Sonntag, 28. Oktober 2018

Oily REDSTAR - das Jahr im Kampf gegen die Öltrunksucht

In Italien ist unser REDSTAR schon fast wie zuhause
Ja, es war hier im Blog sehr still geworden um den REDSTAR in der Saison 2018. NEIN - WAR ES NICHT!... ich versuche, es mal verständlicher auszudrücken: ICH habe es hier still um ihn werden lassen. Warum? Hm... ehrlich gesagt bin ich ziemlich genervt. Das lässt sich freilich begründen. Und zwar ganz einfach und wohl auch nachvollziehbar: in diesem Jahr stand der Multivan hauptsächlich in der Werkstatt. Und immer, wenn ich dachte, es ist alles in Butter und der Wagen läuft wieder störungsfrei, dann kam es knüppeldicke.

Das letzte Mal, als ich vom REDSTAR berichtete, war, als der frisch implantierte Motor im Sizilienurlaub Unmengen von Öl verschlang.

Der Morgen danach... nach der Entdeckung der Öl-Trunksucht... in Ascona am Lago Maggiore
Trotzdem gelang es, unseren waidwunden T3 wieder wohlbehalten in heimatliche Gefilde zu bugsieren. Auf den restlichen dreihundert Kilometer fuhr ich mit dem K 70 auf der Autobahn hinter dem von Olivia gelenkten Bulli her und kämpfte stets mit einem grausamen Kratzen im Hals. Es war zwar ansonsten äußerlich kaum erkennbar, aber er verwandelte sein Motoröl in sicherlich wenig gesundes Abgas, das die Atemwege der Hinterherfahrenden reizte. Irgendwann fragte Olivia während der Fahrt per Handy an, wo ich denn bliebe - ich hielt reichlich Abstand zum Bulli... sie dachte hingegen, ich sei hinter ihr irgendwo liegengeblieben.
... noch im Hunsrück beim K 70-Treffen - hier im BurgStadt Camping Park in Kastellaun

Nur wenige Tage später gaben wir unser Fahrzeug in genau der Werkstatt ab, die im letzten Winter den Motorumbau durchgeführt hatte. Diese fand schließlich heraus, dass der seinerzeit verbaute gebrauchte Turbolader das Zeitliche gesegnet hatte und beim Ausbau einer triefenden Ölsardine glich. An ihm wurde die komplette Rumpfgruppe erneuert und alles wieder ordnungsgemäß zusammengebaut. Nach einigen üblichen Einstellarbeiten und ausgiebiger Testfahrt schien das Öldesaster beendet.
Als einer von einhundert ausgewählten Bullis: Teilnahme am "Jump the bus"- Bulli-Konvoi durch Wolfsburg.

Hier als Video: wir sind ab etwa 1:40 bis 1:54 zu sehen.

Ein paarWochen später ging es ein weiteres Mal auf große Fahrt. Wir hatten Freunde in Willersbach an der Donau in Österreich als Ziel. Vorher wurden im guten Glauben jedoch nahezu alle sizilianischen Motorölvorräte aus dem Fahrzeug geräumt.

Die Fahrt ging natürlich quer durch Deutschland. In der Nähe von Würzburg stoppten wir an einem Supermarkt. Während ich im Auto wartete, kaufte Olivia dort ein. Die Zeit nutzte ich, um nach dem Motorölstand zu schauen. Und was soll ich sagen? Mich traf fast der Schlag: schon wieder blieb der Ölpeilstab trocken. Ich kochte vor Wut! Wo war schon wieder das ganze Öl geblieben? Warum lief der Motor immer noch nicht einwandfrei? Mein Unmut entlud sich augenblicklich in einer stinksauren Whatsapp-Nachricht an unsere Werkstatt. Hatte KFZ-Meister Jürgen mir nicht versprochen, dass wir sehr zufrieden, ja sogar ein bisschen begeistert sein würden von diesem Motor? Stattdessen gab es seit des Motorumbaus im letztem Winter nur Ärger mit dem Fahrzeug.

