Samstag, 29. März 2014

Geschichte eines Bullitypen - Teil 4

Totgeglaubte leben länger – Spirit and Myth of my Bullifeeling

oder: Erstens kommt es anders... und zweitens als man denkt







2012: Großer Zapfenstreich nach nur 19 Monaten für den wegen einer Kredit- und Medienaffäre in massive Kritik geratenen Bundespräsidenten Christian Wulff. 30 Tage später wird der parteilose Joachim Gauck von der Bundesversammlung zum elften deutschen Bundespräsidenten gewählt.

Die Europäische Union erhielt den Nobelpreis für Frieden „für über sechs Jahrzehnte, die zur Entwicklung von Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten in Europa beitrugen“. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen rief zum „Jahr der Fledermaus“ auf. Der Hirschkäfer war "Insekt des Jahres" und die Dohle "Vogel des Jahres".
Der Österreicher Felix Baumgartner stellte mit seinem Sprung aus der Stratosphäre mehrere Rekorde auf: höchster bemannter Ballonflug (39.045 Meter), Freifall (4:20 Minuten), Freifalldistanz (36.500 Meter) und Fallgeschwindigkeit (1.342,8 km/h – Schallgeschwindigkeit).

Biene Maja feierte ihren einhundertsten Geburtstag, eine der letzten großen deutschen Samstagabendshows, "Wetten-dass?", wurde erstmalig durch Markus Lanz moderiert - Thomas Gottschalk hingegen ging gemeinsam mit Michelle Hunziker in die Jury von RTL's Castingshow "Das Supertalent". Die Toten Hosen feiern ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum.
Ein deutscher Wissenschaftler entdeckte, dass eine mysteriöse Maya-Inschrift keinen Hinweis auf die Apokalypse enthielt - weshalb der Weltuntergang demzufolge doch nicht stattfand. Für die US-amerikanische Sängerin Whitney Houston, den deutschen Schauspieler Günther Kaufmann, den schweizer Fernsehmoderator Kurt Felix, den britischen Sänger, Komponisten und Texter Robin Gibb sowie den ersten Menschen auf dem Mond (“That’s one small step for man… one… giant leap for mankind.") Neil Armstrong und den deutschen Schauspieler und Komiker Dirk Bach ist dieses Jahr dennoch das letzte ihres irdischen Seins.
Es gab in Deutschland nahezu 52. Millionen zugelassene Kraftfahrzeuge, darunter 43.Millionen Pkw. Deren Durchschnittsalter stieg auf 8,5 Jahre. Bundesverkehrsminister Ramsauer krempelte das Punktesystem und den Bußgeldkatalog um. 

Mit 2,2 Millionen Einheiten führte Renault/Dacia die Rangliste der Importeure in Deutschland an. Opel feierte sein 150-jähriges Bestehen. Audi verpasste seinem Modell A1 zwei weitere Türen, Ford verzichtete beim B-Max auf eine B-Säule, Mercedes startete in der Kompaktklasse ganz neu. Mit dem Mii baute Seat einen Ableger des VW Up - darauf basierte der Skoda Citigo, aber mit einem eigenständigen Gesicht. Der neue Golf 7 legte bei Länge und Radstand leicht zu und dokumentierte die neue Größe auch durch einen höherwertigen äußeren Auftritt mit geschärften Linien, funkelnden Scheinwerfern und mehr Chromzierrat... ansonsten blieb alles beim Alten.

Um mich, El Gigante, war es inzwischen etwas ruhiger geworden. Ich arbeitete mittlerweile seit sechs Jahren als angestellter Fahrlehrer, war seit sieben Jahren wieder verheiratet, fuhr beruflich Toyota Auris und privat noch immer Audi A2. Schon seit bereits zwei Jahren erzählte ich von Erlebnissen in meinem eigenen Internet-Blog.

Die Vorgeschichte - mit Herz und etwas Symbolik


Ursprünglich war geplant, es bei meiner "Bullityp"-Trilogie zu belassen. Zu zersetzend waren doch die letzten bitteren Geschichten um meinen T4 - woran am wenigsten das Fahrzeug selbst Schuld trug.

