Montag, 26. Mai 2014

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht

ein Zitat von Franz Kafka

oder auch:
Es ist keine Schande nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen. Platon

Immer wieder hört man die lapidare Aussage: "Ein Computer ist einfach nicht meine Welt!" - offensichtlich eine Flucht vor dem eigenen Unwissen. Das Erkennen dieses Mankos ist das eine, dessen Beseitigung aber etwas anderes. Immerhin wäre damit ein unbequemer Aufwand durch geistige Arbeit verbunden, puuh... die Trägheit der (Gehirn)Masse stellt durch die Abgabe dieser Leistung voraussichtlich ein nicht unerhebliches Hindernis dar. Obwohl dieses Verhalten sicherlich durchaus menschlich ist, habe selbst ich mich dem einstmals nicht einfach nur tatenlos hingegeben.

Bis August 1992 hielt ich Personalcomputer für schlichte Zeitverschwendung. Die Computerei war damals für mich durch einige meiner Mitmenschen eher negativ in Erscheinung getreten. Diese saßen nämlich stundenlang vor ihrem Fernseher, den sie durch eine sogenannte Konsole zum Computermonitor umfunktioniert hatten und spielten auf ihm nun mit weißen Balken und Quadraten eine Art Tennis - sonor untermalt von einem sehr künstlichen Piep, wenn einer der weißen Balken das hin- und hergespielte Quadrat abwehrte. Für dieses "Daddeln" konnte ich mich höchstens für fünf Minuten begeistern.


Pong




Endlospapier als Computerindiz

Grad fällt mir ein, dass ich eine weitere Begegnung mit einem Computer bereits einige Jahre zuvor hatte. Ich absolvierte damals gerade ein Praktikum in einem Gartenbaubetrieb. Die monatliche Abrechnung für mein kärgliches Praktikantenentgelt war mit einem Computer erstellt. Irgendwann musste ich in das Büro meines Chefs. Dort füllte eine riesige, schwere Maschine knapp die Hälfte des Raumes. Der Drucker veranstaltete einen Heidenlärm und am anderen Ende der Höllenmaschine kamen Rechnungen auf Endlospapier heraus. Dessen Perforation musste von Hand dann rechts und links vom Rand abgetrennt werden, die Buchstaben des gedruckten Textes bestanden jeweils aus einzelnen Punkten.

Angehender Industriekaufmann
1992 begann ich eine Umschulung zum Industriekaufmann. Das Arbeitsamt bestand dazu auf den Erwerb des EDV-Anwenderpasses für Wirtschaft und Verwaltung. Grundlagen der EDV, der Umgang mit dem damals aktuellen Betriebssystem Microsoft DOS 5.0 aber auch Windows 3.11, das noch DOS-basierte Datenbankmanagementsystem dBase, die Textverarbeitungssoftware MS Word 5.0, die Tabellenkalkulation MS Excel sowie eine KHK-Software für Buchhaltung haben mir in den folgenden zwei Ausbildungsjahren ein grundlegend neues Verständnis und eine völlig andere Sicht des Einsatzes von Computern gegeben. 

Kurz nach dem Start der Computerkurse schaffte ich meinen ersten PC an. Die Prozessorgeschwindigkeit des über 2.000,- DM teuren Gerätes betrug 6 MHz, eine Turbotaste beschleunigte auf das Doppelte. Die Seagate-Festplatte bot knapp 350 Megabyte Speicherplatz, der Arbeitsspeicher umfasste sagenhafte 1 MB. Die Grafikkarte bescherte zusammen mit dem 12-Zoll-Monitor leider nur ein Schwarz-weiß-Bild. Der Monitor ließ sich jedoch auf eine bernsteinfarbene Anzeige umstellen. Das Desktopgehäuse beherbergte ein 7,5-Zoll-Diskettenlaufwerk. Es gab sogar eine Maus. Lediglich beim Drucker achtete ich auf etwas Extravaganz. Ich stattete mich nämlich nicht mit dem damals üblichen 12- oder 24-Nadeldrucker aus, sondern leistete mir einen wesentlich luxuriöseren Tintenstrahldrucker von Hewlett-Packard. Im Vergleich zu heutiger Hardware ist das durchaus ein Unterschied wie Noah's Arche zur MS Queen Mary 2.

Nur knapp zwei Jahre nach dem Einzug dieses PC in meine Welt, zeichnete ich bereits Sprach- und Musikaufnahmen digital auf. In Fachkreisen munkelte man bereits über selbstgebrannte Compactdiscs. Ein sogenannter CD-Brenner oder -Rekorder sollte angeblich 10.000,- DM kosten, ein CD-Rohling sollte für etwa 500,- DM zu erwerben sein. Ich entschied mich damals lieber für einen mit immernoch 800,- DM um einiges günstigeren MiniDisc-Recorder von Sony. Nur ein Jahr später gab es mit knapp 500,- DM günstige CD-Brenner (1- und 2-fache Geschwindigkeit) für PC. Rohlinge gab es beispielsweise bei Aldi für 1 Mark 50/Stück. Beim Versuch CDs zu brennen, unterliefen jedoch immer wieder gern Fehler, sogenannte "Buffer underruns". Von zehn CDs gelangen oftmals nur vier oder fünf.

Trotzdem: was für eine technische Entwicklung?

