Donnerstag, 28. August 2014

Alles ist endlich - Urlaub leider auch

Unser REDSTAR auf Bewährungstour: Teil 4

"Am Thema vorbei" wäre eine gerechte Beurteilung, wenn man über das Wetter in unserem Urlaub auf Sizilien jammern würde. Tagestemperaturen zwischen 28 und über 39°C - wie bei der Fahrt zum Ätna, ebenso täglicher Sonnenschein und somit reichlich Bräune, lassen eigentlich keinen Zweifel an einem perfekten Sommer-Feeling.

Dennoch ist das Wetter in diesem Jahr irgendwie anders. Vom sizilianischen Fernsehen werden wir nahezu täglich über Tornados über dem Meer vor Genua, Schlammlawinen in Südtirol, Hochwasser durch Wolkenbrüche und Starkregen in Norditalien informiert. Per Telefon erhalte ich live das Regenprasseln von zuhause vor der Haustür und meine Tochter berichtet, ebenfalls am Telefon, dass in Norddeutschland temperaturmäßig offensichtlich bereits der Herbst Einzug hält.
So sehr kann die sizilianische Sonne scheinen

Sonnenbrand auf Autolack

Sogar Supermärkte bieten Schattenparkplätze auf Sizilien

Tornadorot ist auch sehr sonnenempfindlich



Auf Sizilien und somit fast in Sichtweite zu Afrika, ist es natürlich noch lange nicht soweit. Doch mir fällt auf, dass es Tage gibt, an denen sich hier hin und wieder Wolken vor die Sonne schieben. Manchmal braust sogar ein böiger Wind auf - nicht kalt, eher wie ein heißer Fön. Typische Sonnenuntergänge findet hin und wieder mal wegen vorhandenen Dunstes am Horizont, also aufgrund sehr hoher Luftfeuchtigkeit, nicht statt. An einigen Tagen haben wir beim Baden aufgrund des heftigen Windes recht brutale Wellen, die stellenweise sogar den breiten Strand anfressen. Für die Sizilianer ist das bereits der "Inverno" (= Winter), an den bewachten Strandabschnitten flattern dann rote Fahnen (Badeverbot) - die Einheimischen können allerdings mehrheitlich sowieso nicht schwimmen und bleiben daher lieber ganz zuhause. Dementsprechend leer ist der Strand an solchen Tagen. Ich bin das auf Sizilien in dieser Jahreszeit eigentlich nicht gewöhnt.
Auch wenn es nachts geregnet hat...
davon merkt man tagsüber nichts

In unserer letzten Nacht des Urlaubs auf Sizilien wache ich gegen fünf Uhr auf. Trotz des ständigen Rauschens des Ventilators - ohne den man es vor Hitze nicht aushalten könnte - vernehme ich seltsame Plopp-Geräusche. Als ich der Sache auf den Grund gehe, stelle ich fest, dass es draußen regnet - alles ist komplett naß. Aber es riecht schön frisch. Stunden später brennt die Sonne wieder vom Himmel und der nächtliche Regen ist vergessen - als ob nichts passiert ist.
Abschied vom Strand

Nachdem unsere Sachen gepackt sind, unternehmen wir zum Abschied einen letzen Spaziergang am Strand. Anschließend werden die Schlüssel unserer Ferienwohnung zurückgegeben. Die Zeit bis zur Abreise verbringen wir bei unseren Freunden in der Stadt. Sie haben ein oppulentes Abschiedsessen arrangiert, alle sind ein bisschen traurig.
Selbstgemachte Bruschetta 

Die sizilianische Salsiccia (re.) ähnelt äußerlich einer
groben Bratwurst. Sie ist aber mit Fenchel gewürzt
und wird vor dem Essen mit dem Saft frischer
Zitronen (li.) beträufelt. Senf passt dazu nicht!

Selbstgemachte Pizza

Bei Vetranos vor dem Tor

Um 17.00 Uhr brechen wir dann gen Palermo auf. Ab 19.00 Uhr wartet dort im Hafen eine Fähre der Grandi Navi Velocci auf uns.