Hier nochmal alles zum Nachlesen:




Seit dem bitteren Abschied von meinem missbrauchten "Bumsmobil" sind inzwischen acht lange Jahre vergangen. Zeit, in der Gras über die Sache gewachsen sein sollte, Wunden vernarben konnten und mein tiefer Schmerz die Gelegenheit hatte, in Vergessenheit zu geraten. Doch ausgerechnet Olivia, meine bessere Hälfte, muss fest an meine verschüttete Liebe zum Bulli-Kult und Kult-Bulli geglaubt haben. Denn in Ermangelung eines Zugfahrzeuges warf sie unseren gemeinsamen Wohnwagen ins Spiel. Dieser hatte allerdings eine besondere, symbolische Bedeutung: wir hatten den Camper nämlich nur wenige Tage nach unserem Kennenlernen gekauft - er war somit also ein ganz besonderer "Caravan of Love"! Speziell ich konnte mich nur schwer mit seinem Verkauf anfreunden. Deshalb wandte Olivia eine weibliche List an. Sie schlug vor, unseren geliebten Wohnwagen durch einen Bulli zu ersetzen. Damit hatte sie bei mir einen mentalen Dominoeffekt ausgelöst - an dessen Ende - natürlich - der Verkauf unseres Wohnwagen stand bzw. der Kauf eines VW-Bulli.

Abschied vom Wohnwagen

Und so fand unser Wohnwagen schließlich dank meiner grundehrlichen und sehr ausführlichen Beschreibung sowie aussagekräftigen Fotos per eBay eine neue Besitzerfamilie in Schkopau/Sachsen-Anhalt. 

Preismäßig war das Fahrzeug im Laufe der acht Jahre bei uns wohl deutlich gereift - der Verkauf brachte nämlich überraschende 700,- EUR mehr, als wir für ihn einstmals bezahlt hatten.

Tja - gute Pflege, Herr Doktor!

VW-Bulli: „Junge, was bist du groß geworden!“

Nun konnte meine Fahndung nach einem Bulli anlaufen. Zuvor musste entschieden werden, welche Fahrzeuge genau in Betracht kamen. T1 oder T2 - Bullis besitzen zwar absoluten Kult-Status, fielen deswegen aber aus dem Preisrahmen. Ein T4 ist zwar cool, hat aber mit der Karosserie verklebte Scheiben, was meines Erachtens das eventuelle Reparieren erschwert. Außerdem ist mir das Modell irgendwie zu weit vom eigentlichen Bulli-Kult entfernt. Und der aktuelle T5?

In den vergangenen drei Jahrzehnten meiner "Bulli-Geschichten" hat sich die VW-Bulli-Welt extrem verändert. Dazu ein paar eindrucksvolle Zahlen: in der Fahrzeugbreite hat die neueste Generation beispielsweise zwar nur 8 Prozent, in der Länge immerhin 11 Prozent zugelegt. Beim Fahrzeuggewicht sind es allerdings schon 73 und bei der Höchstgeschwindigkeit 81 Prozent. In der Motorleistung kann man heute seinen Transporter mit 186 Prozent mehr PS, nämlich mit über 200, statt maximal 70 im Jahr 73, ordern. Den Vogel schießt bei diesem Vergleich jedoch die Preisentwicklung eines neuen T5 ab. Kostete damals ein voll ausgestatteter VW-Bus um 15.000,- DM (umgerechnet also etwa 7.500,- EUR), so müssen im Jahr 2012 über 100.000,- EUR für ein ebenfalls mit allen möglichen Extras aufgewertetes Modell auf das Konto des Wolfsburger Volkswagenkonzerns fließen. Das entspricht einer selbstbewusst respektablen Steigerung von fetten 1.330 Prozent.

Möglicher Wunschkandidat: Ein orlyblauer "Limited Last Edition"

Die Vernunftentscheidung? Eine Entscheidung mit Vernunft?
        

Somit fiel meine Wahl schließlich auf das Modell T3 und ich hielt Ausschau nach einer möglichst kompletten und hochwertigen Ausstattung... also alles, was es damals im VW T3 so zu kaufen gab: bequeme Pilotensitze mit Armlehnen, Schiebescheiben, Klapptisch, hintere Sitzreihe natürlich zum Schlafen umklappbar, grüngetönte Scheiben, eckige Doppelscheinwerfer. Die MULTIVAN-Modelle gefielen mir schließlich schon immer. Als Besonderheit sollte es vielleicht eines jener raren 2.500 Exemplare sein, die VW seinerzeit ausschließlich an Werksangehörige veräußert hatte. Doch ich musste feststellen, dass auch hier bereits der Kultfaktor wirkt : genau diese Bullis sind nämlich sehr gefragt - und daher natürlich teuer.
REDSTAR gekauft!

