05 September 2012

Estate in Sicilia – so fühlt sich Sizilien bis Ferragosto an

Die eigentliche REISE in den sizilianischen Sommer gehört bei uns irgendwie zwingend zum Urlaub. Andere würden das modisch mit den Worten “Der Weg ist das Ziel” beschreiben. Ohne diese anstrengende Überwindung von immerhin über 2.500 Kilometern wäre unser Urlaub unvollständig. Oder anders: unser Ziel verdienen wir uns hart durch die weite Fahrt. Wir erarbeiten es uns förmlich! In diesem Teil unserer Urlaubsgeschichte haben wir den ersten, kilometerfressenden Part bereits hinter uns – haben die für drei Wochen angemietete sizilianische Landscholle heil und unversehrt erreicht.
Ein alter Brauch: in der Nacht der Ankunft MUSS im Meer gebadet werden
Welch faule Ausrede: "Das Wasser ist zu kalt!"
Nachdem wir das Auto entladen haben, folgen wir der netten Einladung unserer lieben Freunde. Sie haben uns zu Ehren extra einen reichhaltigen Willkommensschmaus sizilianischer Küche hergerichtet. Wir speisen bei immer noch 28°C draußen, mittlerweile stehen Tausende von Sternen am Himmel. Gegen Mitternacht machen wir uns auf den Weg nach Lido Fiori, dem Strandbereich von Menfi. Während ich einem alten Familienbrauch folgend trotz nächtlicher Dunkelheit im warmen Meerwasser bade, fotografiert Stiefsohn Marcel die Milchstraße, die sich hier auffallend gut sichtbar präsentiert. Irgendwann gegen zwei Uhr fallen wir todmüde in unsere Betten.
Und wiedermal ist der Traum von Sizilien
wahr geworden
Auf der Mauer, auf der Lauer ...
Bertolino ... weniger frequentierter Steinstrand

Das Wasser hat 31°C und ist kristallklar

Seltener Anblick: Wolken

Einsamer Strand

... ohne Worte - einfach nur schön

Heimat für drei Wochen: das kleine, flache Häuschen in der Bildmitte.Im Hintergrund das Meer bis zum leicht dunstigen Horizont.

Bei der Fahrt durch die hügelige Landschaft zwischen den Weinreben, Oliven- und Mandarinen-, Apfelsinen-, Mandel-, und Feigenbäumen fällt mir in diesem Jahr schnell etwas sehr Erstaunliches auf: Sizilien arbeitet erfolgreich an seinem Müllproblem. Es sind keine wilden Ablageplätze mehr zu finden, die früher wahllos herumstehenden meist übervollen Container sind fort.
Ein ganz neues Müllgefühl - die Müllcontainer stehen nur noch in diesem Jahr an der Straße. Vor Jahren flog der Müll in einem Umkreis von mehr als 50 Metern herum.

Auf Nachfrage erfahre ich, dass die Bevölkerung sogar seit etwa einem Jahr ihren Müll trennen muß – das macht sie natürlich murrend und widerwillig (war das bei uns damals anders?). Man war damals auf Sizilien fassungslos, als wir mal von dieser Vorgehensweise in unserer Heimat berichteten. Trotzdem war eine italienische Entscheidung in diese Richtung längst überfällig – das schöne Sizilien (eigentlich ganz Italien) erstickte im Müll! Hoffentlich hält das neue Müllbewusstsein lange an. Die neue Sauberkeit fällt sehr angenehm auf!
Neue Zeiten ... nicht unbedingt schönere

Dieses neue Selbstbewußtsein hat aber auch seine anderen Seiten. Die Gegend verfügt über wirklich traumhafte Strände und kristallklares Wasser. Die Zahl der Menschen, die jeden Sommer ihren Urlaub hier verbringen, steigt daher kontinuierlich. Die freie Marktwirtschaft regelt natürlich auch hier das Angebot und die Nachfrage an Unterkünften, Parkplätzen und vielen anderen Sommerurlaubswirtschaftsgütern. In einigen Fällen wird aber sofort Geldgier spürbar: z.B. 3,-EUR für einen staubigen und kippeligen PKW-Parkplatz, der eigentlich sinnvoller mit Allrad zu befahren wäre. Statt dessen befiehlt mir ein braungebrannter, in eine riesige Staubwolke gehüllter, oberwichtiger Badelatschen-Salvatore per Trillerpfeifenstakkato und wilder Flugplatz-Follow-Me-Gestik, wo ich seiner Meinung nach auf diesem unwürdigen Naturacker die Triebwerke unseres Audi zum Stillstand zu bringen habe. SOWAS kann ich ja gut haben!!! Kurz entschlossen muss ich ihn leider mit den Auswirkungen meiner Ignoranz in der unerträglichen Hitze des Staubballs allein Amok trillern lassen und parke schließlich DA, wo es MIR passt – weit vorn, am Strand … das verlange ich wenigstens für 3,- EUR!
Inspektor Clouseau auf italienisch ... und auf Abgreiftour

Es gibt (wir haben die für uns erreichbaren Möglichkeiten an einem Strandabschnitt von ca. 30 Kilometern extra abgesucht) jedenfalls keine einzige Stelle mehr, an der man sein Auto kostenlos abstellen kann. Als ich Menfi vor 23 Jahren “entdeckte”, kam man überall problem- und kostenlos mit dem Auto an den Strand. Damals hatte mir irgendein Sizilianer mal gesagt “Das Meer gehört allen …” … na ja – die Zeiten haben sich wohl geändert.
Eingeladen
Am 15. August ist Ferragosto, ein typischer italienischer Feiertag. Eigentlich fällt er zufällig mit dem katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt zusammen, geht aber auf feriae Augusti, dh. die Augustferien zurück. Es ist ein antiker Brauch nach der harten Arbeit auf dem Felde unter größter Hitze der vorhergehenden Monate. Traditionell nutzen die meisten Familien, wenn sie nicht sowieso im Urlaub sind, diesen Tag für einen Ausflug ans Meer. Am Abend vorher findet um Mitternacht ein Feuerwerk über dem Meer statt. Bis in den Morgen wird am Strand gegessen, getrunken, getanzt und natürlich gebadet – es herrscht eine sehr ausgelassene Stimmung. Einige Familien übernachten am Strand sogar in ihren Zelten. Auch wir und unsere Freunde waren Gäste dieser Feierlichkeit – saßen aber leider im Phonbereich eines einheimischen DJs … der weder Ahnung VON noch Talent FÜR sein Werk hatte. Musikauswahl und Lautstärke ließen uns nicht länger als bis 1.30 Uhr durchhalten.
Tanzgesellschaft am Strand

Ein ganzes Volk badet nachts!

Essen, Feiern, Trinken - aber keinen Alkohol ... der ist hier nicht "in"

Wir sind mittendrin statt nur dabei

Italiener LIEBEN Feuerwerk!

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