Symbol einer Computerwelt
1996/97 betraute man mich u.a. mit der Einrichtung der EDV einer Vertriebsfirma im Ruhrgebiet. Ich führte dort ein kaufmännisches Programm, insbesondere für das Bestellwesen, Rechnungserstellung, etc. ein. Außerdem stellte ich mit meinem PC einen umfangreich bebilderten Produktkatalog zusammen. Dazu erschloss ich mir autodidaktisch Grafik- und Layoutprogramme wie CorelDraw und QuarkXpress. Später gestaltete ich hauptberuflich in einer Werbeagentur mit der Mac-Version von QuarkXpress Werbung. Ehrenamtlich brachte ich zudem im Redaktionsteam eines Kirchengemeinde-Magazins das Layout und die Digitalisierung des Drucks auf einen modernen Weg. Eine besondere Herausforderung bestand darin, dass der verantwortliche Pastor mit einem Mac arbeitete - es musste also zum Erreichen einer erfolgreichen Zusammenarbeit für eine gewisse Kompatibilität zwischen seinem und den herkömmlichen PC der anderen Mitarbeiter gesorgt werden.

Ausgerechnet zur Jahrtausendwende lag ich mit einer lebensgefährlichen Bauchspeicheldrüsenentzündung im Krankenhaus. In der anschließenden langen Erholungsphase begann ich mich intensiv für das Internet zu interessieren. Wieder zuhause nutzte ich eine jener AOL-Werbe-CD-ROMs, die 120 Stunden kostenlosen Internetzugang versprachen. Bei meinen ersten Schritten in diesem neuen Medium half mir außerdem ein 56k-Modem (das, mit den komischen Tönen beim Einwählen ins Internet).

DJ am Monitor

Auch meine Arbeit als Discjockey wurde zunehmend durch den PC erleichtert, denn durch Kompression digital gespeicherte Audiodaten hielten dort durch Erfindung der mp3-Datei Einzug. Die Umwandlung meiner bis dahin auf CDs vorhandenen Musik ersparte mir daher fortan das Schleppen schwerer CD-Koffer - eine externe Festplatte, nicht wesentlich größer als eine Packung Zigaretten, fasste all das, was bisher in sieben Werkzeugkoffern Platz fand. Die obligatorischen CD-Player wurden durch einen PC und spezielle DJ-Software ersetzt.
Internetentwickler
In einer Zeit, in der politisch Verantwortliche ein Manko an IT-Fachkräften in Deutschland diagnostizierten, ließ ich mich zum Internetentwickler ausbilden. Als Qualifizierungsmaßnahme erlernte ich Programmiersprachen wie Perl, JavaScript, PHP und Actionscript, lernte mit der Internetformatierung HTML sowie CSS umzugehen. Auch in Formen- und Farbenlehre sowie Typografie (Schriftenlehre) sowie auf die professionelle Bildbearbeitung mit Adobe Photoshop wurde ich geschult. In unterschiedlichen Internet-Projekten musste ich schließlich sämtliche erlernte Fähigkeiten als Internetentwickler beweisen. Als ich mich nach einem Jahr dieser speziellen Ausbildung dem Arbeitsmarkt deutschlandweit ca. 150-fach anbot, hatte sich die Arbeitsmarktlage drastisch zu meinen Ungunsten verändert. Den Mangel an dringend benötigten IT-Fachkräften hatte die Bundesregierung nämlich mittlerweile durch die Vergabe von sogenannten Green-Cards zu beheben versucht. Somit wurden die Arbeitsplätze mit ausländischen Fachkräften besetzt. In dieser deprimierenden Situation blieb mir nur der Schritt in die Selbstständigkeit, damals als Ich-AG gefördert. Ich nutzte die Synergien einer Bürogemeinschaft. Die Kollegen vertrieben u.a. meine Leistung als Internetentwickler. Als die Zusammenarbeit nach etwa einem Jahr aus privaten Gründen des Bürogemeinschafts-Vorstandes aufgelöst werden musste, endete somit auch mein Engagement.

Autor
Fast gleichzeitig öffnete mir das Internet auch in anderer Hinsicht die Augen. In einem Internet-Erotik-Forum wurde ich von Erzählungen und Offenbarungen meiner damaligen Ehefrau überrascht - letztendlich der Anfang vom Ende dieser Ehe. Der Stoff für mein erstes Buch "Serotonin-Achterbahn" basiert auf die Zeit danach - auch hier spielte das Internet eine wichtige Schlüsselrolle. Meine jetzige Frau Olivia habe ich schließlich auch durch das Internet gefunden.
Photogeshoppt
Das Internet nimmt, das Internet gibt! Fest steht aber auf jeden Fall, dass das Internet die Welt verändert.
Ebenso, wie der Computer gleichsam Fluch und Segen bedeuten kann.

Ich habe sowohl dem Computer als auch dem Internet anfangs sehr skeptisch gegenüber gestanden. Trotzdem musste ich letztendlich durch meinen beruflichen Weg offen für die Welt des PC sein. Ich gebe mir daher immer sehr viel Mühe, das Wesen des Computers zu ergründen, ihn zu begreifen, zu verstehen. Dazu ist oftmals allerdings eine unbändige Geduld und Ausdauer nötig. Auch dem lebenslangen Lernen sollte man im Umgang mit der EDV nicht abgeneigt sein. Intuitives Vorgehen wird ebenso vorausgesetzt, wie eine gewisse Lust am Experimentieren. Ich persönlich bin am PC auch noch gern kreativ und produktiv - ein Grund, warum ich z.B. digital fotografiere, begeistert photoshoppe, selbst Musik und Sounds aufnehme, schneide und bearbeite, weiterhin nebenbei Homepageprojekte uploade... und natürlich auch hier in meinem Blog schreibe. Lediglich zum Spielen nutze ich den PC NICHT!
Es ist nie zu spät sich mit der Welt des PC auseinanderzusetzen! Jeder kann es erlernen! Man muss es nur wollen! Ich habe das bewiesen.

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