Mittwoch, 29. September 2010

Irgendwann fängt alles einmal an

Ein Rückblick


Der Beginn meiner Mobilität
In manchen Dingen war ich ein sogenannter Spätzünder. Mit neunzehn Jahren kreuzte ich jedenfalls Tag für Tag mit meinem Fahrrad durch die norddeutsche Tiefebene und verlor kaum Gedanken an einen motorisierten fahrbaren Untersatz. Ich hatte ja nicht mal einen Führerschein.


Mein Vater, der zugegebenermaßen noch sehr bestimmend auf mich einwirkte, war lange der festen Überzeugung, dass ich Sohn mich auf die pflichtgemäße Erfüllung meiner schulischen Leistungen zu konzentrieren hatte – Führerschein und Auto hätten da nur abgelenkt.

Desto mehr wunderte ich mich darüber, dass er eines Tages dennoch anbot, mir auf entlegenen Wegen im nahen Moor das Autofahren beizubringen. Also ließ ich mich nicht lange bitten und fand mich wenig später am Lenkrad unseres Familienautos, einem rotmetallic-farbenen VW K 70, wieder. Ziemlich genau erinnere ich mich dann auch an das unbeschreibliche Gefühl, als sich das Gefährt allein durch meinen Einsatz in Bewegung setzte. In kurzer Zeit lernte ich den richtigen Umgang mit Kupplung, Bremse und Gas, konnte Kurven fahren und Abbiegen.

Vater's VW K 70 - damit habe ich meine ersten Meter gefahren
Zwischen seinen Anleitungen hielt mein Vater immer Ausschau nach sich nähernden Fahrzeugen – das Moor war zwar groß und leer. Dennoch gehörten seine Wege zum öffentlichen Verkehrsraum und durften somit natürlich nur mit gültiger Fahrerlaubnis befahren werden. Dank der umsichtigen Aufmerksamkeit meines Vaters wurden wir jedoch glücklicherweise nie erwischt. Nach einer der letzten Fahrstunden dieser Art, tauschten wir auf dem Heimweg, nicht wie sonst beim Verlassen der Moorwege, wieder die Plätze. Es dämmerte bereits und mein Vater ließ mich über die Grenze der unbewohnten Gegend hinweg zurück in die „Zivilisation“ bis zur Garage vor unser Haus fahren.

... auf solch einem BMW habe ich meinen Führerschein gemacht
Ein wenig später meldete ich mich in einer Fahrschule meines Vertrauens an. 

Nach einigen Stunden Theorie terminierte der Fahrlehrer meine erste offizielle Fahrstunde. Seltsamerweise kann ich mich heute bei Weitem nicht mehr so gut an die Details der ersten offiziellen Fahrstunde erinnern, wie an die erste Moorstunde mit meinem Vater. 

Das Fahrschulauto war jedenfalls ein feuerroter BMW 316 (E21). Aber ich entsinne mich noch sehr genau an die Worte des Fahrlehrers nach dieser Fahrstunde. „Na, da haben wir aber schon ordentlich geübt!“ grinste er mich augenzwinkernd an.

Ich habe dennoch viel Spaß bei meinen Fahrstunden gehabt und natürlich auch viel Nützliches gelernt. Das von Vielen so gehasste Einparken zum Beispiel gelingt nach der gelernten Methode heute noch perfekt. Eine geniale Mischung aus frisch an den Fahrschüler gebrachtes Fachwissen, eigenes Interesse und erkannte Fähigkeiten haben dazu geführt, dass Günter, so hieß mein Fahrlehrer, aus mir einen begeisterten Autofahrer gemacht hat.

El Gigante steht auf K 70
Letztendlich ist er damit für mich sogar zu einem Vorbild geworden. Denn heute bin ich selbst Fahrlehrer und versuche die gleiche Begeisterung an meine Fahrschüler weiterzugeben. Leider ist Günter vor einigen Jahren verstorben. Vielleicht lebt er ja ein bisschen in mir weiter. So, wie in mir auch das Auto weiter lebt, mit dem ich damals meine ersten Milli-, Zenti- und Meter zurückgelegt habe, der VW K70. Gut, der Wagen meines Vaters ist wenige Jahre nach meinem Einstieg in das Autofahrerleben gegen einen AUDI 100 5S CL ausgetauscht worden.

Doch ich hatte mir lange in Scheunen und Garagen die Relikte meiner automobilen Wurzeln bewahrt. Seit einigen Jahren gehört eines dieser mittlerweile recht seltenen Fahrzeuge zu meinem Fuhrpark. Einen Zweiten habe ich übrigens nach aufwändiger Restauration noch unfertig in der Pipeline... ehm... der Garage stehen.

Das ist doch Stoff für weitere Geschichten, oder?

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