Wer suchet, der findet



Trotzdem fand ich bei einer freien Werkstatt in der Nähe, mir durchaus bekannt als Bulli-Spezialisten, einen dieser seltenen "Limited Last Edition" (LLE). Eben genau dieses Fahrzeug war dann aber im entscheidenden Augenblick jedoch leider wieder nicht mehr verkäuflich.

Allerdings wurde mir dort wenige Tage später ein ebenfalls vor der Werkstatt stehendes Sondermodell MULTIVAN REDSTAR angeboten. Nach einigem Hin und Her kam es zu einer Besichtigung - und dabei auch gleich zur familiären Kaufentscheidung.

Somit konnte ich genüsslich endlich wieder jene einzigartig thronende - und irgendwie süchtig machende - Sitzposition über der Vorderachse hinter dem Volant eines der letzten (nicht mehr in Hannover, sondern in Graz/Österreich) gebauten tornadoroten T3-Bulli einnehmen.
Typisches Schadbild bei einem T3 aus Graz

Seltsames Rostloch unter der Schiebescheibe

Schlecht reparierter Unfall und seine Folge
Wenigstens das Interieur macht einen guten Eindruck






Besonderer MULTIVAN -
auf den zweiten Blick



Umfangreiche Recherchen ergaben anschließend, dass "unser" REDSTAR genau zehn Tage vor Produktionsende dieses Typs am 10. November 1992 das Werk des Grazer Auftragsfertigers Steyr-Puch in der österreichischen Steiermark verlassen hatte. Sechzehn Tage später wurde er auf seinen ersten Besitzer im bayrischen Ingolstadt zugelassen.

Seltsames Gefühl nebenbei: meinen nagelneuen T4 hatte ich damals im gleichen Jahr, allerdings acht Monate früher, am 1. April 1992 vom Transporterwerk Hannover abgeholt. Aber das ist natürlich eine ganz andere Geschichte.

Das Modell REDSTAR wurde mit nur knapp 250 Einheiten als T3 mit der geringsten Stückzahl in der Zeit nach dem letzten "Limited Last Edition" als sozusagen "Super Very Last Limited Edition" gebaut und ausschließlich an Werksangehörige (wohl auch von AUDI) ausgehändigt. Damit ist ein REDSTAR eine absolute Rarität.

Dieser Tatsache waren sich jedoch offenbar einige der fünf Vorbesitzer "unseres" REDSTAR nicht bewusst. Der zwanzigjährige T3 hätte in seinem Leben durchaus deutlich besser gepflegt werden können. Nicht nur Rost, Beulen und verwitterter Lack, sondern auch verwarzte Polster und pfuschige, dilettantische, teils auch ausgebliebene Detailreparaturen ließen eine leidvolle Vergangenheit erkennen.

Mit unserem Kauf gaben wir diesem geschundenen Fahrzeug nun die Chance auf ein zukünftig ehrenwertes Oldtimerdasein.

Logischerweise war aber auch absehbar, dass dieses Ziel nur mit viel Arbeit und Geduld, Schweiß und finanziellem Einsatz zu erreichen sein wird - und damit natürlich weitab von irgendeiner rechnerischen Wirtschaftlichkeit lag! Die Restauration trotz des bevorstehenden Aufwands war höchstens mit meiner wiedererwachten, oder immer noch vorhandenen Liebe zu Bullis erklärbar - und mit dem Verständnis dieses Projektes als reines Hobby.
Das "seltsame Rostloch" von innen


T3-typische Durchrostung gegenüber der Schiebetür

Maroder Windschutzscheibenrahmen


Check

Im Rahmen dieser Sicht fiel die Bestandsaufnahme des Fahrzeugs etwas genauer aus. Ich wollte diesen REDSTAR lieber vernünftig restaurieren, hatte also keine Lust auf halbe Sachen. Denn aus früheren Erfahrungen wusste ich, dass sich hier halbherzige Arbeit eher früher als später rächt.

Der allgemeine Zustand des Fahrzeugs ließ allerdings die saloppe Modeerscheinung des arbeitsscheuen Erhalts der Patina nicht zu. Weshalb dann auch klar war, dass ich jeder Roststelle akribisch auf den Grund gehen wollte. So entpuppten sich nämlich scheinbar oberflächliche Rostherde als massive Durchrostung - stellenweise sogar größeren Ausmaßes. Andere beängstigende Rostlöcher erwiesen sich, für einen T3 eher sehr unüblich, als nur punktuelle Schadstellen.

