Donnerstag, 2. August 2012

El Gigantes Sammelsurien - Teil 2: Phantasien auf Papier

El’s gesammelte Kostbarkeiten – manchmal sogar in Hochglanzqualität


Das eine oder andere dieser aufwändig produzierten Heftchen haben wir alle schon mal in der Hand gehabt. Beim Betrachten wird uns immer ganz anders: Atem- und Herzfrequenz steigen kollektiv, die Pupillen weiten sich und der huschende Blick über Hochglanzbilder bringt unsere Phantasie in Schwung. Hier wird Lust geweckt Wir wollen mehr … oder noch besser: wir begehren das Original. Wollen besitzen, anfassen, benutzen, riechen, fühlen!
Halloooooo!!! Es geht hier definitiv NICHT um schwülstige Schrubbhefte oder Schleuderbätter, die ihre schmierige Daseinsberechtigung mit einem elektrischen Freund oder auch Elektrolurch als Witwentröster im Falle erotischer Frauengelüste in irgendeinem dunklen Nachtschränkchen teilen müssen. Der Gleichberechtigung und Vollständigkeit halber sei hier natürlich auch die dem Manne von Welt beispielsweise als Werkzeug zum Überleben dienende Ventilsusi – als leichtes Mädchen – genannt – diese passt jedoch sicher in keinem ihrer möglichen Aggregatszustände (ob nun aufgeblasen oder nicht) in ein handelsübliches Nachtschränkchen.

Also – nichts da! Der gierig schmökernde Orion-Fetischist ist hier auf dem falschen Dampfer – und definitiv nicht im lustvollen Ambiente von Beate Uhse (wer das jetzt unbedingt braucht: ich habe beides mal ordnungsgemäß verlinkt – Hihihi!).

Nein – ernsthaft: es gibt so Bekloppte wie mich, die erfreuen sich an belanglosen Automobilisten-Wichsvorlagen – für den Normalo sind das einfach nur stinknormale Autoprospekte. Sie sind schließlich für den kaufinspirationsbedürftigen Kunden von morgen konzipiert: Prospekt aufmachen, reinschauen (Lust aufs Kaufen kriegen) und ab damit ins Altpapier – vielleicht dann irgendwann das Modell auch wirklich kaufen. Mit diesem optimalen Verlauf hat das eingesetzte Marketingmaterial seinen Zweck eigentlich voll und ganz erfüllt.


Das alles stimmt! Prinzipiell habe ich dem nichts hinzuzufügen. Und doch: für so ein schickes Prospekt gibt es ein Leben nach dem kurzen Einsatz an der Front beim Kunden. Inzwischen hat sich um dieses spezielle Aniquariat nämlich ein ganzes Liebhaberuniversum entwickelt. Ob auf den mittlerweile allerorts stattfindenden Oldtimermärkten (eine in allen Bereichen überaus rasch wachsende, beliebte Branche), großen und kleinen Messen und Ausstellungen, beispielsweise auch beim Online-Auktionshaus eBay oder in unzähligen insbesondere darauf spezialisierten Prospekt-Antiquariat-Buchhandlungen: überall wird mit diesen einstigen Werbematerialien gehandelt.


Und es geht um stolze Preise: Prospekte, die früher achtlos im Altpapier landeten, sind mittlerweile kleine Vermögen wert: 30,- EUR z.B. für das seltene Prospekt eines Morris 1800. Für den gleichen Preis wird auch das 12-seitige 1964er Studebaker Lark Challenger Commander- Prospekt gehandelt. Selbst die 2000er-Prospektmappe des Audi A3 soll 40,-EUR bringen.



Die Welt ist bunt – die Welt ist schön!

Meine Sammlung bezieht sich vorwiegend auf die Marken VW und Audi. Das älteste meiner Exemplare stammt aus dem Jahre 1963 und wirbt für kein geringeres Fahrzeug als den legendären Samba-Bus. Dieses großformatige Faltprospekt ist übrigens eine US-amerikanische Ausgabe.

Bus und Transporter-Ausgaben besitze ich u.a. auch aus den Jahren 1970, 71, 73 und 75. Auch VW Käfer (Prospekte von 1965 und 67) und VW 1500 (Prospekt von 1964) sind damals mit großem Aufwand beworben worden – zeitweise mit wirklich knackigen Methoden. An ihnen fällt besonders auf, wie umfangreich und detailiert, ja fast verspielt, die Prospektwerbung früher war. Besonders die nicht-deutsche Werbung war damals zudem wesentlich mutiger, frecher.
Natürlich befinden sich in meinem Besitz auch Exemplare des Transporters der T3- und T4-Generationen (teilweise vollständig mit Datenblättern und Preislisten). Auch für Sondermodelle wie Multivan, Multivan Magnum, Multivan Classic oder sogar ein Transporter-Taxi wurden Prospekte erstellt.


Angesichts meines Faibles für den VW K70 verwundert es sicherlich nicht, dass sich auch Werbematerial aus seinen Verkaufsjahren, in den Siebzigern, befinden.
Audi ist neben dem Modell 80 (B4) auch mit A2, A3, A4, Cabrio, A5, A6, A7, A8 sowie Q7 und Q5 vertreten. Diesen Prospekten merkt man besonders den Wandel der Zeit und speziell den Imagewechsel der Marke in den vergangenen Jahrzehnten an: Audi ist auch mit geschmackvoller Prospektwerbung in der Premium-Klasse angekommen. Seine gedruckten Marketingbemühungen hinterlassen einen überaus vollkommenen Eindruck – die Prospekte umweht sogar ein Hauch von moderner “Kunst und Technik”. Sehr überzeugend! Und für mich: sehr sammelnswert!


Eine seltene Besonderheit meiner Sammlung ist der farbige Flyer des “IDEA”. Diese karosserietechnisch fertig entwicklete Studie wurde 1991 vom inzwischen insolventen Osnabrücker Karosseriebauer “Karmann” auf der IAA als Konzept vorgestellt. Die Firma suchte seinerzeit einen Partner (und schielte auf Porsche), mit dessen – vorrangig – Antriebssystem und Vertriebsweg das schicke Cabrio ins Leben hätte gerufen werden sollen. Porsche zeigte sich hingegen desinteressiert – der 1993 präsentierte Boxter weist jedoch erstaunliche, aber vermutlich nicht vergütete, Designanleihen des “IDEA” auf.

Weil ich finde, dass es kaum Sinn macht, mein Prospekt-Antiquariat nur in Pappkartons im Regal meines Büros zu horten, präsentiere ich hier, an dieser Stelle die -meines Erachtens- schönsten Eindrücke.

Also: Finger an die Maus und möge der Betrachter Gefallen an der alten Werbung finden.


Viel Spaß





































































    Ich hoffe, Euch hat es gefallen.

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