Freitag, 1. September 2017

Über die Vergänglichkeit des Seins

Nein, ich befinde mich in keiner Krise. Jedenfalls nicht mehr als sonst. Denn immer wieder denke ich mal kritisch über mein Leben nach. Es kommt mir allerdings so vor, als nähmen diese Situationen mit zunehmendem Alter zu... aber das ist ein anderes Thema.

Grad bekomme ich mal wieder zu spüren, dass nichts für immer ist. Der Tod gehört zum Leben. Auch ich muss damit zurecht kommen, dass Menschen, Tiere und Pflanzen um mich herum die Ebene des irdischen Daseins verlassen.

Und nicht nur die. Auch Dinge, die mir sehr am Herzen liegen, unterliegen einem gewissen Alterungsprozess, der irgendwann zum totalen Ausfall führen kann. Neben meiner Frau und meinen Kindern, unseren Haustieren und unserem Zuhause liegen mir meine automobilen Lieblinge am Herzen. Ganz typisch Mann pflege ich eine besondere Beziehung zu meinen Fahrzeugen. Für mich sind sie nicht nur beliebig austauschbare und seelenlose Gebrauchsgegenstände. Ich stehe mit meinen Autos in einem inneren, seelischen Kontakt. Deshalb leide ich auch mit ihnen, wenn es ihnen schlecht geht.

Dieses Leiden begann im letzten Jahr. Wahrscheinlich schon viel früher - aber das lässt sich schlecht beweisen. Im Urlaubsvideo des letzten Jahres kann man es schon ein bisschen erahnen. Der REDSTAR, um den geht es hier nämlich, kann sein Wasser nicht halten. Kühlwasser soll zum Kühlen da sein. Er verbraucht es aber irgendwie. Irgendwie - eben... DAS ist das Problem! Die Werkstatt um die Ecke findet einen undichten Heizungsregler und ersetzt ihn nach dem Urlaub. Alle 300 bis 400 Kilometer musste ich nämlich im letzten Urlaub Wasser nachfüllen. Echt nervig! Aber irgendwie immer seltsam: der T3 hinterließ nirgendwo Wasserflecken auf seinen Parkplätzen. Ich habe mal irgendwo gelernt, dass in unserem Lebensraum der Erde NICHTS verschwinden kann - ALLES bleibt erhalten. Aber wohin verschwinden dann die Unmengen an Wasser, die ich unserem Multivan während der vergangenen 5.000 Kilometer in seine Kühlwasserbehälter nachgefüllt habe?

Nach der Heizungsregler-Reparatur dachte ich, ist nun alles wieder gut. Pustekuchen! Ich bin wie vom Blitz getroffen, als nach gut 500 Kilometern schon wieder die rote Kühlwasserkontrollleuchte anlässlich einer Fahrt in Aurich blinkt.

Da wir den REDSTAR, das ist ja inzwischen eine liebgewonnene Gewohnheit, in den Urlaub mitnehmen möchten, lasse ich vorsichtshalber nochmal einen Fachmann nach den Ursachen seiner seltsamen Trinkgewohnheiten suchen. Obwohl ich bei der Abgabe des Bullis in der Werkstatt schon ein dumpfes Gefühl im Magen hatte, trifft mich das Ergebnis der Untersuchungen hart.

Schlechte Nachricht vorm Urlaub

Sagen wir's mal so: unser REDSTAR leidet an einer Herzinsuffiziens. Technisch erklärt, hat er einen (noch) winzigen Riss im Zylinderkopf. Über diesen Riss gelangt Kühlwasser in die Verbrennungsräume. Damit erklärt sich, wo das Wasser bleibt - es verdampft beim Verbrennungsvorgang und verlässt den Motor mit den Abgasen durch den Auspuff.

Es ist mir längst bekannt, dass der verbaute JX-Motor unter den bekannten thermischen Belastungen im T3 keine optimale Motorisierung ist. Deshalb habe ich den REDSTAR (Kilometerstand bei Kauf 253.604) stets verhalten gefahren. Selten über 100 km/h. Immer motorschonend und auch immer sparsam. Inzwischen zeigt sein Kilometerzähler über 282.000 Kilometer.

Jürgen, mein T3-Spezialist, versucht mich zu trösten. Diese Laufleistung ist schon eine beachtliche Zahl und sicherlich unserem sorgsamen Fahrstil geschuldet. Viele JX-Motoren haben nicht mal die Hälfte dessen geschafft. Und natürlich könnte er mir mit einem neuen Zylinderkopf helfen. Doch auch der Motorblock und seine Verschleiß unterliegenden Bauteile dürften nach dieser Laufleistung nicht mehr in jugendlichem Zustand sein. Die Vergänglichkeit des Seins eben.

Uff - das ist ja ein Schlag in die Magengrube! Mit einer kurzfristigen Reparatur ist also leider nicht zu rechnen. Zumal wir eine Woche später in Genua auf die Fähre nach Palermo/Sizilien wollen. Davon rät Jürgen ab. Seine Prognose: wir würden ziemlich wahrscheinlich unseren Urlaub auf einem ADAC-Transporter beenden.

Um den Urlaub zu retten, planen wir also kurzfristig um. Nehmen wir eben das Cabrio. Auch Grandi Navi Veloci, die italienische Schifffahrtsgesellschaft, muss informiert werden, sonst kommen wir mit dem Audi nicht aufs Schiff... das klappt jedoch letztendlich glücklicherweise alles reibungslos.

Aber wie geht es mit unserem REDSTAR nun weiter? Jürgen stellt uns Möglichkeiten vor - wir entscheiden uns für eine Herztransplantation. Der Wagen erhält einen eigens angepassten AAZ-Motor. Die aus VW GOLF, PASSAT, AUDI 80 etc. bekannte 1,9-Liter-Maschine wird komplett neu aufgebaut. Der (alte und gut funktionierende) Turbolader vom JX-Motor harmoniert im Bulli gut mit dem AAZ-Motor, die Einspritzpumpe wird von einem Fachbetrieb aufgearbeitet und wiederverwendet, die neue Wasserpumpe wird optimiert (mehr Durchfluss), ein Ladeluftkühler verringert vorsorglich thermische Probleme, ein paar Optimierungsmaßnahmen sollen die Haltbarkeit des Motors verbessern. Das Getriebe bleibt. Am Ende wird es im Motorraum wieder wie gewohnt aussehen. Der Motor liefert allerdings mehr Drehmoment und hat ein paar PS mehr... etwa 10 oder vielleicht sogar 15... aber das ist für mich nicht entscheidend.

Damit wäre das Thema "Vergänglichkeit des Seins" zwar weiterhin allgegenwärtig, aber zunächst mal in eine hoffentlich weite Entfernung geschoben.


Wir entschwinden jetzt jedenfalls erstmal in den lang ersehnten Urlaub... mit dem Audi Cabrio.

Eine sehr ungewohnte Situation, denn im Bulli hatten wir doch bisher immer reichlich Platz, das Cabrio geizt damit ja naturgemäß.

Alles wird gut!

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