Montag, 22. Dezember 2014

Vater`s Abschied von der Mobilität?

In drei Tagen ist Heilig Abend. Es wird endlich Zeit für Besinnlichkeit... finde ich. Doch das Schicksal sieht das mal wieder anders. Ausgerechnet in dieser Sonntagnacht schockt es mich mit der brutalen Realität.

In fünf Jahren nur 31.642 Kilometer zurückgelegt

Nach einem gemütlichen vierten Advent bei Tochter, Schwiegersohn und Enkelkind im 120 Kilometer entfernten Aurich/Ostfriesland kehren wir spät abends zurück nach Hause. 

Ich liege bereits gemütlich im Bett, als um 0:11 Uhr plötzlich das Telefon klingelt. Die Polizei informiert uns darüber, dass mein Vater einen Unfall mit seinem Auto hatte und ins Krankenhaus gebracht wurde - es gehe ihm aber gut.

Diese Nachricht unterbricht die vorweihnachtliche Geruhsamkeit jäh.
Wenig später stelle ich mein Auto an der nur wenige Kilometer entfernten Unfallstelle warnblinkend am Straßenrand ab. In der Dunkelheit blitzen Blaulicht und Gelblicht um die Wette, auf der Gegenfahrbahn steht der mir wohlbekannte toffeebraun-metallic-farbene Multivan meines Vaters entgegengesetzt der Fahrtrichtung mit müde blinkendem Warnblinklicht. 

Ich eile am Fahrzeug vorbei nach vorne, stelle mich den Polizisten vor und bin gleichzeitig über den Zustand des Bullis entsetzt. Statt seinem vorderen rechten Kotflügel und Rad klafft dort ein riesiges Loch und die Beifahrertür ist herausgerissen. Automobile Eingeweide hängen aus dieser Öffnung - ein kläglicher Anblick. Gerade hebt einer der Polizeibeamten das herausgerissene rechte Voderrad samt Federbein und gebrochener Achsaufhängung in den Laderaum und drückt mir ein paar persönliche Gegenstände meines Vaters in die Hand, ein verschlossenes Päckchen Kaugummis, seine Sonnenbrille. 

Trauriger Anblick

Gleichzeitig erklärt er mir, dass mein Vater beim Eintreffen der Polizei Schwierigkeiten hatte, seinen Sicherheitsgurt zu lösen. Nach einem helfenden Eingriff sei er aber allenfalls etwas benommen ausgestiegen und selbst in den inzwischen auch eingetroffenen Rettungswagen gestiegen.

Dabei habe er geäußert, dass er seinen Bulli wieder richten lassen werde. Ja, sicher! Ganz offensichtlich ist ihm der Zustand seines Fahrzeugs nicht bewußt - noch wahrscheinlicher hat er in der Aufregung gar keinen Blick auf das Wrack werfen können.
Keine viertel Stunde später stehen wir in der Notaufnahme des Krankenhauses an seinem Bett. Bis auf ein paar kleine Kratzer auf der Hand scheint er zwar unversehrt aber etwas verwirrt - vielleicht im Schock.

Erschreckend

Ende eines schönen Autos
Auf dieser Seite...

... hat er zuletzt gelegen
Einschlagstelle des Baumes

Die Tür ist herausgerissen
Da ist nichts mehr...

... zu machen!
Hier saß einst das rechte Vorderrad
Jetzt liegt das Rad samt Federbein im Kofferraum

Die Unfallstelle auf gerader Strecke

Die Spur (vorne im Gras) führt direkt zum Baum


Die abgeknickte Krone liegt am Boden

Später wird er mir erzählen, dass er während der Fahrt (mit Tempomat... wie ich ihn kenne also mit knapp 100 km/h) "irgendwo da unten im Fußraum rumgefummelt hat" und dabei "das Lenkrad nach rechts verzogen hat". Dann habe es nur noch einen fürchterlichen Krach gegeben. Klar, denn mit dem rechten Vorderrad hat er den Baumstamm heruntergedrückt, dabei ist die Baumkrone herunter gebrochen.

Dann ist der Wagen tatsächlich über einen Meter auf dem Stamm entlang schräg in die Höhe gestiegen. Dabei riss zunächst das rechte Vorderrad, dann der Kotflügel und schließlich sogar die Beifahrertür heraus. Gleichzeitig begann durch den rechtsseitigen Energieabbau das Fahrzeugheck mit dem Heck nach links zu driften und rutschte dabei vom Baum. Der Wagen kippte auf die linke Seite, rutschte so liegend noch ein paar Meter und blieb mit dem Vorderwagen auf dem Grünstreifen und dem Heck auf der Straße liegen. Dabei barsten die Scheiben der Fahrertür und das Schiebefenster gegenüber der Schiebetür. Seitlich im Sicherheitsgurt hängend ließ sich dieser nicht lösen. Erst die Hilfe der Polizei ermöglichte ein Freikommen. Beim Einsteigen in den Rettungswagen habe er lediglich die Unterseite seines Fahrzeugs erkennen können.

In den nachfolgenden Untersuchungen stellen die Ärzte keinerlei Verletzungen bei meinem Vater fest. Lediglich durch den wohl massiven Druck des Sicherheitsgurtes beim Aufprall sei möglicherweise das Brustbein gebrochen - was jedoch keiner Behandlung bedarf, denn das verheilt wieder von selbst.


Kommentare:

  1. Uiuiui!

    Eine extrem schwierige Situation.
    Beim Anblick des Autos blutet mir echt das Herz, eine art kleiner Traum für mich, der aber so derart in weiter Ferne liegt, das er schon an fantasterei grenzt...

    In eurer Haut möchte ich nun nicht stecken, da es wohl den Eindruck macht, euer Herr Erzeuger wäre einer der starrsinnigeren Sorte, da kenne ich eigene Fallbeispiele aus der Familie, wo ich zum Glück keine akuten Berührungspunkte habe...

    Ich drücke euch die Daumen, das es zu einer vernünftigen Lösung für alle kommt...

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  2. Hallo Andreas, da hat dein Vater den Baum mit der ungünstigsten Stelle vom Auto erwischt. Seitlich am Längträger vorbei hat das Auto die Energie an den "Weichteilen" abgebaut. Deshalb ist auch die Achshälfte rechts rausgerissen. Wäre der Wagen etwas mehr in Richtung rechter Längträger auf den Baum getroffen, wäre der Rahmenschaden zwar größer, aber die Weichteile wären nicht so stark beschädigt. Sei es wie es sei, wichtig ist es, dass dein Vater recht Gesund daraus gekommen ist. Blech kann man mit Geld ersetzen, Gesundheit nicht! Ich wünsche deinem Vater alles Gute.
    Gruß aus WW
    Peter

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  3. Das ist ja wirklich heftig... da war sein Schutzengel aktiv.
    Meine Mutter hat auch ihre Automobiltiät verloren. Nur ein kleiner Schaden, aber die Begleitumstände führten zum Verlust der Fahrerlaubnis. Sie ist sehr geknickt darüber. Wir hatten wir sie häufig gewarnt und ich hatte ihr zeitweise das Autofahren auch schon verboten.

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    1. Ja, Christoph, da hast Du wohl Recht.

      Mein Vater ließ sich das Autofahren leider nicht verbieten! Und mit Vernunft ist ihm auch nicht beizukommen. Nach allerhand genutzten Möglichkeiten habe ich es aufgegeben, mich dafür verantwortlich zu fühlen, Ich habe mir auch von amtlichen Stellen zusichern lassen, dass ich alles in meiner Macht mögliche unternommen habe - nun kann man mir deshalb wenigstens keine Vorwürfe machen.

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