Freitag, 22. April 2016

Time to rumble, Sonnengelber!

Das hatte ich mir vor 18 Jahren irgendwie anders vorgestellt. Denn so lange ist es inzwischen her, dass ich meinen sonnengelben K 70 LS zu demontieren anfing. Mit dieser Aktion begab ich mich damals auf den langen, beschwerlichen Weg seiner gründlichen Restauration.

Dass diese Restauration jedoch achtzehn Jahre gedauert hat, war nicht wirklich geplant. Was hätte man in dieser Zeit alles erledigen können? Einiges! Ein beispielsweise damals gezeugtes Kind wäre mittlerweile zu einem Erwachsenen gereift…

Und es IST natürlich auch Einiges passiert! Denn die Welt hat sich inzwischen sehr deutlich verändert. Cher machte damals die automatische Tonhöhenkorrektur durch „Believe“ bekannt, Modern Talking feierten ein Comeback, Falco starb auf mysteriöse Weise in der Dominikanischen Republik, Mika Häkkinen wurde zum ersten Mal Formel 1-Weltmeister, der ICE „Wilhelm Conrad Röntgen“ entgleiste aufgrund eines defekten Radreifens bei Eschede und riss dadurch eine Straßenbrücke ein, 101 Menschen starben, Nokia brachte mit dem Modell „5110“ eines der bis heute erfolgreichsten Handymodelle überhaupt auf den Markt… damals, 1998, meine Güte – ist das alles schon ewig her!

Vor der Restauration im Mai 1998
Damals war meine Tochter gerade mal neun, mein Sohn sechs Jahre alt – heute bin ich zweifacher Opa. Auch meine damalige Ehe ist längst Geschichte – bei der Trennung wäre mein K 70 – Projekt beinahe in der Ehe-Konkursmasse untergegangen. Aber - anders als früher: seit zwölf Jahren begleitet mich Olivia in meiner Leidenschaft zu den alten Autos… und es sind noch mehr geworden: 2002 ein marathon-metallic-farbener K 70 L von 1973, 2012 ein tornadoroter Multivan REDSTAR von 1992 und 2014 ein tornadorotes Polo Fox Coupé von 1987. Deshalb musste aus meiner bescheidenen Doppelgaragen-Werkstatt ein Oldtimer-Zuhause mit reichlichen Unterstellmöglichkeiten werden - baulich sind jedoch inzwischen natürliche Grenzen erreicht. Doch auch meine Söhne sorgen für Parkplatz-Probleme: denn an sie habe ich die Oldtimerei offensichtlich vererbt – zeitweise bevölkern bis zu zehn Fahrzeuge das Grundstück!

Neulich machten wir uns nun an eine Arbeit, die wir schon seit einigen Jahren vor uns her schoben: weil wir uns nämlich endlich mal neue Sitzmöbel für das Wohnzimmer gegönnt haben, sollte dieser Raum auch gleich renoviert werden. Alle Tapeten mussten runter, hinterher wurden Decke und Wände gestrichen bzw. gerollt. Mir kam die Idee, eines meiner K 70-Hecks (vom Garagendachboden) als Eye-Catcher an eine Wand zu hängen. Nach einigem Überlegen sollte der Fernseher in dieser Wandtruhe Platz finden… und das Ganze natürlich versenkbar. Bei der zeitraubenden Umsetzung dieser Idee bekam ich letztendlich dann auch Appetit, das bereits vor vier Jahren lackierte K 70-Projekt endlich weiter voranzubringen... möglichst sogar fertigzustellen.



Okay – also los! Im ersten Moment hatte ich ein flaues Gefühl im Magen. Wer meine Garage und mein Chaos darin kennt, kann vielleicht nachvollziehen, welche Probleme bei meinem Vorhaben drohen. Wo finde ich all die Sachen wieder, die ich damals aus dem Fahrzeug ausgebaut habe? Zwar sind die meisten Teile in beschrifteten Kartons gelagert worden… aber wohin habe ich diese Pappkisten gestellt? Auch dafür sind inzwischen 18 Jahre vergangen. Zeit, in der ebenso Hunderte andere Dinge ihren Weg in meine Garage gefunden haben. Zeit, in der ich auch nach anderen Sachen gesucht (und dabei auch hin und wieder verzweifelt gewühlt habe!) Aber was hilft es, mit einem flauen Gefühl im Magen herumzulaufen? Nichts, gar nichts! Da muss ich durch! Das ist kein Grund, diesen Anflug von Aktivität NICHT zu nutzen! Also: RAN! Jetzt oder nie!