Dafür überqueren wir die Insel Richtung Norden auf der SS 624. Bei San Giuseppe Iato klettern unsere Bulli nochmal in die kühlen Wolken, die sich vor dem Monte Iato stauen. Danach geht es kontinuierlich bergab bis in die "Conca d'oro" (= Goldenes Becken) genannte Bucht von Palermo.
Porto von Palermo

Bei der Fahrt durch die Halbmillionen-Stadt ist es mir noch nie gelungen, eine feste Route zum Porto zu finden. Auch dieses Mal schickt uns das Navi wieder kreuz und quer durch die Hauptstadt der Autonomen Region Sizilien. Schließlich treffen wir doch pünktlich zum Einchecken an der "La Suprema" ein. Eine Stunde später stehen unsere Autos im Parkdeck C und wir beziehen eine klimatisierte Vierbett-Kabine auf der 8. Etage. Kurz nach 21.00 Uhr legt das über 211 Meter lange und mehr als 30 Meter breite Schiff Richtung Genua ab. Wenig später liegen wir in den Betten.
Eng wie in einer Sardinenbüchse

Die fensterlose Kabine ist zwar eng aber komfortabel, sogar mit WC und Dusche. Ich wache gegen 11.00 Uhr am Vormittag auf und checke mal die Lage auf einem der Aussendecks. Rundum Tyrrhenisches Meer, nur zwei kleine Inseln sind zu sehen. Die eine könnte Elba sein, die andere Pianosa, Capraia oder Gorgona... auf jeden Fall ist es nicht mehr weit bis Genua. Na ja, wenn man bedenkt, dass die ganze Fahrt bei 22 Knoten zwanzig Stunden dauert, sind sechs oder sieben Stunden tatsächlich nicht mehr viel, oder?
Hinterm Horizont geht's weiter... 

Elba hinter uns

Da wir ab Genua möglichst in einem Stück bis nach Hause durchfahren wollen, haue ich mich noch ein bisschen auf's Ohr - wohl wissend, dass man nicht "vorschlafen" kann. Gegen 14.00 Uhr sind wir jedoch alle wach, essen und trinken ein wenig. Um 15.00 Uhr, zwei Stunden vor dem offiziellen Eintreffen im Zielhafen, werden alle Passagiere wegen allgemeinen Vorbereitungen und Reinigungsarbeiten aus den Kabinen gebeten. Wir lungern bis 17.00 Uhr mit unseren Sachen auf den unterschiedlichen Decks und auf Treppen herum.
Draußen wartet die Hafen-Skyline von Genua

Gegen 18.15 Uhr rollen wir auf die "Calata della Chiappella" in Genua aus der Fähre. Die Strassenführung aus diesem Hafen ist atemberaubend haarsträubend. Nach einigem hin und her verlassen wir die Stadt in Richtung Voltri. Dort lichte ich vor dem Hintergrund der im Hafen zur Verschrottung festgemachten "Costa Concordia" (das Kreuzfahrtschiff war die letzten zwei Jahre wegen einer dramatischen Havarie vor der Insel Giglio in den Medien) noch eben den REDSTAR ab. Dann geht es schnurstracks auf der kurven- und tunnelreichen A26 durch den Apennin Richtung Mailand.
In Genua-Voltri wird seit etwa drei Wochen die "Costa Concordia" abgewrackt (linke Bildmitte im Hintergrund)

Typisches Deutschland-Wetter zum nächtlichen Empfang

In Mailand ist es bereits dunkel, als wir die Alpen von Süden her über die A9 ansteigen beginnt es zu nieseln. Gegen 21.30 Uhr überschreiten wir die italienisch/schweizerische Grenze bei Chiasso.

Es ist düster und kalt als wir zwei Stunden später wieder in die Tunnelröhre des St. Gotthard einfahren. Innerhalb seiner 17 Kilometer steigt die Aussentemperatur auf fast 34°C an (ich lese später, dass diese Temperatur aufgrund der großen Überdeckung des Gebirges sogar im Winter zu messen ist). 
Als wir den St. Gotthard verlassen regnet es in Strömen. Um 1.00 Uhr befahren wir bei Basel wieder deutschen Boden, eine halbe Stunde später nehmen wir Platz bei Mc Donald's in Weil am Rhein. Draußen geht Starkregen herunter. Herzlich Willkommen in Deutschland!