Parallel zur Bestandsaufnahme strippte ich das Fahrzeug natürlich. Dabei wurden die Innenausstattung samt Teppichen und Sitzen, alle Scheiben, Scheinwerfer, Frontgrill, Rückleuchten, Beplankung und Stoßfänger und auch Türen und Klappen inklusive Dichtungsgummis entfernt. Alle demontierten Teile wurden gereinigt und sorgfältig eingelagert. Defektes, hoffnungslos Verrostetes oder Verschlissenes musste ausgetauscht, repariert bzw. erneuert werden. 

Die Suche nach Ersatz für diese T3-Teile gestaltete sich dank eBay und auf den Bulli spezialisierte Internetshops als einigermaßen erträglich.

Ersatzteilversorgung durch Volkswagen?

Leider musste ich jedoch zu meiner größten Verwunderung auch feststellen, dass insbesondere der Hersteller unseres REDSTAR, also Volkswagen selbst, die denkbar schlechteste Adresse auf der Suche nach VW T3-Ersatzteilen ist. Und das bei einem gerade mal zwanzig Jahre alten Fahrzeug, das zu seiner Zeit (von 1979 bis 1992) genau 1.227.669 Mal gebaut wurde und somit das Straßenbild in Deutschland, ja sogar Europa, entscheidend mitbestimmte. Anders als beispielsweise die Klassik-Abteilungen von Mercedes oder BMW, kümmerte Volkswagen sich in der Vergangenheit jedoch jahrelang nur sehr stiefmütterlich um seine old- und youngtimerbesitzenden Kunden. Denn diese Käuferschicht versprach damals offenbar zu wenig Profit. Aufgrund dieses Missstands fehlte eine passende Konzerninfrastruktur, insbesondere natürlich die dazu dringend erforderlichen Lagerbestände. Weil jedoch auch Volkswagen seit ein paar Jahren im rasant steigenden Trend zu historischen Fahrzeugen ein beachtliches Geschäft wittert, hat man kurzerhand "Volkswagen Classic" gegründet und wirbt nun mit so eindrucksvollen Bezeichnungen wie "Classic Parts" oder "Classic Competence Center" für ein bisher schmählich vernachlässigtes Kundenvertrauen. Diese ach so uneigennützige plötzliche Idee kann jedoch kaum über die Versäumnisse der Vergangenheit hinwegtäuschen. So versucht VW zurzeit mühsam durch Teilnahme und Durchführung von Oldtimerveranstaltungen, wenn schon kein brauchbarer Teilepool verfügbar ist, so doch wenigstens ein Klassik-„Wir“-Gefühl zu erzeugen. Doch die Zeit wird hier die Wunden eben nur sehr langsam heilen können. 

Unserer REDSTAR-Restauration hilft das außerdem überhaupt nicht. Doch stattdessen könnten wir ja die neueste Marketing-Kreation des Wolfsburger Autobauers in Anspruch nehmen: speziell für die Erhaltung des automobilen Weltkulturerbes, dem "Bulli", bietet "Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer" eine originalgetreue Werksrestaurierung an. Allerdings möchte ich wirklich nicht wissen, was solch eine Restauration in unserem Maße kosten würde... aber ich kann es mir lebhaft vorstellen. Damit wird klarer denn je, warum VW seinen Kunden neuerdings hilfsbereit und auffallend freundlich unter die Arme (und in die Taschen) greifen möchte.

Die "schlimme Ecke"  ist herausgetrennt...

... und durch eine intakte Ecke vom
Schrott ersetzt.

Es gibt viel zu tun. Packen wir’s an!

Wir mussten daher mangels monetärer Masse diesen Finanzfluss durch eigenen Einsatz umgehen. So wurden demzufolge ab Herbst 2012 rostige Karosserieteile mit der Flex herausgetrennt und mit einem Schutzgasschweissgerät durch Reparaturbleche wieder ersetzt. Vorher wurden alle blanken Blechteile durch qualitativ hochwertiges Zinkspray geschützt – auch wenn diese Vorgehensweise das eigentliche Schweißen oftmals erschwerte.

