Sonntag, 2. Dezember 2012

Besinnlicher Advent in der warmen Stube?

Re-Entry: Redstar-Story 

TEIL 2


Gewöhnlich ist anders! Aber wer will denn bestimmen, wie man einen typischen Adventssonntag zu gestalten hat? Und warum sollte ich/sollten wir immer genau das machen, was Andere von mir/uns erwarten?
Draußen ist es novembergrau und fies kalt. In der letzten Nacht gab es mancherorts schon ein ordentliches Glatteis auf den Straßen. Das Holz knistert gemütlich im Ofen, der dem Raum zu muckeliger Wärme verhilft. Über dem verzinkten Ofenrohr wehen ein paar staubige Spinnweben in der emporsteigenden Heizungsthermik ... Hä? Cut! Wer hat denn behauptet, dass das beschriebene Idyll in einem Wohnzimmer oder der Küche stattfindet?



Jetzt geht's looooos! Ralf schwingt den Schwingschleifer.

Nein, nein, ich sitze vor der wuseligen Werkbank meiner Garagenwerkstatt und füttere den alten Ofen mit Brennbarem. Nur eine Armlänge entfernt wartet die Front unserer VW T3-Karosse auf die tiefgreifende, kosmetische Hinwendung des Meisters der lackiertechnischen Vorbereitung - mein langjährigster Freund Ralf hatte sich seinerzeit, bei der Nachricht unseres Redstar-Kaufes, sofort freiwillig angeboten. Heute möchte er nun sein Werk beginnen.

Polyester muss sein!
Heile, heile Gänschen, 's wird bald wieder gut ...
Vorausgegangen war dem eine umfangreiche und lange Vorbereitung meinerseits. Nicht nur, dass ich alter Sammler mich von einigem Überflüssigen, was seit Jahren unnötigerweise meine Garage füllte, trennen musste. Auch organisierte ich meine Ordnung, wenn ich es denn so nennen darf - auch wenn das dem einen oder anderen Betrachter vielleicht befremdlich erscheinen mag - ein wenig um. Meine K70-Motor-Sammlung bekam einen neuen Platz, zerlegte Kleiderschränke, für die hier ein letztes Dasein gedacht war, wanderten nun doch relativ unspektakulär auf den Sperrmüll ... und der bereits erwähnte alte Holzofen, der mir vor neun Jahren nahezu freiwillig vom Straßenrand in den Kofferraum "gesprungen" war, fand nun endlich einen sinnvollen Einsatz. Um seine Abgase auf üblichem Weg in die Umwelt zu leiten, war ein Loch in zwei Wänden und das Verbauen diverser Ofenrohre vonnöten. Eine Installation, zu der freilich kein deutscher Schornsteinfeger freiwillig seinen Segen geben würde. Aber weder Ralf, noch ich und schon gar nicht die zu verarbeitende Spachtel- und Füllermasse müssen nun frieren - letztere würde bei Kälte nur unzureichend aushärten und müssten in einem solchen Fall wieder vom Blech gekratzt werden. Ohne die Heizung würden die anstehenden Arbeiten am Redstar also wohl oder übel in winterlicher Kälte erstarren. Was macht man nicht alles für das geliebte Hobby, gell?

Ralf versteht sein Handwerk
Wohlgewärmt wird nun also das von mir einstmals kunstvoll eingeschweisste Blech großflächig mit dem Schwingschleifer - an schlecht zugänglichen Stellen auch händisch mit Schleifpapier - auf den Polyesterspachtelmasseauftrag vorbereitet. Diese im ausgehärteten Zustand sehr stabile Substanz soll jegliche Unebenheiten und Ansätze der eingesetzten Reparaturblechübergänge ausgleichen. Die Karosserie wird somit zunächst grob, jedoch zunehmend feiner, wieder in Form gebracht. Nach dem anschließenden mühsamen und staubintensiven Schleifen werden typische Bulliformen endlich wieder sichtbar. Mit jedem erneuten Spachteln verschwinden Ungleichmäßigkeiten, Unebenheiten, Lunken, Vertiefungen, Dellen ... eine unglaublich zeitaufwändige Arbeit, die immer wieder von ebnendem, aus- und angleichendem Schleifen begleitet und unterstützt wird - was den Zeitfaktor nochmals kaugummimäßig dehnt.
Arbeiten in der geheizten Garage an der Wiedergeburt des T3
Das qualitativ hochwertige Lackiervorbild
Bezogen auf die sehr beschränkten zeitlichen Möglichkeiten, diese erbaulichen Tätigkeiten nämlich nur an Wochenenden auszuüben, versteht es sich leider fast von selbst, dass das leidige Thema "Bulli spachteln und schleifen" noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Also: dran bleiben - to be continued! Ich bin mir ganz sicher: was lange währt, wird endlich gut ... und in diesem Falle sogar SEHR gut!

Angesichts dieser selbstbewußten Aussage fällt mein Blick auf den in direkter Nachbarschaft zum behandlungswürdigen Redstar geduldig in adventlicher, wohliger Wärme seiner baldigen Auferstehung entgegenblickenden sonnengelben K70, der seit seiner Lackierung mit einer unverschämt propperen und hochglänzenden Erscheinung brilliert.

Kommentare:

  1. Ja! Ja! JAAAA!

    Bin froh das ich das nicht machen muss, spachteln hab ich sowas von kein Talent für!

    AntwortenLöschen
  2. ... ehrlich gestanden braucht man dazu auch eine gewisse künstlerische Ader und ein unglaubliches Gefühl in den Handflächen.

    Ralf ist inzwischen seit fast dreißig Jahren Autolackierer (u.a. bei Karmann in Osnabrück, inzwischen bei VW in Wolfsburg) und verfügt somit über Kenntnisse, Talente und Fähigkeiten, die unsereins einfach nicht besitzen kann. Er fährt mit der flachen Hand über eine Oberfläche und verdreht schmerzverzerrt die Augen (weil er die Fläche als Berg- und Talbahn spürt) ... ich versuche es auch und denke nur: "Toll - glatt wie ein Kinderpopo". Zum Beweis hat er so eine Fläche dann mal nass gemacht - die Flächenspiegelung zeigte tatsächlich ein katastrophales Bild.

    Ohne Profi würde das also nichts - ich bin froh, dass er das macht ... und weiß wieder gar nicht, wie ich das je wieder gutmachen kann. Immerhin hat er den K70 ja auch wieder in Form gebracht. Ich brauche sicher nicht extra zu erwähnen, dass seine Vorarbeit entscheidend war/ist für ein so geniales Resultat. An dieser Stelle nochmal ein ganz fettes DANKE an Ralf!

    AntwortenLöschen
  3. Das erstaunliche bei mir ist, das die von mir vor 2 Jahren veranstaltete Schweiß-misere zwar kacke aussieht, aber trotz praktisch nicht vorhandener Versiegelung kaum rostet...

    Tapferer kleiner Astra!

    AntwortenLöschen
  4. ... haste vielleicht V2A-Stahl eingeschweisst? DAS würde einiges erklären :-D

    Nein - wenn du die Schweissnaht nur dick genug aufgetragen hast, dann dauert es natürlich, bis sie wieder "durch" ist. Alles leider nur 'ne Sache der Zeit - weisst ja: "Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt, denn der wird niemals alt, die Hölle wird nicht kalt."

    AntwortenLöschen