Highway to Hell - Aufgang zum Dachboden
Mein Dachboden über der Werkstatt: Gepflegtes Chaos
Das Sammelsurium muss wieder in den K 70
Aus K 70-Clubkreisen vernahm ich unlängst den Tipp „von hinten nach vorn aufzubauen“! Also fügte ich die Rückleuchten ein, versah das Heck mit seinen Zierleisten und dem Typ-Emblem. Außerdem vervollständigte ich die Heckklappe mit ihrem Schloß. Alle Teile wurden natürlich vorher sorgfältig gereinigt oder poliert, zumindest aber in ihrer Funktion überprüft. Ich bin erstaunt, dass ich alle benötigten Bauteile aber auch sämtliche Befestigungsteile wie Schrauben, Klammern, Halter relativ problemlos in meinem krautigen Lager finde.

Na, das sieht doch wieder ganz manierlich aus, oder?
Hier gehört der Türgriff hin - hier darf er Türgriff sein! 

Nun sieht das Heck schon mal gut aus! Nur die Chromstoßstange fehlt noch. Das vorgesehene Original hatte ich bereits vor Jahren vom Rost befreit und mit anderen Stoßstangen unterm Gästebett im Büro eingemottet – als ich jetzt neulich das TV-Heck im Wohnzimmer mit einer Stoßstange versehen musste, stellte ich fest, dass diese einzige hintere Stoßstange doch Rostpickel zieren. In diesem Zustand hätte ich das Teil eh nicht an meinen K 70 geschraubt.

Also startete ich spontan die Jagd auf eine brauchbare hintere K 70-Stoßstange: im Internet – NICHTS… weder bei eBay, noch bei eBay-Kleinanzeigen. Im „Flohmarkt“ auf der Internet-Clubseite des K 70-Club: auch NICHTS! Selbst im Club-Teilepool: gähnende Leere. Vordere Stoßstangen seien reichlich im Angebot, hintere schon seit geraumer Zeit absolute Mangelware. Eine einzige aufbereitete (d.h. neu verchromte) Stoßstange sollte 350,- EUR kosten. UFF! Ein Telefonanruf beim Texasfarmer (der Name kommt von seinem K 70-Fuhrpark, überwiegend in der Farbe Texasgelb) in Frankfurt brachte im Endeffekt auch keinen Erfolg.

Schließlich konnte ich Joseph in Paderborn, der ein eine große Ansammlung von zumeist gebrauchten K 70-Teilen besitzt, zwei günstige Exemplare abkaufen. Zuhause musste ich jedoch feststellen, dass auch an ihnen der Zahn der Zeit zu sehr genagt hatte. Ein paar Tage später erstand ich ein brauchbares Teil per eBay aus Lüneburg. Auf die Lieferung warte ich noch.
  
Fummelkram: Fensterheber und Schloß einbauen
Heckscheibe an ihrem Einsatzort


  
Mittlerweile sind alle Türen vervollständigt: die Türgriffe, Schlösser, Fensterheber und Fenster sind wieder an ihren Plätzen und funktionieren sogar. Selbst die hinteren Dreieckscheiben und sogar die Heckscheibe sind montiert. Auf dem Dachboden habe ich unter allem möglichen Gerümpel endlich die Autoteppiche wiedergefunden – ich musste ziemlich danach suchen, hatte sie schon fast abgeschrieben. Natürlich waren sie nach all der Zeit ziemlich schmutzig und rochen muffig. In die Waschmaschine passten sie nicht. So habe ich sie einfach mit unter die Dusche genommen – beim Auswaschen mit reichlich Waschmittel kam reichlich braune Dreckbrühe zutage. Ein paar Tage auf der Wäscheleine ließ die Teppichteile schließlich wieder trocknen… demnächst kommen sie dann wieder in den K 70. 

Cool - es geht voran… wer hätte das gedacht!
Demnächst mehr!
  
An der Wand gegenüber der TV-Vitrine aus dem K 70-Heck: Cooles Bild vom K 70-Treffen 2013 

Kommentare:

  1. geil weiter so,,das wird der Zwilling von meinem LS

    der Sauerländer !!!

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    1. Hi Martin,
      ... innen auch lapisblau?

      Und: na ja... am Heck-Unterboden hast Du ja schon für Gleichheit gesorgt :-)

      Gruß
      Andreas

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