Die zwei Liter, die wir noch an Motoröl dabei hatten, ergossen sich jetzt in den Motor. Damit kamen wir glücklicherweise auch noch bis ans Ziel unserer Reise. Inzwischen nervte es jedoch enorm, beim Fahren ständig mit der Öldruckkontrolleuchte rechnen zu müssen. Dann wäre augenblickliches Handeln wichtig gewesen: sofortiges Anhalten und Motor aus! Anderenfalls wäre es möglicherweise zu einem kapitalen Motorschaden gekommen. Dank der umsichtigen Fahrweise ist uns das glücklicherweise erspart geblieben.
Mal wieder unter Sorgen am Ziel angekommen: Willersbach an der Donau
In Österreich angekommen bat mich die heimische Werkstatt zu einem klärenden Telefonat. Jürgen versprach mir dabei, dass er den Motor bei unserer Heimkehr nochmal auseinander nehmen werde. Er hatte inzwischen mit seiner "Quelle" - dem Schrotthändler, dem er den Motor abgekauft hatte - verhandelt und den Kaufpreis komplett erstattet bekommen. Er vermutete, dass der Motor im Lager des Schrotthändlers mit Feuchtigkeit in Kontakt gekommen war und daher innerlich Schaden genommen hatte. Der Meister spürte meine tiefe Unzufriedenheit und betonte mehrfach, wie peinlich ihm die Situation inzwischen sei. Noch nie wäre es beim Umbau auf AAZ-Motor zu solchen Problemen gekommen... DAS sei das erste Mal!
Bei Franzi & Konrad

Wir besorgten uns in Österreich fünf Liter Motoröl und schafften damit die Heimreise. Kurze Zeit später stand der REDSTAR wieder vor der Werkstatt. Es vergingen wieder einige Wochen, bis die Werkstatt Zeit hatte, sich um unseren kränkelnden Multivan zu kümmern. Kurz vor Ende der Saison kam dann endlich heraus, dass die Ölabstreifringe des dritten und vierten Kolbens wohl mal fest gewesen sein müssen - sprich angerostet waren. In der weiteren Folge arbeiteten sich die Nuten aus, in der die Ölabstreifringe gehalten werden. Dadurch "pumpten" sie zunehmend Öl in den Motor - das dort natürlich verbrannt wurde. Daher auch der unübliche Abgasgeruch nach verbranntem Öl - das Kratzen im Hals beim Hinterherfahren. Anfangs überdeckt durch den defekten Turbo... so addierten sich zwei Fehler.
Ich mag gar nicht zählen, wieviele Wochen der REDSTAR in diesem Jahr vor dieser Werkstatt stand. 
Zwischendurch haben wir ihn mal mit dem Cabrio besucht.
Wusel, wusel... tja - so sieht's aus!

Ende Gelände!
Die Herrschaften sind raus! 
Ihre Zeit als Teile unseres Motors ist endgültig vorbei!

Kolben Nummer 3 und 4 haben das ölige Saufgelage verursacht. 
Jeweils der untere Ölabstreifring hat die Nut, in der er sitzen sollte,
geweitet - und so den Öldurst verursacht.
Nur so: Kolben von oben - die Vertiefungen
sollen eine bessere Verwirbelung beim 
Einspritzen (und daher eine gleichmäßigere
Verbrennung) bewirken.

Um zu einer einwandfreien Basis zu gelangen, werden nun vier nagelneue Kolben montiert und die Zylinderwände gehont (d.h. vorsichtig abgedreht... obwohl sie augenscheinlich riefenfrei sind). Dann sind wir hoffentlich endlich an dem Punkt, an dem wir schon vor einem Jahr gern gewesen wären. Die Hoffnung stirbt zuletzt... hoffentlich nicht!

Momentan ist der Spaß am Bullifahren jedenfalls arg überschattet - das ganze Jahr ist bullipraktisch blöd gelaufen. Aus dem Tief müssen wir erstmal wieder herauskommen. Um obendrein die Umweltbilanz von fast 15 Litern Motoröl auf das ganze Jahr auf knapp 8000 Kilometer wieder auszugleichen, darf der demnächst hoffentlich einwandfrei funktionierende AAZ-Motor erstmal (am besten) gar nichts mehr verbrauchen. Wir werden sehen.

Kommentare:

  1. Ja die alten Autos. Meins hat in den letztem Jahr auch mehr Probleme gemacht als in den 10 Jahren vorher. Leider wurden Fehler falsch erkannt und falsche Teile ersetzt. Auch ein gebrauchtes nicht günstiges Ersatzteil hat ziemlich schnell wieder seinen Dienst versagt. Aber so ist es eben mit dem Altblech...

    AntwortenLöschen
  2. ... andererseits: haste ein neues Auto, kann es Dir genauso ergehen. Ich hoffe jetzt mal ganz inständig, dass das Motorproblem endlich abgehakt werden kann. Danach sind wir dann wieder offen für andere Macken - irgendwas ist ja immer. Das hört nie auf!

    Na gut - wie Du schon sagtest: die alten Autos halt!

    AntwortenLöschen
  3. Toi, toi toi, kann ja nicht ewig nur bergab gehen. Mit dem dritten fährt man besser!

    AntwortenLöschen