Mittwoch, 6. Mai 2020

RESTAURIERUNG VW K 70 LS Teil 2... was ist los mit dem Motor?



Corona macht's möglich - nie hatte ich so viel Zeit an meinem alten Auto zu schrauben! Nie bin ich innerhalb so kurzer Zeit in der Restauration meines sonnengelben K 70 so schnell voran gekommen. Und vermutlich werde ich auch nie wieder so viel Zeit für solche Schraubereien haben.

Seit 22 Jahren stehe ich vor der heiklen Aufgabe, wieder ein Auto aus dem Tausend-Teile-Puzzle werden zu lassen. Glücklicherweise "... with a little Help from my Friends!" Ich kann es inzwischen ehrlich sagen: ohne Markus Retz und Peter Rodenberg wäre der Zusammenbau nicht mehr möglich. Zu lange ist die Demontage des Fahrzeugs her... längst habe ich leider entscheidende Fahrzeugdetails vergessen.


Bei Markus scheinen diese Details und die komplette Historie des Modells sowie sämtliche Hintergründe Bestandteil seiner Blutbahn zu sein. Peter hingegen hat speziell motortechnisch als Meister einen gewissen Horizont - laut eigener Aussage liegt ihm ganz besonders die professionelle Fehlersuche bei Startschwierigkeiten. Er ist also quasi ein Gott der Gemischaufbereitung und des Zündfunkens. Da haben sich ja zwei gefunden... aber eben dieses geballte Aufeinandertreffen von konzentriertem Fachwissen birgt die Aussicht auf eine erfolgreiche Mission. Genau DAS macht das VW K 70 Kompetenzzentrum aus!

Zwei Fachmänner am Werk

Anlässlich meines heutigen Erscheinens im VW K 70 Kompetenzzentrum im Westerwald haben die Beiden wohl die Reaktivierung meines K 70-Motors auf die Tagesordnungs-Liste gesetzt. Nach über zwei Jahrzehnten soll also wieder zündungswilliges, hochoktaniges Benzin in dosierter Vermischung mit Sauserstoff zu einer gezielten Explosion im Verbrennungsraum oberhalb der Hubkolbens des K 70-Motors für bestimmungsgemäße Kraftentfaltung sorgen. 

Nachdem wir vorher akribisch an den dafür notwendigen Voraussetzungen gearbeitet haben, soll dem Motor wieder Leben eingehaucht werden. Obwohl... so ganz hundertprozentig sind die Voraussetzungen nicht vollumfassend. Weil zur Zeit leider nichts anderes zur Hand ist, haben wir ein paar Liter Zweitakt-Sprit in den K 70-Tank fliessen lassen. Die Zündkerzen haben ihre letzten Funken vor über zwei Jahrzehnten versprüht. Die Wasserpumpe ist aufgrund ihres Alters und der langen Standzeit inkontinent, ein sie antreibender Keilriemen war ebenfalls noch nicht ausfzutreiben (weshalb das Lüfterrad in den ersten Einstellungen des Videos auch nicht mitläuft). Der Vergaser wurde schon bei meinem letzten Aufenthalt im Kompetenzzentrum von Markus revidiert. Zündleitungen, Verteiler, Kontakt und Zündspule sind auch schon seit Ewigkeiten mit meinem K 70 verehelicht. Immerhin: die Auspuffanlage ist seit dem letzten Mal vollzählig und vollständig zum Dienst an der für sie vorgesehenen Stelle angetreten.

Von unten betrachtet...

Mit anderen Worten: wir ziehen jetzt in einen (wie sich herausstellen wird) verzweifelten Kampf, das ganze alte Geraffel zu einem gemeinsamen Konzert zu bewegen. Wir sehnen uns nach einem erweckenden Rülpser, einem überschlagenden Hopser, einem losgallopierenden Rumpler, einem stuckernden Hüpfer... hören aber immer nur ein angestrengtes und zunehmend ermattendes "Rach-Rach-Rach-Rach..." Mal fehlt ein Zündfunke, mal fehlt ausreichend Strom aus altersschwachen (oder schlecht geladenen Batterien). Irgendwas fehlt! Aber was? Markus stellt die Zündung genauer ein. Nimmt die Zündkerzen raus: nass! Sie werden mit einem Campinggasbrenner getrocknet - das bringt aber auch nix. Ich bestelle telefonisch neue Zündkerzen in einem Teilehandel in der Nähe... heute nachmittag sind sie abholbereit.

