten sich ziemlich schnell nach dem Motto „Ordentlich oder gar nicht!“ oder „Nicht kleckern sondern klotzen!“
Der Veranstalter in der folgenden Geschichte kรผndigte jedenfalls telefonisch seinen Besuch bei mir zuhause an – was an sich schon auรergewรถhnlich war. Vorsorglich wollte er mich vorab persรถnlich kennenlernen. Sein Anliegen lieร dann mein Herz schlagartig hรถher schlagen: fรผr ein internationales Honda-Goldwing-Treffen wollte er mich als DJ.
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Ich dachte, mich fรผr diese Riesenparty auf dem Stadionsportplatz unserer Kreisstadt besonders rรผsten zu mรผssen. Das gigantische-Schรผtzenfestzelt lieร sich ganz sicher nicht mit meiner viel zu kleinen Anlage beschallen – also musste eine entsprechende PA-Anlage gemietet werden. Zusรคtzlich sorgte ich fรผr eine professionelle Lichtanlage.
Eine besondere Herausforderung bestand natรผrlich auch in dem zu erwartenden Musikgeschmack der Zielgruppe, die sich im รbrigen aus bis zu 1.300 Bikern zusammensetzen sollte. Es stellte sich mir daher logischerweise die Frage, nach welcher Musik diese harten Leder- und Kettenfreaks so richtig abgehen. Als DJ, der zumeist Menschen auf Familienfeiern zum Schwofen brachte, musste ich wohl unbedingt mein Repertoire dementsprechend erweitern. Schon Wochen vor dem groรen Event hockte ich also unermรผdlich an Tresen diverser Plattenlรคden und filterte potentielle Biker-Sounds aus dem meist umfangreichen Angebot. Irgendwann schien mir die gefundene Auswahl auszureichen, so sollte ich fรผr die bevorstehende Party gewappnet zu sein. |
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... nur ein Spaร zum Thema Goldwing von Gรผnter dem Treckerfahrer |
Am groรen Tag des Goldwing-Treffens baute ich die PA- und Lichtanlage in dem wirklich beeindruckend riesigen Zelt auf der Bรผhne auf und fรผhrte einen erfolgreichen Soundcheck durch.
Wรคhrend drinnen anschlieรend neutrale Hintergrundmusik lief, wimmelte es drauรen nur so vor chromblitzenden und dumpf grummelnden Motorrรคdern, viele mit fetten Beiwagen. Das Gelรคnde um das Feierzelt glich einem riesigen Zeltplatz – und รผberall coole Typen in rustikalen Lederklamotten mit zumeist verchromten Kettenapplikationen. | ||
So langsam fรผllte sich das Partyzelt und der Platz vor der langen Biertheke. Ich fรผhlte etwas Anspannung aufkommen. Nach ungefรคhr eineinhalb Stunden hatten sich schlieรlich sรคmtliche harte Bike-Camper auf der Tanzflรคche eingefunden und mein Auftraggeber erรถffnete die Veranstaltung.
Nach dem รผblichen Opening wollte ich nun also die Menge mit den frisch erworbenen Biker-Hits auf den hรถlzernen Dancefloor holen. Doch nach „Born to be wild“ oder „Sweet home Alabama“ rรผhrte sich rein gar nichts – nicht mal ein verstohlenes Tippen mit irgendeinem Fuร! Die Biker hielten sich stattdessen krampfhaft an ihren Bierglรคsern und der Theke fest. Es war zum Haare raufen. Die Mission schien schon vom Start weg als gescheitert.
Also musste schleunigst eine Strategie her… nur welche? Als DJ nur einen hilflosen Eindruck abzugeben reichte jedenfalls wohl kaum – ich รผberlegte angestrengt, was zu tun sei. Zunรคchst fiel mein Blick dabei immer wieder auf die Gรคste und es mir dann schlieรlich wie Schuppen von den Augen: na klar - der typische Eigner einer Honda Goldwing ist kein Halbwรผchsiger, der sich sein Motorrad-Hobby mรผhsam vom Mund absparen muss. Nein, beim genauen Hinsehen fiel mir nรคmlich auf, dass das durchschnittliche Partyklientel dieser Gesellschaft meist gutbetuchte Fรผnfzigjรคhrige waren – eine gepflegte Goldwing kostet schlieรlich immerhin locker den Preis eines Mittelklassewagens.
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Womit pflegte ich also gutbetuchte Fรผnfzigjรคhrige anlรคsslich anderer Feiern fรผr gewรถhnlich auf die Tanzflรคche zu locken? ... Genau!!! ...und tatsรคchlich: keine Minute spรคter drehten sich die ersten lederbekleideten Pรคrchen nach deutschen Schlagern wie „Die rote Sonne von Barbados“ und „Ibiza“ auf dem Parkett. So retteten „Die Flippers“ und „Ibo“ glรผcklicherweise diese Bikerfete. Im weiteren Verlauf benรถtigte ich lediglich in einer einzigen Tanzrunde einige meiner reichhaltig eingekauften Tontrรคger, deren Anschaffung hรคtte ich mir also - so gesehen - sparen kรถnnen.
Und diese Feier dauerte bis in die spรคte Nacht. Gรคste und Gastgeber zeigten sich im Anschluss hochzufrieden. So zufrieden, dass ich sogar als DJ fรผr die Tanzveranstaltung nach der Jahreshauptversammlung des Internationalen Honda-Goldwing-Clubs engagiert wurde. Demzufolge reiste ich mit meiner SOUNDBOX noch im gleichen Jahr zur Wewelsburg in die Nรคhe von Paderborn. Hinter meterdicken Burgmauern tanzten die Biker ein weiteres Mal nach ... – na, was wohl? | ||
"♫♪♪♫♪
(...)
Wenn weiรe Rosen blรผh'n,
und ich nicht bei dir bin,
dann trรคum' ich noch heute von dir. Die rote Sonne von Barbados, ja dieses Mรคrchen lรครt mich nicht los. Und wird die Zeit auch zu Ende geh'n, es war so schรถn."
♫♪♪♫♪
(... die letzten Zeilen von "Die rote Sonne von Barbados" von den Flippers, Mai 1986)
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>>Kapitel 7>>


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