Die durch Hitzeverzug wellig gewordenen Reparaturstellen trieben außerdem später meinen Lackierfreund der ersten Stunde, Ralf, beim Spachteln in den Wahnsinn. Seiner Ausdauer, seinen handwerklichen Fähigkeiten und seinem schon fast künstlerischen Geschick, ist das spätere Resultat geschuldet. Aufgrund der großen, nahezu senkrechten Flächen des MULTIVAN und der immer nur an Wochenenden möglichen Einsätze, zog sich diese staubige Arbeit über Monate hin.

Aber auch dank des extra für diese Unternehmung in der Werkstatt installierten Holzofens konnte unsere Lackiervorbereitung über den gesamten Winter 2012/2013 vorankommen.

Trotzdem musste noch ein weiteres dreiviertel Jahr vergehen, bis die Lackiererei zum farbgebenden Einsatz kommen konnte.
Rostiger Fensterrahmen gegenüber der Schiebetür: herausgetrennt...

... und rostfreies Teil vom Schrott eingeschweißt
Spachteln am Windschutzscheibenrahmen

Einschweißen eines Reparaturblechs
Spachteln des durch das Schweißen hitzeverzogene Seitenteil
... und immer wieder schleifen, schleifen, schleifen
Nun geht nichts mehr - ab in die Lackiererei!

Neuer Auspuff und Oxikat

Oberer Querlenker und seine beiden Buchsen
Neue Bremsen
Roter Tank
Glänzendes Tornadorot
REDSTAR in the sun
Perfekte Spiegelung im Seitenteil
Makelloses Lackierergebnis


Im Herbst 2013 krönte die Lackiererei schließlich unsere Vorarbeiten am MULTIVAN mit einem originalen Tornadorot. Und dieses Ergebnis konnte sich sehen lassen. Selbst der Lackierer mutmaßte, dass sicher kein Transporter je mit einem solchen Glanz das Werk in Hannover beziehungsweise Graz verlassen haben mag.

Meine Freizeit der bereits angebrochenen Wintermonate 2013/2014 verbrachte ich erneut in der geheizten Garagenwerkstatt. Diesmal galt es, das große Tausend-Teile-Puzzle unseres MULTIVAN akkurat und fehlerfrei wieder zusammenzufügen.

Ein überaus wichtiges Augenmerk legte ich dabei auf die Konservierung der Karosserie. So kam nicht nur herkömmlicher Hohlraumwachs zum Einsatz. In vielen Internetforen hatte ich über speziell entwickelte Substanzen gelesen, die meinen Kampf gegen den Rost nun auch an unserem Objekt wirksam unterstützen sollen. Speziell eine Masse, die sich seit Jahren im Schiffsbau beim Beschichten von Innenwänden von Ballastwassertanks bewährt, fand hier Einsatz am Unterboden, den Radhäusern und sämtlichen Hohlräumen.

Parallel zur Karosserie legte ich natürlich auch Wert auf einen soliden technischen Zustand des Bulli. Schrittweise erhielt er einen neuen Turbolader, ich ersetzte den Oxikat inklusive Auspuff, die Vorderachse bekam neue obere Querlenkerbuchsen, komplett neue vordere Bremsen (Scheiben und Beläge) und hinten neue Handbremszüge. Der Antrieb wurde mit einer neuen Ölkühleranlage (… vorsorglich, wegen angeblich thermischer Motor-Probleme des auch in unserem T3 verbauten JX-Motors) ausgestattet.

Auf Anraten und mit Hilfe unseres befreundeten Serviceleiters einer namhaften rheinland-pfälzischen VW-Autohauskette erstand ich sogar einen Ersatzmotor mit wenig Laufleistung. Sollte die alte Maschine, die bereits über 250.000 Kilometer hinter sich hat, also irgendwann den Geist aufgeben, wäre deren Nachfolge somit auch schon gelöst.
Frühlingssonne auf REDSTAR

Während die ersten wärmenden Frühlingssonnenstrahlen vom Märzhimmel schienen, wurde die MULTIVAN -Vorderachse neu bereift, die Achsgeometrie von einem Fachbetrieb vermessen und eingestellt, sowie die letzten technischen Probleme beseitigt. Zu guter Letzt fehlte nur noch der Ritterschlag durch die HU-Plakette einer Prüforganisation. Seine letzte Hauptuntersuchung hätte der REDSTAR im August 2009 über sich ergehen lassen müssen – wurde aber stattdessen am 31.8.2009 außerbetriebgesetzt.
Zur großen Prüfung in die Werkstatt: Hauptuntersuchung

