<<Kapitel 3<<
Nur zum Verstรคndnis: die รberschrift ist ein altes schlesisches Sprichwort. "DRASCHA" bedeutet "dreschen" und kann generell auch als "arbeiten" verstanden werden. Aber zurรผck zur Geschichte: Ziemlich verzรถgerungsfrei รผbergab mir HH weitere Termine. Wie vereinbart, holte ich die Anlage dazu immer aus seiner Garage ab und lieferte sie natรผrlich nach meinem Auftritt brav dort auch wieder ab. |
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Auรerdem erhielt HH regelmรครig nach einem Gig das fรผr diese Nutzung ausgemachte Entgelt. Wir hatten zuvor gemeinsam entschieden, genauso bis zur endgรผltigen Bezahlung der Anlage vorzugehen.
Als ich mich dann mal etwas daran stรถrte, dass ich auch bei Terminen in die vollkommen entgegengesetzte Richtung erst immer die PA-Anlage aus seiner Garage, immerhin gute 20 Kilometer von meinem Zuhause entfernt, abholen musste, bot mir HH groรzรผgig an, die Sachen in meiner eigenen Garage unterstellen zu dรผrfen. Er wollte sich halt nur darauf verlassen kรถnnen, dass ich ihm nach meinen Auftritten immer die „Leihgebรผhr“ fรผr die Anlage entrichte. Ich war sehr froh รผber dieses Angebot und versprach ihm einen ehrlichen Umgang mit dem in mich gesetzten Vertrauen. Mit dieser Regelung verging einige Zeit. Das Geschรคft kam dank der Termine von HH gut in Fahrt.
Wรคhrend unserer Feier machte HH jedoch seltsamerweise einen eher kraftlosen, mรผden Eindruck. Irgendwann erschien sogar seine Freundin hinter der Anlage auf der Bรผhne – die Haare auf Sturm, das Gesicht ungeschminkt und grau. Sie setzte sich zu HH und strahlte ebenso wenig Elan und Energie wie ihr Freund aus.
Als wir HH ein paar Tage spรคter auf seine ungewohnt schlaffe Rolle als DJ unserer Hochzeitsfeier ansprachen und auch um eine Erklรคrung fรผr den ungeplanten und ungeladenen Auftritt seiner Freundin baten, musste er wohl Farbe bekennen. Ihm habe es angesichts des voraussichtlich entgeltlosen Auftritts an Motivation gefehlt. Und auf anderen Feiern habe seine Freundin trotz allem sogar schon mal den einen oder anderen Blumenstrauร bekommen, auch wenn sie dort plรถtzlich uneingeladen aufgetaucht sei.
Wรคhrend HH mit einer solch unverschรคmten Bemerkung natรผrlich unseren Zorn auf sich zog, schlug er anschlieรend der Sache eine noch niedertrรคchtigere Krone ins Gesicht. Angesichts dieser fรผr ihn aussichtslosen Konfrontation, behauptete er nun schnoddrig, dass ich eigene Musiktermine mit der mir zur Verfรผgung stehenden PA-Anlage wahrnehme, ohne ihn davon in Kenntnis zu setzen und zu alledem auch fรผr diese "heimliche" Nutzung nicht zahle.
Gerade weil ich wusste, wie unsachlich und grundlos dieser Vorwurf war, empรถrte er mich besonders. Ich konnte mir in diesem Moment nur zu gut vorstellen, dass HH selbst zu solchen Handlungen fรคhig wรคre – wie sollte er sonst auf derartige Ideen kommen? Mein Vertrauen in HH war jedenfalls grรผndlich zerstรถrt. Deshalb beendete ich auch augenblicklich unsere Zusammenarbeit. Hรคmisch prophezeite er mir, dass ich sicher ohne seine Vermittlung kaum mehr zu Musikterminen kommen wรผrde. Doch auch dieser impertinente Versuch, mich zu demรผtigen, prallte wirkungslos an mir ab. An dieser Stelle musste HH mir nun lediglich noch sagen, welchen Betrag er zur Auslรถsung meiner Anlage forderte. Ich hatte zwar momentan noch keine Idee, wie ich diese Summe aufbringen sollte – aber es wรผrde sich sicher schnell ein vernรผnftiger Weg finden. Und richtig - wenige Tage spรคter gehรถrte mir die Anlage allein - HH und ich gingen fortan getrennte Wege.
Jedoch sollte er mit seiner dreisten Behauptung KEIN Recht behalten – denn mein Terminkalender fรผllte sich auch ohne seine Hilfe kontinuierlich mit Musikterminen. Noch im selben Jahr der geschรคftlichen Trennung von HH konnte ich respektable Zuwรคchse verzeichnen, verdiente also gutes Geld. Und das, obwohl ich zu jener Zeit ja eigentlich studierte.
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Apropos Studium: ich hatte mich damals an einer katholischen Fachhochschule fรผr den Fachbereich Sozialwesen mit dem Ziel des Diplom-Sozialpรคdagogen immatrikuliert. Zunรคchst gefiel mir dieses Studium auch sehr gut. Bei der feierlichen Einfรผhrungsveranstaltung empfahl der Direktor, dass jeder Student dieses Jahrgangs mรถglichst bald sein eigenes Profil entwickeln mรถge. Offensichtlich ahnte er wohl bereits, zu welchen Persรถnlichkeitsentartungen insbesondere Sozialpรคdagogik-Studenten neigen kรถnnen.
Und so sollte auch ich es binnen des ersten Semesters an meinen Kommilitonen erleben. Kaum liefen die ersten Vorlesungen, lernte man natรผrlich auch die Art und das Wesen der durchfรผhrenden Professoren kennen. Das Gros meiner Kommilitonen hatte in Bezug auf „eigenes Profil“ aber offensichtlich keine besseren Ideen, als diese Hรถrsaal-Heroes zu kopieren. Sie redeten und gestikulierten fortan auffallend intellektuell. Ich entzog mich mental diesem einfallslosen Herdentrieb, wurde - mal wieder - zum Einzelkรคmpfer. |
Obwohl mir Fรคcher wie beispielsweise Psychologie und Pรคdagogik durchaus groรen Spaร bereiteten und ich dort sogar gute bzw. sehr gute Ergebnisse erzielte, reichte meine Leistung unterm Strich jedoch nicht aus. Mein Leidensweg wurde zudem unbewusst durch den Druck und Willen meines dominanten Vaters bestimmt. Nach jahrzehntelangem, schwerem Martyrium habe ich jedoch inzwischen erkannt, dass der wichtigste Antrieb zum Erfolg ausschlieรlich die eigene Motivation ist. Als ich also anfing, meine Wege selbst zu bestimmen, stellten sich auch endlich Erfolge ein. Das passierte aber erst lange nach meiner Studentenzeit.
Doch auch aus einem anderem Grund wurde ich selbststรคndiger und erwachsener. Denn es stellte sich heraus, dass ich bald Vater werden sollte. Auf diesen neuen Lebensabschnitt wollte ich mich natรผrlich einigermaรen vernรผnftig vorbereiten. Eine der Maรnahmen zur รbernahme der anstehenden Verantwortung, war die Suche nach einer regelmรครigen Einnahmequelle als DJ. Bis zu vier Mal wรถchentlich legte ich daher bald in einer Discothek im benachbarten Landkreis Cloppenburg auf.
>> Kapitel 5 >>
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26 Februar 2015
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