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26 Januar 2015

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<< Kapitel 2<<





Plรถtzlich stand das Wochenende vor der Tรผr, an dem ich nun meinen ersten Auftritt haben sollte. Und ich musste zum ersten Mal erleben: so fรผhlte sich also echtes Lampenfieber an.

Da war schon ein seltsam dumpfes Gefรผhl in der Magengegend und mir gingen immer die gleichen Fragen im Kopf herum: werde ich das hinkriegen? Wird der Gastgeber zufrieden sein? Wird es mir gelingen, die Gesellschaft zum Tanzen zu bringen? Habe ich die passende Musik dabei? Wird mir etwas am Mikrofon einfallen?

Schon frรผh war ich mit meinem schwer beladenen Renault R4 an der Gaststรคtte vorgefahren. Der freundliche Wirt zeigte mir, wo gefeiert werden sollte, wo ich meinen Strom herbekommen konnte und welchen Platz man fรผr mich und meine Anlage vorgesehen hatte. FleiรŸig trug ich also mein gesamtes Equipment herein, baute auf, schloss an und „fuhr“ meinen ersten eigenen Soundcheck. Nun konnte es endlich losgehen.

Die erste LP lief leise im Hintergrund. Die ersten Gรคste trafen ein, langsam fรผllte sich der Saal. Irgendwann begab man sich zu festlich gedeckten Tischen. Es wurde aufgetragen, gegessen und getrunken. Auch ich durfte Platz nehmen und tafelte mit meinem zukรผnftigen Publikum. Dabei konnte ich es gleichzeitig schon ein wenig studieren: „wonach werden diese Herrschaften denn wohl gleich tanzen wollen?“

Nach dem Essen versammelten sich erstmal alle Gรคste an der Theke – was logischerweise eine gรผnstige Konstellation fรผr jeden Musiker darstellt. Das Publikum STAND bereits – da war es allein von der Kรถrperhaltung her nicht mehr weit bis zum Tanzen - obendrein waren es ja auch nur noch wenige Schritte bis zur Tanzflรคche.

Doch man wollte sich bei Bier und Schluck noch etwas unterhalten... der Alkohol brauchte noch etwas Zeit, um vom Kopf bis in die Beine und FรผรŸe zu gelangen. Der Countdown lief aber. Und plรถtzlich stand dann der gastgebende Vorstand tatsรคchlich vor mir und forderte: „So DJ, dann hau mal rein. Wir wollen tanzen!“


Meinem Adrenalinschub folgend, trat ich also hinter meine Plattenspieler und das Mischpult und „fuhr ab“. Zum ersten Mal im soeben begonnenen Leben der SOUNDBOX und meiner Laufbahn als Discjockey erklang „Dragon's Legend“ von Koto und ich trug dazu meinen vorbereiteten Text vor – die rechte Hand „fadend“ am Schieberegler des Mischpults fรผr den Plattenspieler, die Linke am Mikrofon.

„Eine Feier ohne Musik – das wรคre wie Bier ohne Schaum. Deswegen hier und heute live im Landgasthaus Koch in Brockum: die SOUNDBOX...

Trotz meiner enormen Aufregung merkte ich, wรคhrend ich mich da so an Mikrofon und Mischpult festklammerte und zu meinem Publikum sprach, dass mir die Meisten aufmerksam zuhรถrten und sogar an den gewรผnschten Stellen lachten. Mein Konzept schien also glรผcklicherweise aufzugehen. Der erste Schritt war getan... und er schien erfolgreich.

Nach meinem geglรผckten Opening drehten sich schlieรŸlich sรคmtliche Gรคste im Takt der Musik auf der Tanzflรคche. Also hatte ich fรผr diese Erรถffnung wohl auch den richtigen Titel ausgewรคhlt. Das trotz der lauten Musik deutlich vernehmbare Schieben und Schaben der tanzenden Schuhe auf dem Parkett war in diesem Moment fรผr mich das schรถnste Gerรคusch der Welt.

Doch der Blick auf den sich drehenden Plattenteller des Turntables mahnte jetzt, sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen – die Rille war bald am Ende und eine passende AnschluรŸscheibe musste unbedingt her. Die Teilnahme aller Gรคste am Erรถffnungstanz gleicht schlieรŸlich einer gesellschaftlichen Verpflichtung – der Wille zur Fortfรผhrung ihrer Tanztรคtigkeit nimmt danach jedoch rapide ab. Nur ein ausdruckstarker nรคchster Titel hรคlt die Tanzenden vom Verlassen des Parketts ab.

Ich weiรŸ heute nicht mehr, welche Titel ich bei meinem ersten Auftritt auswรคhlte. Entscheidend war aber, dass ich, wie auch die Gรคste, mit der ersten Tanzrunde sehr zufrieden sein konnte.

Im weiteren Verlauf dieses Abends bewiesen die Gรคste, allesamt FuรŸballer nebst Partnerinnen, allerdings zunรคchst, dass sie nicht besonders viel von tanzender Bewegung hielten. Ihr Interesse galt eher alkoholischen Getrรคnken und lautstarken Gesprรคchen vor der Theke. Obwohl ich DJ mir alle Mรผhe gab und wirklich extrem tanzbare Vinyls auflegte, prรคsentierten besonders die Mรคnner der Tanzflรคche lieber den Rรผcken.

Dennoch zeigte meine Musik Wirkung. Es dauerte nicht allzu lange und ich konnte beobachten, wie die weiblichen Begleitungen zunรคchst den Takt mit den FรผรŸen und dann mit den Hรผften mitwippten. Den Tanzaufforderungen der Damen gehorchten die bierstemmenden Herren aber natรผrlich nicht. So versammelte sich schlieรŸlich eine Schar tanzwilliger Frauen auf der Tanzflรคche. Und sie rockten nun den Gasthof. Ich spielte wohl drei Tanzrunden ohne Pause.

Die Stimmung war groรŸartig! Doch ich wollte die Chance auf ihre ansteckende Wirkung (auf die "bequemen" Herren der Schรถpfung) nicht verspielen, wollte den SpaรŸ nicht รผberziehen. Ich hatte nun die Frauen auf meiner Seite, musste ihnen allerdings eine dringend nรถtige Pause gรถnnen. Ich hoffte, dass ihre Euphorie den einen oder anderen Mann in der nรคchsten Tanzrunde mit auf den Dancefloor spรผlen wรผrde. Und genau diese รœberlegung erwies sich als goldrichtig. Bereits nach den ersten Takten bewegte sich nun der รผberwiegende Teil ALLER Gรคste tanzend im Takt meiner Musik.

Diese erste Feier mit der SOUNDBOX endete irgendwann in den frรผhen Morgenstunden mit verschwitzten Gรคsten und natรผrlich einem frischgebackenen aber glรผcklichen Discjockey. Es war ein wirklich gelungener Einstand und ich war auch ein bisschen stolz darauf, dass ich offenbar die Gabe habe, mein Publikum zu verstehen und entsprechend seines Verhaltens eine dazu passende musikalische Unterhaltung zu gestalten. Aber ich spรผrte auch, dass es noch Vieles zu lernen gab.

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