Mittwoch, 26. August 2015

Meine DJ-Biografie - Kapitel 10: KAMPF OHNE DJ














So treibt der im vorangegangenen Kapitel erwähnte Alkoholkonsum natürlich manchmal auch sehr groteske Blüten. Baten mich Gäste eines Geburtstages doch tatsächlich mal, aktiv in eine Prügelei einzugreifen. 

Und das kam so: bereits während des mehrgängigen und gut zweistündigen Festmenüs floss der Alkohol in Strömen. Beim bald folgenden Ehrentanz waren daher einige Feiernde auch schon sichtlich angeschickert. Doch Alkohol löst bekanntlich nicht nur Zunge und Gleichgewichtssinn – es lässt zudem die Hemmschwelle, in diesem Fall beim Tanzen, sinken. Der hohe Alkoholpegel der Tanzenden verhalf mir DJ also zu einer „vollen“ (… mir ist die Doppeldeutigkeit durchaus bewusst und ganz recht) Tanzfläche – die Stimmung war wirklich bombig!

In den kurzen Tanzpausen genoss man logischerweise wieder die üblichen Alkoholitäten… übrigens natürlich auch „Ströher Schwarten“. Dieses Wechselspiel zwischen Tanzrunden und Tanzpausen zog sich so über ein paar Stunden hin. Der kontinuierlich ansteigende Alkoholpegel machte es mir als DJ wirklich leicht, die Gäste nach den Pausen immer wieder vor die Lautsprecher der SOUNDBOX zu locken.

Irgendwann fiel mir in der Menge ein Gast auf, der sich offensichtlich mit einem Anderen stritt. Mit hochrotem Kopf (sicherlich auch eine Folge des „Ströher Schwarten“-Konsums) und vom Schweiß des Tanzens wild ins Gesicht hängenden Haaren, stieß und schubste er seinen Gegner herum. Wenig später flogen sogar die Fäuste - ich konnte eine geplatzte Augenbraue erkennen, ein Hemdkragen riss und wurde mit Blut getränkt. Plötzlich bildete sich um den Störenfried eine Traube von Menschen. Trotz allgemeinen Verlustes der Muttersprache schrien alle durcheinander und versuchten den aggressiven Gast im Zaum zu halten. Die eben noch so ausgelassene Stimmung schlug innerhalb weniger Sekunden in Angst und Chaos um.

Ich reduzierte sofort die Lautstärke der Musik – jetzt tanzte sowieso niemand mehr. Zunächst sah es noch so aus, als könnte die Gesellschaft den Hahnenkampf eindämmen – doch schließlich wurde die Auseinandersetzung draußen weitergeführt - härter und unnachgiebiger als zuvor. Jemandem wurde dabei tatsächlich das halbe Ohr abgerissen, es gab auch ein blaues Auge, Blut an der Faust, die dem offenbar Streitsüchtigen eine reinhauen wollte, aber nur dessen Zähne getroffen und daran geschnitten hatte, weinende Frauen, wütende Männer.


Eine der weinenden Frauen flehte mich an, einzugreifen und erklärte: der Bruder des Geburtstags“kindes“ hätte wohl offensichtlich den vielen Alkohol nicht vertragen… er sei eh Alkoholiker! Ich stutzte: „Er ist waaas?“ „Alkoholiker!“ Ich war fassungslos. „Obwohl ihr das wisst, habt ihr ihn Alkohol trinken lassen?“ fragte ich ungläubig. Jetzt wurde mir klar, was hier gerade passierte. Und für mich war in diesem Moment auch klar, dass ich hier ganz sicher nicht eingreifen werde. 

Also erklärte ich der heulenden Dame, dass ich ein absolut friedfertiger Mensch sei und mich noch nie in meinem ganzen Leben mit irgendjemandem geprügelt habe… und das ganz sicher auch hier und zu diesem Anlass nicht zu ändern bereit bin. Ich sei an diesem Tag einfach nur als Discjockey engagiert... aber nicht als Kindergärtner… denn den brauchte die besoffene Meute wohl offensichtlich eher. „Jetzt stell‘ dir mal vor, euer Alki wacht morgen früh auf… und das einzige, woran er sich gerade noch erinnern kann ist, dass der DJ ihm eine verpasst hat! Nein, das könnt' ihr nicht von mir verlangen!“ gab ich ihr zu bedenken. „Das Einzige, was ich jetzt mache ist, dass ich unverzüglich meine Sachen packe und mein Geld haben möchte – HIER IST JETZT FEIERABEND!“ Der Saal war leer – die komplette Gesellschaft prügelte sich draußen – die Stimmung war sowieso total im Eimer…

Abgelenkt vom blutigen Kampf der Gladiatoren haben die meisten Gäste dieser illustren Runde sicherlich nicht mal mitbekommen, wie die SOUNDBOX „die Biege“ machte.


Kommentare:

  1. Ist alkohol nicht was tolles!

    Ich finde gegen die garstigen Drogen wie Hasch sollte noch viel aggressiver vorgegangen werden!

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