Kompressionen am kalten Motor - okay!

Nockenwelle in Sicht
Wir überprüfen die Kompressionen... sie sind alle okay! Immer wieder versucht Markus etwas Neues... aber immer wieder quittiert der K 70-Motor seine Versuche lediglich mit dem bekannten Georgel "Rach-Rach-Rach-Rach-Rach..." Als Peter abends von der Arbeit kommt, ist Markus ziemlich ratlos. Gemeinsam versuchen wir nochmals, den Motor zu starten. Mehrfach murmelt Peter: "Der will doch... woran liegt's denn?" Sein Audi-Coupè muss schließlich Strom spenden - aber auch das bringt uns keinen entscheidenden Schritt weiter. Nach unzähligen Versuchen gibt es dann ein Fazit: morgen müssen alle Massepunkte und auch die stromführenden Anschlüsse optimiert werden. Jegliche Stromverluste (z.B. durch oxidierte Kontakte) müssen vermieden werden. Das war's für heute Abend.


Am nächsten Morgen besorge ich von einer Tankstelle erstmal den richtigen Kraftstoff, nämlich SUPER PLUS. Dann werden alle Massebänder gereinigt und auch stromführende Anschlüsse werden gereinigt. Markus überprüft den Zustand der Nockenwelle, zumindest das, was man durch das Entfernen der Ventildeckel so erkennen kann. Beim ersten Startversuch springt der alte Motor tatsächlich an. Doch er klingt hart wie ein Diesel. Markus stellt noch die Zündung präzise ein. Das ändert allerdings nichts am harten Lauf des Motors. Der Fachmann erklärt mir, dass eventuell die Pleuellager beschädigt sind. Das könnte eventuell daher kommen, dass der Motor mit dem alten Öl eingelagert war. In Motoröl können aggressive Säuren enthalten sein, die möglicherweise für solche Schäden verantwortlich sein könnten.



Ventildeckel runter!

Das silberne da im Dunkel ist die Nockenwelle

Auch Peter kennt solche Schäden - zweifelt jedoch im Fall meines Motors daran, weil das harte Laufgeräusch kontinuierlich ist. Normalerweise tritt es jedoch nur unter Last auf. In den nächsten Tagen möchte er mit einem Endoskop durch die Zündkerzenlöcher in die Verbrennungsräume des Motors schauen. Er hofft dabei Blicke auf die Zylinderwände werfen zu können.


So sieht das aus!

Philosophisch betrachtet...

Sollten dort Laufspuren und Riefen erkennbar sein, sieht es düster aus für diesen Motor. Genaugenommen wäre es das Aus für diese Maschine. Dass ich jedoch zuhause noch einen 1.8 Liter-100 PS-Motor liegen habe wäre dann ein Lichtblick. 

Wir warten also auf das Ergebnis der Endoskopie... wie beim Arzt! Der Doktor heißt in diesem Fall Peter Rodenberg. Mal sehen, was der demnächst zu berichten weiß!

Am Ende eines langen Tages...

Kommentare:

  1. Also Herr El Gigante, ein schöner Bericht, in einem muss ich eine Sache richtig stellen, das Benzinluftgemisch explodiert nicht, sonst wäre der Motor nach dem 3ten Takt eines Zylinders Geschichte..... Bitte schreibe verbrennt, Verbrennung oder oder..... Sonst super geschrieben, einer der Wäller Autofrickler

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    1. Ja... okay, Peter... wenn das Motorproblem wirklich NUR an dieser Begrifflichkeit hängt, dann soll es gern "VERBRENNUNG" heissen!

      Fahr' mal eben schnell gucken, ob der Motor jetzt richtig läuft! ;-)

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  2. Das ist der Zweitaktsprit, das gibt den harten Motorlauf, hatte ich auch schon. LG Mister Marino

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    1. Wenn es wirklich nur DAS wäre, wäre es prima... ich fürchte aber leider Schlimmeres!

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  3. Ja, meinem Vater hams einmal Diesel eingefüllt, danach hat er auch kurz geklingelt und eine Zeit lang genagelt.

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