Nun, gut fünf Jahre nach seiner Abmeldung, soll dieses Fahrzeug also wieder den Segen des TÜV erhalten - nein, falsch... die Prüforganisation wird auch in diesem Falle NICHT TÜV heißen. Ein Sachverständiger dieser Organisation zwang mich nämlich mal vor vielen Jahren, Alufelgen trotz ABE in die Papiere meines T4 eintragen zu lassen. Obwohl ich mit diesen Felgen schon seit acht Jahren fuhr (hatte damit natürlich auch schon einige Hauptuntersuchungen ohne jegliche Beanstandungen überstanden), verweigerte der Ingenieur stur die Plakette. Ich musste die Felgen tatsächlich für viel Geld eintragen lassen. Viel später erfuhr ich jedoch von einer anderen Prüforganisation, dass dieses Unterfangen vollkommen überflüssig war. Somit schwor ich, den TÜV nie wieder an meine Fahrzeuge zu lassen. Ironie des Schicksals: als Fahrlehrer muss ich ständig mit dem TÜV zusammenarbeiten... aber... *räusper* ich schweife ab!
Das wohl wichtigste Dokument dieser Tage

Legendäre Schritte



Happy End


Vom positiven Ergebnis der Hauptuntersuchung erfuhr ich blöderweise während der Arbeit, am Telefon. Allerdings vermisste der Prüfer wohl die E-Prüfzeichen auf den klaren Rückleuchten. Komisch, ich war mir ganz sicher, dass sie freigegeben waren. Dem Prüfer musste nun hoch und heilig versprochen werden, dass die Sache ordnungsgemäß erledigt wird. Somit erteilte er die Plakette! Noch am Abend orderte ich neue Rückleuchten MIT E-Nummern. Wie sich letztendlich jedoch herausstellte, hätte ich mir das sparen können. Natürlich hatten die Rückleuchten E-Nummern - der Prüfer hatte sie wohl nur nicht gefunden.

Wenige Tage später prangten schließlich amtliche Saisonkennzeichen am MULTIVAN. Er ist somit endlich zurück auf der Straße. Das war von Anfang an das Ziel dieser langwierigen, anstrengenden und sehr penibel durchgeführten Restauration. Unser REDSTAR soll nun in acht Jahren gut gepflegt in den Oldtimer-Status übergehen. Bis dahin wird dieses besondere Exemplar uns sicher noch an viele fremde Orte und in schöne Urlaube begleiten. Das wiederum birgt gewiss Stoff für weitere interessante Bulli-Geschichten vom Bullitypen.
Und... ZACK!!! Dran sind die neue Kennzeichen!

Rückblick und Gegenwart zugleich:
ausgetauschtes rostiges Blech zur Anschauung nochmal ausgelegt  

Stolzes Resultat nach eineinhalb Jahren Arbeit
Startbereit für neue Abenteuer


Unsere "REDSTAR-Story" in knapp sieben Minuten:

Kommentare:

  1. Hey El,

    ein wunderbares Ergebnis zu einer wunderbaren Restaurierung :-). Auf den Bulli kannst du stolz sein.

    Ich wünsche euch viel Erfolg bei den folgenden Touren - und immer genug Sprit im Tank! :D

    Schöne Grüße von der Nordsee
    Lars

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  2. Gratulation!

    Der sieht ja wirklich toll aus - fehlt nur noch ein gewisses Bulli-Kissen (voller Decken) ;-)

    Gabî

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  3. Toll gemacht, dann könnt Ihr uns ja mal besuchen!

    Schöne Grüße
    Ulla & Wolfgang

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  4. P E R F E K T - (schließe mich Gabis Hinweis selbstverständlich an). Schön, dass Du diesem Bulli ein neues Leben einhauchen und ihn somit vor dem sicheren Rost-Siechtum bewahren konntest.
    Wünsche Euch viel Spass damit...

    L.G. Birgit

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  5. Gratuliere zum Redstar!
    Ein wunderschönes Fahrzeug! Ich arbeite seid 20 Jahren in diesen Werk wo dein T3 gebaut wurde!
    Bin ebenfalls ein T5 und T4 California Fahrer.
    Liebe Grüsse aus Graz.
    Werner

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