Mittwoch, 26. November 2014

Meine DJ-Biografie - Kapitel 1: DIE IDEE

Obwohl ich sehr lange darüber nachgedacht habe, welchen Weg ich für die Publikation meines neuen Buchprojektes "MEINE DJ-BIOGRAFIE" wählen soll, bin ich mir über die gewählte Lösung online per Blog noch immer nicht hunderprozentig sicher. Meiner grundsätzlichen Einstellung "MACHEN STATT DISKUTIEREN" ist es jedoch zu verdanken, dass meine Erlebnisse als Discjockey hier nun doch zu lesen sind. Und soviel kann man natürlich schon vorweg verraten: nach 25 Jahren als DJ auf Parties, Familien- oder Firmenfeiern kann ich mit einigen unterhaltsamen Stories aufwarten.

Monatlich wird "MEINE DJ-BIOGRAFIE" jetzt also Kapitel für Kapitel hier erscheinen... bis das Buch komplett zu lesen ist - es lohnt sich also, immer mal wieder hereinzuschauen.

Beim Schmökern in meiner DJ-Karriere wünsche ich viel Spaß.







Es begann irgendwann im Spätsommer 1987.

Meine damalige Freundin arbeitete in einem Fotofachgeschäft. Eines Abends erzählte sie mir von einem Kunden. Um es nicht unnötig kompliziert zu machen, nenne ich diesen Kunden im Weiteren einfach HH.

Ich erfuhr nun also, dass dieser damals als Discjockey auf Familien- und Firmenfeiern unterwegs war. Er hatte offensichtlich so gut zu tun, dass er gegen eine wahre Flut von Auftrittsterminen anzukämpfen hatte. Genau deshalb suchte er händeringend einen Mitstreiter, der ihn bei dieser Tätigkeit entlastend unterstützen sollte.

HH fragte also meine Freundin, ob sie jemanden wüsste, der Ahnung von Musik und Lust auf einen solchen Job hat. Und ihr fiel natürlich augenblicklich ihr Freund, also ich, ein.

Ich war damals 26 Jahre jung und studierte gerade Sozialpädagogik. Und schon seit langem besaß ich eine ansehnliche Schallplattensammlung. Außerdem beschäftigte ich mich gern mit dem Zusammenschneiden eigener Musiksendungen, die ich dann „Radio on Tape“ nannte und an Freunde und Verwandte verschickte oder verschenkte. Durch Experimentieren hatte ich bei diesen Sendungen bereits sehr viele technische Erfahrungen machen können, die mir später durchaus dienlich waren. Die Möglichkeiten von Tonbandmaschinen, Kassettenrecordern sowie Radiogeräten und Plattenspielern, aber auch des Mikrofons, wurden dabei von mir in Funktionsweise und Aufbau erforscht. Um Einblicke zu erhalten zerlegte ich häufig genug dazu auch Geräte. Außerdem passte ich sie entsprechend meiner individuellen Bedürfnisse an, sagen wir besser, ich manipulierte sie - in einigen Fällen wurden sie sogar regelrecht vergewaltigt.

Keine Angst, ich werde jetzt hier nicht mit technischen Beschreibungen nerven. Aber ich möchte meine fast schon wissenschaftlichen Studien an einem Beispiel erklären. Dazu erinnere ich mich an eines meiner ersten technischen Probleme. Es ging darum, ein musikbespieltes Magnetband nachträglich mit einem Wortbeitrag zu versehen. Ein Profi nutzt dazu normalerweise ein Mischpult. Mein Taschengeld ließ jedoch den Kauf eines solchen, zudem damals recht teuren, Hilfsmittels nicht zu. Also musste ich mir eine günstige Alternative einfallen lassen.

Es war nun von Vorteil, dass ich das nicht ganz unkomplizierte Prinzip einer Magnetbandaufzeichnung verstanden hatte: um Informationen auf einem Magnetband zu speichern, ist nämlich ein sogenannter Schreibkopf nötig. Dieser Schreibkopf besteht hauptsächlich aus einem Elektromagneten. Bei einer Aufnahme wird nun ein Magnetfeld erzeugt, das die Magnetfeldlinien des zu beschreibenden Magnetbandes durchsetzt. Dessen spezielle Bandbeschichtung wird dadurch magnetisiert. Die Aufnahme ist also in Form von winzigsten Permanentmagneten mit kleinen Magnetfeldern auf dem Band gespeichert. Bei einer erneuten Aufnahme läuft dann das Band an einem Löschkopf vorbei, wobei die Magnetfelder wieder gelöscht werden.

Für meine Zwecke musste ich nun also nur verhindern, dass die aufgezeichnete Musik beim Aufsprechen meiner Moderationsbeiträge wieder komplett gelöscht wurde. Meine Lösung: ich umwickelte den Löschkopf einfach mit einem Stück Aluminiumfolie, meistens der Alufolie einer Tafel Schokolade. Das durchaus zufriedenstellende Ergebnis: an den mit einer Moderation versehenen Passagen war die Musik auf dem Band jetzt nicht ganz gelöscht und daher etwas leiser, meine Stimme aber dennoch klar und deutlich zu verstehen.

Mit diesem Stückchen Alufolie hatte ich somit ein behelfsmäßiges Mischpult für zahlungsschwache Taschengeldempfänger geschaffen. Wie heißt es doch immer so schön: Not macht erfinderisch!