Wir schaffen es in dieser Nacht noch bis nach Frankfurt. Gegen 6.00 Uhr stehen die Bullis in einem Wald bei Langen. Wir wollen nichts riskieren und schlafen erstmal 'ne Runde. Die restlichen 400 Kilometer werden schließlich ab 10.30 Uhr vernichtet. Kurz nach 15.00 Uhr sind wir wieder zuhause.
Auch das hat gut funktioniert: Salatöl für den REDSTAR

Genau 5.412 Kilometer zeigt der Tacho des REDSTAR mehr als vor drei Wochen. Durch die Einspritzpumpe unseres MULTIVAN flossen währenddessen knapp 400 Liter Treibstoff zu durchschnittlich 1,45 EUR/Liter (für 775 Kilometer sogar 56 Liter sizilianisches Pflanzenöl). Der Durchschnittsverbrauch liegt somit bei absolut respektablen 7,22 Litern auf 100 Kilometern - und das trotz Jetbag! - wozu so ein Tankheftchen doch alles gut sein kann! Motoröl habe ich während dieses Urlaubs übrigens nicht nachfüllen müssen, obwohl die Ölablassschraube undicht ist und der REDSTAR deshalb noch immer ständig herumkleckert.
Somit ist die große Bewährungstour mit Bravour bestanden! Der REDSTAR hat uns einen erlebnisreichen, der weisse BLUESTAR sogar einen aufregenden Urlaub beschert.

Beim Ausladen der Autos fängt es wieder an zu regnen - ich glaube, wir haben alles richtig gemacht!


Kommentare:

  1. Hallo El,

    Ich muss schon sagen, dass ihr wirklich einen spannenden Urlaub erlebt habt - und du einen spannenden Bericht geschrieben hast. Gefällt mir prima. Man kann schon merken, warum du Sizilien so magst. Vielleicht schaffe ich es dort auch einmal hin. Irgendwann.
    Freut mich auch, dass der RedStar so gut durchgehalten hat. Aber etwas anderes war nach der Arbeit doch auch nicht zu erwarten, oder?
    Schöne Grüße
    Lars

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    1. Tach Lars,

      vielen Dank für Deinen netten Kommentar. Unsere Urlaube sind sehr selten langweilig. Trotzdem haben wir uns prima erholt.

      Und, ja! Der REDSTAR hat seine Sache prima erledigt - er hat uns nicht enttäuscht.

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  2. Hallo,
    interessantes Blog, und schöner Urlaubsbericht, danke fürs teilen - bin hier gerade über das Sandmann-Blog und den Redstar-Bericht dort hergekommen, war neugierig wie es mit dem Auto weiterging - der steht ja jetzt besser wie neu da :)

    Das Problem einer schmorenden Zigarettenanzünderleitung hatte ich auch vor Jahren bei einem Postbulli, da hatte jemand den Zigarettenanzünder nachgerüstet - zwar "nach Vorschrift" abgesichert, aber dafür ein viel zu dünnes Kabel in den Kabelbaum eingeflochten, sehr böse Falle. Das hielt mit Kühlbox auf einer Englandreise dann zwar fast 2000km, erst auf der Rückfahrt als wir in Calais aus der Fähre fuhren qualmte auf einmal das Armaturenbrett, da hatte sich die Leitung schon durch den halben Kabelbaum gebrannt. Glücklicherweise war die Kühlbox während der Fährüberfahrt nicht eingesteckt...

    Seitdem guck ich bei der Elektrik sehr genau hin und mach im Zweifelsfall lieber alles selbst neu... und hab jetzt auch einen Feuerlöscher im Auto, besser ist das.

    Grüße aus dem Saarland, und weiterhin gute Fahrt!
    Bas

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