Wieder zurück zu HH und seiner Suche nach einem Kompagnon. Ehrlich gesagt hatte ich damals nicht wirklich Ahnung, was genau er suchte. Trotzdem meldete ich mich telefonisch bei ihm und wir vereinbarten, dass ich ihn bei einem seiner Auftritte begleiten sollte.

Wenig später war es soweit. HH sollte als Discjockey auf einer Hochzeit im Südoldenburgischen auftreten. Er besaß eine eigene Beschallungsanlage, in Fachkreisen wird soetwas auch PA (Public Address) genannt. Seine PA transportierte HH auf einem PKW-Anhänger. Am Veranstaltungsort bauten wir die teilweise schweren Lautsprecher auf. Ein Rack mit Verstärker, Mischpult und Kassettendeck sowie Mikrofon und Plattenspieler, die sogenannten Turntables, wurden angeschlossen. Die anschließende Kontrolle und Einstellung der PA erfolgte bei einem Soundcheck. Dabei war zu hören, dass die Anlage über klare, hohe Töne und einen satten Bass verfügte. Auch die Abstimmung des Mikrofons wurde auf die Größe und Beschaffenheit des Raumes sowie auf die zu erwartende Menge des Publikums angepasst. HH erklärte mir das Phänomen der Rückkopplung, bei der ein Mikrofon den selbst erzeugten Klang der Lautsprecher wieder aufnimmt – etwa vergleichbar mit dem Einatmen der gerade selbst ausgeatmeten Luft. Bei der Rückkopplung kann es zu einem unangenehm hohen Pfeifen kommen. Durch diese Frequenzverstärkung können die Hochtöner und andere wichtige Bauteile der Lautsprecher zerstört werden. Für mich waren das natürlich interessante Informationen, die ich gierig aufsog.

Seinen ersten ganz offiziellen Einsatz als Discjockey dieser Hochzeit zelebrierte HH schon vor dem eigentlichen Eröffnungstanz. Er beeindruckte nicht nur mich mit einem ungeheuer dynamischen Intro. In informativer und redegewandter und daher sehr unterhaltender Art stellte er sich zunächst dem anwesenden Publikum vor. Damit schuf er gleich eine angenehme Atmosphäre, die schließlich fast alle Feiernden förmlich auf die Tanzfläche zog. Dort herrschte, sicherlich nicht nur zu Ehren des Brautpaares, schnell ein dichtes Gedränge und Geschiebe.

Nach drei Musikstücken entließ HH die tanzende Menge in eine kurze Pause. Er erklärte mir, dass Tanzpausen für die Gäste ein wichtiger Bestandteil jeder Tanzveranstaltung seien. In ihnen sei natürlich eine Unterhaltung möglich, es werde getrunken und selbstverständlich sei auch eine Erholung von der letzten Tanzrunde dringend nötig. Für den DJ ermöglichen die Tanzpausen hingegen Stilwechsel, die Musikrichtung könne also geändert und somit andere Alters- und Interessengruppen angesprochen werden.

Die Auswahl der Musik für die einzelnen Musikrunden schien mir zum größten Teil reine Erfahrungssache zu sein. Das Wissen um jeden einzelnen Musiktitel, seine Wirkung auf das Publikum und die gerade laufende Tanzrunde, mussten per „Try-and-Error“ höchstwahrscheinlich experimentell erfasst werden. Dabei gab es nur zwei Möglichkeiten: entweder die Tanzenden setzten beim Übergang auf den nächsten Titel ihre Tanzaktivität fort, oder sie entschlossen sich fast augenblicklich, mit dem jeweiligen Tanzpartner bzw. der jeweiligen Tanzpartnerin zum Beispiel an die Theke zu gehen – somit verordneten sie also dem DJ eine Musikpause.

Ebenso fiel mir auf, wie wichtig die richtige Ansprache des Publikums nach einer Tanzpause war. Ein ansprechender Musiktitel und die passende Anmoderation sind schließlich Garant für einen guten Einstieg in die nächste Tanzrunde. Ein DJ animiert die Gäste förmlich, wieder auf die Tanzfläche zu kommen.

Im Laufe dieser Party-Nacht gab es auch Situationen, die ich an HH's Stelle anders gestaltet hätte. Eine davon ist mir auch heute, über 25 Jahre später, noch sehr peinlich in Erinnerung. Während einer ausgelassenen Tanzrunde versuchte HH nämlich mit dem Spruch „Die Pille ist ein fauler Zauber, Domestos hält das Becken sauber!“ die Stimmung anzuheizen. Im Moment dieser Mikrofondurchsage wäre ich am liebsten im Boden versunken. Dieser Humor war meines Erachtens anlässlich einer Hochzeitsfeier in dieser obendrein bekanntermaßen sehr katholischen Gegend absolut fehl am Platze. Doch HH liebte offensichtlich diese ausfällige Art. Später erfuhr ich, dass er dafür bekannt und auch berüchtigt war. Für mich stand jedoch unmittelbar fest, dass er damit für mich ein eher schlechtes Beispiel darstellte, dem ich keinesfalls zu folgen bereit war – und es auch nie wirklich tat.

Doch auf die ganze Atmosphäre um die Tätigkeit als Discjockey hatte diese Peinlichkeit keinen Einfluss. Zwar machte ich mir etwas Sorgen darüber, für die Stimmung einer ganzen Feier allein verantwortlich zu sein – doch andererseits musste ja auch HH das mal irgendwann zum ersten Mal gemacht und überstanden haben – warum also nicht auch ich.

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